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Kirchengeschichte

Antworten im Thema: 14 » Der letzte Beitrag (21. Oktober 2015, 17:11) ist von diaconus.

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1

Samstag, 31. August 2013, 10:58

Kirchengeschichte

Kurzbeschreibungen aus der Kirchengeschichte der römisch-katholischen Kirche
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2

Samstag, 31. August 2013, 10:58

Synode von Arles, 353 - Paulinus von Trier
In Arles hatte Kaiser Konstantius II. von den versammelten Bischöfen verlangt, sie sollen sich wiederum zu Arius bekennen und den – rechtgläubigen – Bischof Athanasius von Alexandrien verurteilen. Paulinus widersetzte sich dieser Forderung und hielt an dem vom Konzil von Nicäa formulierte Dogma von der Gottessohnschaft Jesu Christi fest. Dafür nahm er die Verbannung in Kauf. Hilarius von Poitiers berichtet, dass man ihn von einem Ort zum anderen schickte, bis er im Jahr 358 in Phrygien (Anatolien) gestorben ist.
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3

Sonntag, 1. September 2013, 17:50

Konzil (Synode) von Elvira - 300 - 306
Elvira, das heutige Granada in Spanien

Allgemeines
Nach der Verfolgung des Diokletians versammelten sich 19 Bischöfe, 24 Priester, einige Diakone und Laien aus 5 spanischen Provinzen. Die ersten drei Kanones der Synode betreffen Christen, die geopfert haben, und getaufte heidnische Priester, die noch nach der Taufe ihren früheren Beruf ausgeübt haben. Frauen, die ihre ehebrecherischen Männer verlassen, werden milder behandelt als solche, die keinen solchen Grund haben. Kleriker können sich durch Handel ihren Lebensunterhalt erwerben, sollen dabei aber nicht ihren Dienstort verlassen. Zins zu nehmen ist allen Christen verboten. Verheiratete Bischöfe, Priester und Diakone müssen sich des Verkehrs mit ihren Frauen enthalten, sonst werden sie aus dem geistlichen Stand ausgeschlossen. In Todesgefahr sollen gläubige Laien die Katechumenen taufen und nach der Genesung zum Bischof führen, damit er ihnen die Hand auflege. Kleriker sollen von Taufkandidaten keine Münzen verlangen. Wer ein Götzenbild zerstört und deswegen getötet wird, darf nicht als Märtyrer verehrt werden, weil im Evangelium nichts steht, dass es die Apostel jemals getan hätten.

Papst Klemens VIII. (1592 – 1605) wurde noch im 16. Jhdt. von einem Kardinal gebeten, diese Synode für ökumenisch zu erklären, tat dies aber nicht. Diese Synode zeigt eine Ausnahmesituation der Kirche, die sich nicht wiederholt. Die Verfolgung ist noch gegenwärtig, aber die Kirche hört auf, eine Gemeinschaft der Reinen zu sein.

Kirchenbesuch
Wenn jemand, der in der Stadt wohnt, an drei Sonntagen nicht zur Kirche kommt, dann er soll er für kurze Zeit ausgeschlossen werden, damit er als Gemaßregelter erscheint.

Zölibat - Canon 27
Er verbietet fremden Frauen das Zusammenwohnen mit Bischöfen oder anderen Klerikern; diese dürfen nur eine Schwester oder eine Tochter im Hause haben, die sich der Jungfräulichkeit geweiht hat.

Canon 33 - (erstes Zölibatsgesetz der Kirche)
Man stimmt in dem vollkommenen Verbot überein, dass für Bischöfe, Priester und Diakone oder für alle Kleriker, die in ihr Amt eingesetzt wurden, gilt, dass sie sich ihrer Ehefrauen enthalten und keine Kinder zeugen. Wer aber solches getan hat, soll aus dem Klerikerstand ausgeschlossen sein.

Kommentar
Die Bestimmung über den Kirchenbesuch galt natürlich nur für jene, die nicht durch Krankheit oder Alter gehindert waren. Canon 33 (Zölibat) war die erste schriftliche Festlegung des Zölibat, das jedoch seit der apostolischen Zeit in gleicher Form mündlich überliefert worden war.
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4

Montag, 16. September 2013, 17:56

Aus den Akten über das Martyrium des heiligen Cyprian von Karthago

Am 18. Tag vor den Kalenden des Monats Oktober (14. September) kam auf Befehl des Prokonsul Galerius Maximus viel Volk morgens früh zum Agee Sexti. Der Prokonsul saß an diesem Tag im Atrium Sauciolum zu Gericht und ließ den Cyprian vor sich bringen., Als er vorgeführt wurde, sagte der Prokonsul Galerius Maximus zum Bischof Cyprian: „Du bist Thascius Cyprianus?!“ Der Bischof Cyprian antwortet: „Ich bin es.“.

Der Prokonsul Galerius Maximus sagte: „Du hast dich gottlos gesinnten Menschen als Papst zur Verfügung gestellt.“ Der Bischof Cyprian antwortete: „Ja ich habe es getan!“ Dere Prokonsul Galerius Maximus sagte: „Die heiligen Kaiser haben dir befohlen zu opfern.“ Der Bischof Cyprian antwortete: „Das tue ich nicht!“ Galerius Maximus sagte: „Überlege es dir!“ Der Bischof Cyprian antwortete „Tu, was dir befohlen ist; in einer so gerechten Sache gibt es nichts zu überlegen“

Galerius Maximus besprach sich mit seinenRräten und gab dann widerwillig das Urteil ab mit den Worten: „Du hast lange in einem gottlosen Geist gelebt, viele Menschen in einer ruchlosen Verschwörung um dich versammelt und dich zum Feind der römischen Götter und der heiligen Bräuche gemacht. Die frommen und heiligen Fürsten, die Kaiser Valerianus und Gallienus und der erlauchte Unterkaiser Valerianus konnten dich nicht zur Gemeinschaft ihrer heiligen Riten zurückrufen. Da du also als Urheber und Rädelsführer schlimmer Verbrechen gefasst bist, soll – für diese, die du für deinen Frevel gewonnen hast, zum warnenden Beispiel – die h eilige Ordnung mit deinem Blut bestätigt werden.“ Nach diesen Worten verlas er aus der Tabelle das Urteil: „Thascius Cyprianus soll mit dem Schwert hingerichtet werden. Der Bischof Cyprian sprach: „Dank sei Gott!“

Nach diesem Urteilsspruch sagte die Schar dere Brüder: „Auch wir wollen mit ihm enthauptet werden.“ Darum gab es laute Unruhe unter den Brüdern und eine große Menge folgte ihm So wurde Cyprian zum Ager Sexti geführt. Dort legte er den roten Mantel ab, kniete nieder und warf sich zu Boden, um zum Herrn zu beten. Dann zog er die Dalmatik aus und reichte sie den Diakonen. Nun stand er im Linnengewand da und wartet auf den Scharfrichter.

Als dieser kam, gebot Cyprian den Seinen, ihm 25 Goldstücke zu reichen. Leintücher und Handbinden wurden ihm von den Brüdern hingehalten. Dann verband sich Cyprian mit eigener Hand die Augen. Da er sich die Streifen für die Hände nicht selbst binden konnte, banden sie ihm der Presbyter Julian und der Subdiakon Julian.

So litt der heilige Cyprian. Wegen der Neugierde der Heiden wurde der Leib in der Nähe beigesetzt. Von dort holte man ihn bei Nacht mit Kerzen und Fackeln ab und brachte ihn unter Gebet in großem Triumphzug zur Grabstätte des Prokurators Macrobius Candidianus, die an der Straße nach Mappalia bei den Fischteichen liegt. Der Prokonsul Galerius Maximus starb wenige Tage später.

Der heilige Märtyrer Cyprian starb am 18. Tag vor den Kalenden des Oktobers (14. September) unter den Kaisern Valerian und Gallienus, unter der Königsherrschaft Jesu Christi, dem Ehre und Herrlichkeit ist in Ewigkeit. Amen.
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5

Samstag, 16. November 2013, 16:53

Innozenz VIII. (+ 1492)
Aus der Bulle zur Heiligsprechung des Markgrafen Leopolds.

Wir sind von Gott erschaffen und von ihm erlöst worden. Aber dennoch bezeigen wir ihm die schuldige Ehrfurcht nicht, ja, wir lassen ihn nicht nur außer acht, sondern schmähen und lästern ihn sehr oft. Es sind uns zwar die Gebote des göttlichen und menschlichen Gesetzes zur Beobachtung vorgelegt, aber wir sträuben uns, diesen Geboten Gehorsam z leisten Wir wenden unsere Augen davon weg und zeigen uns widerspenstig. Viele Heilige zeigen uns ihr Beispiel, aber wir weigern uns hartnäckig, diese nachzuahmen, und wenn von unserem Heil gesprochen wird, schützen wir unsere Schwachheit oder unsere irdischen Geschäfte vor. Das klare Beispiel des Fürsten Leopold, der verheiratet war und für viele Menschen zu sorgen hatte, ermahnt uns, alle Entschuldigungen fallen zu lassen, um uns im Guten zu über. Dieser Mann Gottes, im Reichtum erogen, immer der Freiheit zur Sünde ausgesetzt, mit Ehesorgen und Regierungsgeschäften belastet, vergaß nie den Glauben und die Barmherzigkeit. Er war berühmt wegen seiner Einfachheit, Mäßigkeit und Freigebigkeit. Seine Aufrichtigkeit und seine Demut erwarben ihm die Achtung aller Christen. Er stärkte die Schwachen, stützte die Wankenden, richtete die Unterdrückten auf und half den Bedürftigen. Inmitten der häuslichen Sorgen, der Schwierigkeiten der Ehe, der Liebe zu seinen Kindern, der Sorgen um sein Land, hielt er Abstand von der Welt und verwaltete das Zeitliche so, dass er das Ewige nicht aus den Augen verlor. Vierzig Jahre regierte er das Land Österreich. Während in anderen Ländern Mord und Totschlag herrschten, erhielt er das ihm anvertraute Land in langem Frieden.
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6

Mittwoch, 12. Februar 2014, 17:02

Galileo Galilei

Am 15. Februar jährt sich zum 450. Male der Geburtstag von Galileo Galilei, der in Pisa geboren worden war. Er war zwar ein berühmter Forscher, aber weder der Erfinder noch Entdecker eines neuen Weltbildes, auch nicht der Erfinder des Fernglases, das er nur weiterentwickelte während das heliozentrische Weltbild, dass die Erde um die Sonne kreist von Nikolaus Kopernikus stammt. Sein auch heute noch anhaltender Ruhm basiert darauf, dass ihm ein Image als „Märtyrer der Wissenschaft“ und ein „Opfer der Inquisition“ zugeordnet wurde. Ein Image, dass im seriösen Wissenschaftsbetrieb längst widerlegt ist und dass das wissenschaftliche Ergebnis zu Gunsten der Kirche ausgegangen ist. Leider wird dieses wissenschaftliche Ergebnis noch immer von gewissen Kreisen wie Atheisten, linke Gruppen usw. bewusst nicht zur Kenntnis genommen, denn dann wäre ihr Feindbild zusammengebrochen und auch ihr Angriff gegen Glaube, Religion und Kirche eines ihrer wichtigsten Argumente endgültig beraubt, denn „was nicht sein darf, kann ja nicht sein.“
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7

Dienstag, 25. August 2015, 17:05

München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes.
Eine Abhandlung vom Blog Forum Deutscher Katholiken.

Zitat

Während des Zweiten Weltkriegs und auch in den Jahren danach wusste jeder, dass die katholische Kirche ein bedeutendes Opfer der nationalsozialistischen Christenverfolgung war. Heute ist es anders. Heute wird von verschiedenen Seiten der Kirche vorgeworfen, sie hätte kaum Widerstand geleistet. Wer diesen Vorwurf dennoch erhebt, muss sich fragen lassen, warum er die einschlägigen Veröffentlichungen und Dokumentationen nicht gelesen hat, bevor er sich zu Wort meldet. Auch wer behauptet, die katholische Kirche hätte mehr Widerstand leisten sollen, muss sich fragen lassen, ob er denn nicht weiß, dass die Nationalsozialisten in Deutschland und in den besetzten Ländern 4000 katholische Priester ermordet haben – hätten es denn noch mehr sein sollen?
Um dieser unwissenschaftlichen Polemik entgegenzuwirken, bringen wir hier in Fortsetzungen eine Stellungnahme des Historikers Dr. Eduard Werner, der zunächst für das international renommierte Münchner “Institut für Zeitgeschichte” und dann bis zu seiner Pensionierung für das Goethe-Institut arbeitete und sich den größten Teil seines Lebens mit den Fakten zur Geschichte der Kirche im Nationalsozialismus befaßt hat. In unserer Monatszeitschrift “Der Fels” veröffentlicht er seit Jahren Kurzbiografien zum Martyrologium katholischer Persönlichkeiten in der NS-Zeit. Dort erscheint auch die folgende Untersuchung.
Auslöser für die hier in Fortsetzungen gebrachte Untersuchung war ein unglaublicher Vorfall in München. Zu unserem Erstaunen hat weder die Deutsche Bischofskonferenz noch das Erzbistum München und Freising Protest erhoben und Widerspruch eingelegt.
I. Teil:
Das neue NS-Dokumentationszentrum am Königsplatz in München will die Entstehungsgeschichte und Wirkungsweise des Nationalsozialismus dokumentieren. Dabei geht es jedoch sehr einseitig vor, so dass es seiner Aufgabe nicht gerecht wird. Schon in seiner Eröffnungsrede zeigte der Gründungsdirektor Dr. Nerdinger die antikatholische Tendenz seiner Unternehmung. Er sagte, es gäbe neben der geographischen Nähe auch eine geistige Nähe des damaligen Ungeistes. In der Nähe des Braunen Hauses, wo die NS-Ideologie ausgebrütet wurde, sei auch die Gestapo-Zentrale im Wittelsbacher Palais gewesen. Und 100 Meter weiter sei das Evangelische Landeskirchenamt, wo Landesbischof Meiser seine Pfarrer mit dem Hitlergruß begrüßte. „Und hier gegenüber dem Braunen Haus das Schwarze Haus, die Nuntiatur, wo schon 1933 das schändliche Konkordat angedacht wurde.“ – Damit unterstellte er der päpstlichen Nuntiatur zu Unrecht eine Komplizenschaft mit dem Hitler-Regime. In Wahrheit war das Konkordat aber keineswegs schändlich, sondern der verzweifelte Versuch des Vatikans, in der NS-Diktatur eine rechtliche Grundlage für die Seelsorge zu schaffen. Das Motiv der Kirche für den Abschluss des Konkordats war nämlich nicht Sympathie für das Regime, sondern Angst vor dem Regime. Geschah diese Äußerung Dr. Nerdingers aus Unkenntnis oder aus böser Absicht? Weiß denn der Gründungsdirektor nicht, dass das Bundesverfassungsgericht am 26. März 1957 die Fortgeltung dieses Konkordats und die grundsätzliche Bindung der Bundesrepublik Deutschland an dieses Konkordat anerkannt hat? Oder glaubt er, dass das Bundesverfassungsgericht einen schändlichen Vertrag gebilligt hat? Angedacht wurde es auch nicht erst 1933, wie der Gründungsdirektor sagte, sondern schon zehn Jahre früher. Als es abgeschlossen wurde, spielte die Münchner Nuntiatur keine große Rolle mehr.
Dieses Konkordat hat immerhin bewirkt, dass die katholischen Pfarrer, soweit sie in der Seelsorge eingesetzt waren, vom Kriegsdienst befreit wurden. Auch zum Eintritt in die NSDAP konnten sie nicht gedrängt werden, weil Priestern eine Partei-Mitgliedschaft verboten war. Vor allem die Tatsache, dass Hitler die Ausdehnung des Konkordats auf das Sudetenland und auf Österreich ablehnte, zeigt doch, dass er das Konkordat auch als Fessel betrachtete. Der letzte noch lebende Priester aus dem KZ Dachau, Prälat Hermann Scheipers, sagte auf meine Frage nach seinem Urteil über das Konkordat: „Ohne Konkordat hätte die Verfolgung der Priester sicher noch früher begonnen. In manchen Fällen wurde doch auf das Konkordat Rücksicht genommen.“ Das Konkordat war jedenfalls nicht schändlich. Die Nuntiatur in die geistige Nähe des Braunen Hauses und der Gestapo-Zentrale zu rücken, verrät Unkenntnis oder Böswilligkeit.
Was wurde in diesem Haus der Nuntiatur wirklich angedacht?
1. Dort hat der päpstliche Botschafter während des 1. Weltkriegs von diesem Haus aus für die Friedensinitiative von Papst Benedikt XV. geworben. Leider ist er damit bei der deutschen Reichsregierung auf taube Ohren gestoßen. Wieviel Leid hätte vermieden werden können, wenn Deutschland auf seine Friedensvorschläge eingegangen wäre und mit dem päpstlichen Nuntius zusammen die Friedensbereitschaft Großbritanniens und Frankreichs ausgelotet hätte.
2. Auch der päpstliche Versuch, den Genozid an den Armeniern zu verhindern oder wenigstens abzukürzen, wurde in dieser Nuntiatur in der Brienner Straße nachhaltig unterstützt. Auch in diesem Punkte stieß der Nuntius bei der deutschen Regierung auf taube Ohren.
3. Nachdem im Mai 1917 Eugenio Pacelli Nuntius geworden war, kam auch der jüdische Journalist Nachum Sokolow, Führungsmitglied des Zionistischen Weltkongresses, in dieses Haus, um beim Nuntius Pacelli Rat zu suchen für eine mögliche Gründung eines Judenstaates.
4. Da sich die Juden in Jerusalem während des Ersten Weltkrieges von den Türken bedroht fühlten, wurde Nuntius Pacelli auch beauftragt, die deutsche Reichsregierung zu bitten, sie möge auf ihren türkischen Bündnispartner mäßigend einwirken. In dieser Nuntiatur wurde also ständig gerungen um Menschen in Leid, während in den „Nachbarhäusern“, dem Braunen Haus und im Wittelsbacher Palais, diabolische Gedanken ausgeheckt wurden, um Menschen zu quälen. Die Nuntiatur, die der Gründungsdirektor Dr. Nerdinger verächtlich das „Schwarze Haus“ nennt, war eher ein Lichtpunkt, ein Haus der Hoffnung. Das neue NS-Dokumentationszentrum steht jetzt auf dem Boden des Braunen Hauses. Offenbar ist dort der Ungeist der Lüge noch nicht ganz erloschen. Jedenfalls wird das NS-Dokumentationszentrum dem selbst gesetzten Anspruch „zu dokumentieren“ ersichtlich nicht gerecht.
- Fortsetzung -
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Dienstag, 25. August 2015, 17:07

Fortsetzung

Zitat

München – die Hauptstadt des Widerstandes.
Eine bedeutende Rolle spielte die Nuntiatur in der Brienner Straße in der Berichterstattung an den Vatikan, d.h. in der Entlarvung und frühzeitigen kirchlichen Verurteilung des Nationalsozialismus. Der Hausherr der Nuntiatur, Nuntius Eugenio Pacelli, kennzeichnete bereits 1924 den Nationalsozialismus als „die vielleicht größte und gefährlichste Häresie unserer Zeit“. Sicher berichtete er dies auch nach Rom, so dass Papst Pius XI. bereits am 25. März 1928 den Antisemitismus und damit den NS insgesamt verurteilen konnte. Woher hätte der Papst diese Spezialkenntnisse in deutscher Politik haben können, wenn nicht von seinem Botschafter in der Nuntiatur in der Brienner Straße in München? Das Heilige Offizium (Glaubenskongregation) in Rom erklärte u.a. „Da der Papst allen Neid und alle Eifersucht zwischen den Völkern verurteilt, so verdammt er auch aufs schärfte den Hass gegen das einst von Gott auserwählte Volk, jenen Hass nämlich, den man heute allgemein mit dem Namen Àntisemitismus zu bezeichnen pflegt.“ Doch bei dieser Verurteilung blieb es nicht. Der Vatikan setzte auch das ideologische Hauptwerk der Nationalsozialisten, Alfred Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ schon am 7. Februar 1934 auf den „Index der für Katholiken verbotenen Bücher“. Dieses ideologische Machwerk, das im Dienste des NS sowohl eine völlig unwissenschaftliche Germanen-Romantik wie auch eine antikatholische Stimmung zu verbreiten versuchte, war damit – ausgehend von der Nuntiatur in der Briennerstraße – als übles Machwerk weltweit entlarvt und verurteilt. Dieses Buch, das vom Braunen Haus sehr gefördert wurde, hatte damit seinen geistigen Gegenpol ebenfalls in der Briennerstraße. Es gab also in Wahrheit keine geistige Nachbarschaft, sondern den ersten Gegenpol zum Braunen Haus! Das ist die Wahrheit! Das Verbot für Katholiken, das ideologische Hauptwerk der Nazis zu lesen, führte natürlich dazu, dass sich deutsche Theologieprofessoren mit diesem Elaborat beschäftigten. Sie kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die nationalsozialistische Weltanschauung vom katholischen Standpunkt aus entschieden abzulehnen sei. Ihre Stellungnahmen wurden 1935 in den Amtsblättern der Diözese Münster und in der Erzdiözese Köln veröffentlicht. Damit war die nationalsozialistische Rassenlehre, auf der der Antisemitismus fußte, kirchenamtlich verurteilt. Und das soll kein Widerstand gewesen sein? Schon 1932 hatte die Deutsche Bischofskonferenz erklärt, dass eine Mitgliedschaft von Katholiken in der NSDAP mit dem Glauben nicht vereinbar sei. Nach der taktischen Annäherung Hitlers im März 1933 hat die Bischofskonferenz zwar die Hoffnung ausgedrückt, dass sie künftig diese Verbote und Befürchtungen gegen die NS-Regierung nicht mehr hegen müsse. Das war jedoch keine grundsätzliche Rücknahme früherer Verbote und Befürchtungen. Aber mit den kirchenamtlichen Erklärungen von 1935 in den Amtsblättern von Münster und Köln waren sie wieder aufgelebt. Folglich wurden 1935 auch die ersten Priester verhaftet. Der Jesuitenpater Josef Spieker sprach bei Großveranstaltungen in Köln und in Berlin vor Tausenden von Zuhörern gegen die nationalsozialistische Weltanschauung und vor allem gegen die so genannte Rassenlehre. Auf eine Anklage hin wurde er vor Gericht freigesprochen. Trotzdem wurde er von der Gestapo verhaftet und schon 1935 in das KZ Börgermoor gebracht. Er war der erste Jesuit im KZ Börgermoor. Die Zahl der europaweit ermordeten Priester während der NS-Zeit beträgt etwa 4000. Hitler ließ diese Priester ermorden, weil sie ihm im Weg standen, weil sie gegen ihn gesprochen haben. Kennt der Gründungsdirektor diese Sachlage nicht oder handelt es sich um eine böswillige Ausblendung von historischen Tatsachen? (W. Corsten. Kölner Akten Nr. 24). Wer sonst hat damals in vergleichbarer Weise vor dem Nationalsozialismus gewarnt und ihn gleichzeitig verurteilt? Das hat vor allem die katholische Kirche getan. Die Nationalsozialisten selbst haben diesen Standpunkt der Kirche sehr wohl registriert. Der „Völkische Beobachter,“ das offizielle Parteiorgan der NSDAP, schrieb am 1. August 1938 triumphierend und zugleich die Kirche anklagend: „Der Vatikan hat die Rassenlehre von Anfang an abgelehnt. Teils deshalb, weil sie vom deutschen Nationalsozialismus zum ersten Mal öffentlich verkündet wurde und weil dieser die ersten Schlussfolgerungen aus der Erkenntnis gezogen hat; denn zum Nationalsozialismus stand der Vatikan in politischer Kampfstellung. Der Vatikan musste die Rassenlehre aber auch ablehnen, weil sie seinem Dogma von der Gleichheit aller Menschen widerspricht, das wiederum eine Folge des katholischen Universalanspruchs ist und das er mit den Juden und Kommunisten teilt.“ Auch auf der Gegenseite wurde also der Widerstand der katholischen Kirche zweifelsfrei bezeugt. Dieser Aspekt wäre es wert gewesen, in der Ausstellung dargestellt zu werden. In München ließ die Regierung am 9. November 1923 auf Hitler und seine Anhänger schießen, wobei 16 seiner Anhänger fielen. In München wurden auch noch mindestens zusätzlich drei Attentate auf Hitler geplant und zwar ein Attentat durch Georg Elser am 9.November 1939. Vorausgegangen waren zwei weitere Attentatsversuche 1938 durch Aleksander Foote und durch Maurice Bavaud. Die Tatsache, dass alle 42 Attentate auf Hitler fehlgeschlagen sind, erklärt der Diktator selbst mit einer höheren Macht. Als er auf der Rückfahrt am 9. November 1939 von München nach Berlin im Zug von dem Attentat mit vielen Toten und Schwerverletzten erfuhr, sagte er nach einem kurzen Erschrecken: „Jetzt bin ich ganz ruhig. Dass ich den Bürgerbräukeller früher als sonst verlassen habe, ist eine Bestätigung dafür, dass die Vorsehung mich mein Ziel erreichen lassen will.“ In der oft zitierten Vorsehung sah Hitler eine außerirdische Macht, die mancher seiner Gegner als Satan bezeichnete. Hauptmann Hosenfeld und Generalmajor Stieff sprachen beide in Bezug auf Hitler vom „Satan in Menschengestalt“.
Die katholische Kirche hat nicht nur die geistigen Grundlagen für für den Widerstand gelegt. Sie hat auch praktisch geholfen, beispielsweise beim Verstecken und Versorgen von Juden, sie hat protestiert gegen die Vernichtung von psychisch und körperlich kranken Menschen in der so genannten Euthanasie. Und mancher Priester kam ins Gefängnis Landsberg oder in ein KZ, weil er als Beichtpriester den Standpunkt der Kirche vertreten hat. Ein Beispiel hierfür ist Kaplan Wehrle in München. Der Widerstand der Kirche war überall spürbar. Es war überwiegend ein geistiger Widerstand, der ein sinnloses Blutbad zu vermeiden suchte. Es ist unredlich, uninformierten Jugendlichen, die in einer freien Demokratie aufgewachsen sind, vorzugaukeln, man hätte im Hitler-Regime ebenso gefahrlos protestieren können, wie heute in der Bundesrepublik. Jedenfalls ist die Behauptung, die Kirchen hätten den Widerstand nicht unterstützt, falsch.
In der Fortsetzung:
Weitere Belegung des Widerstandes in München

Kommentar
Wenn Herr Dr. Nerdinger seriös wäre, dann hätte er zumindest in seiner Rede das Buch von Peter Godman „Der Vatikan und Hitler“ erwähnt und dabei berücksichtigt, das u. a. die Entstehungsgeschichte der Konkordats detailliert nachzeichnet und beweist, dass das Konkordat nicht alles Übel von der katholischen Kirche abwenden aber doch etwas mildern konnte. Und das viele diplomatische Interventionen vom Vatikan zur Einhaltung des Konkordats an die Reichsregierung erfolgten, die leider erfolglos blieben, Aber wie jeder von der antikatholischen Ideologie infiltrierte ist Dr. Nerdinger so unseriös die Wahrheit und die Fakten zu unterschlagen und diese im gegenteiligen Sinn zu manipulieren. Aber so viel redlicher Charakter ist von derartigen Ideologen nicht zu erwarten denen es nicht um Faktenwahrheit geht sondern um ideologische Manipulation.
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Mittwoch, 26. August 2015, 19:23

München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil II

Zitat

Weitere Belege des Widerstandes in München.
Einen außerordentlichen Widerstand gegen Hitler leistete Innenminister Dr. Schweyer. Schon im März 1922 rief er alle Parteiführer im Bayerischen Landtag zusammen, um mit ihnen „das unerträgliche Bandenunwesen, das Hitler auf den Straßen Münchens organisiere“, zu erörtern.
Schweyer stellte auch Strafantrag gegen Hitler. Er wollte Hitler aus Bayern ausweisen, was am Widerstand der DNVP (Deutsch-Nationale Volkspartei) scheiterte. Nach der Machtübernahme rächte sich Hitler an seinem Gegner Schweyer. (P. Ch. Düren in: „Zeugen für Christus“ I, S. 93-97).
Im März 1933 suspendierte Kardinal Faulhaber den früheren Abt Alban Schachleiter aus Prag, weil dieser die Machtergreifung Hitlers begrüßt hatte. Schon in seinen vier Adventspredigten 1933 und in seiner Silvesterpredigt 1933 wies Kardinal Faulhaber nach, dass aus dem Alten Testament kein Antisemitismus begründet werden könne und dass das Ansehen der deutschen Wissenschaft vor der Weltöffentlichkeit Schaden nehmen müsse, wenn weiterhin versucht werde, auf diese Weise antisemitische Propaganda zu betreiben. Vielmehr werden im Alten Testament hohe sittliche Werte gelehrt. Der Zustrom der Münchner zu diesen Predigten war so groß, dass sie in eine weitere Kirche übertragen werden mussten. Kardinal Faulhaber warnte seine Zuhörer vor Beifallskundgebungen, um der Gestapo keinen Vorwand zu Verhaftungen zu geben. Die Juden in München begrüßten diese Predigten sehr, zumal sie wussten, dass Kardinal Faulhaber Münchner Juden auch materiell unterstützte. Dafür wurde er von den Nationalsozialisten öffentlich als „Judenkardinal“ beschimpft. Am 27. 01.1934 wurde durch ein Fenster in sein Arbeitszimmer geschossen. Weil er wusste, dass sich die Gestapo für seine Ablehnung des Nationalsozialismus an den einfachen Geistlichen rächen werde, mahnte er den Klerus zur Zurückhaltung bei politischen Äußerungen.
Den schärfsten journalistischen Gegner Hitlers, Fritz Gerlich mit seiner Zeitung „Der gerade Weg“, verteidigte Faulhaber. Er schrieb 1932: „Gerlich hat diese Zeitung zu einem Volksblatt erhoben, das im Sturm in die Reihen der Nationalsozialisten eingebrochen ist und zum ersten Male dem „Völkischen Beobachter“ einen überlegenen Gegner ins Feld stellte. Der hiesige Klerus ist begeistert.“ Fritz Gerlich warnte konsequent vor dem Kommunismus und vor dem Nationalsozialismus, bis er am 1. Juli 1934 im KZ Dachau erschossen wurde. Auch sein Wirken und seine Konversion sind in der Ausstellung mit einer kurzen Erwähnung nicht hinreichend eingeordnet.
Die Zahl der Widerstandsgruppen war in München besonders groß. Von der Gruppe um Carl Muth und Theodor Haecker führt eine Spur zur Widerstandsgruppe der Weißen Rose mit Kurt Huber, Willi Graf, Christoph Probst und den Geschwistern Scholl. Diese Spur verschweigt Gründungsdirektor Dr. Nerdinger. Die Gruppen um Adolf von Harnier und Josef Zott, die Gruppe um Franz Sperr, um Walter Klingenbeck, die Gruppe um Graf von Marogna-Redwitz, die Freiheitsaktion Bayern usw. erforderten eine ausführliche Würdigung, um den Umfang und die Gesamtwirkung des Münchner Widerstandes erkennen zu können. Ritter von Lama und Dr. Karl Biack wurden im Gefängnis München-Stadelheim ermordet, weil sie Radio Vatikan gehört hatten.
Wie tief der Widerstand von Pater Rupert Mayer in die Münchner Bevölkerung hineinwirkte, wird in der Ausstellung nicht dargestellt. Eine kurze Alibi-Erwähnung genügt nicht. Pater Rupert Mayer hatte den Mut, in die Veranstaltungen der NSDAP hineinzugehen und dort das Wort zu ergreifen. Wahrscheinlich wurde er nur wegen seiner hohen Popularität und seiner Kriegsverwundung aus dem 1. Weltkrieg nicht tätlich angegriffen. Später wurde er in das KZ Sachsenhausen eingesperrt, weil seine Marianische Männerkongregation in der ganzen Stadt das Rückgrat des geistigen Widerstandes bildete. Die Ablehnung des Nationalsozialismus war in München überall zu spüren. Das zeigen beispielsweise auch folgende Hinweise: Die in München bei Wahlen erheblich geringere Zustimmung der Bevölkerung zur NSDAP im Vergleich zu anderen Städten vor der Machtübernahme, der Bericht der Auslands-SPD aus Prag von 1937 und die populäre Nutzung des „Drückeberger Gassls“, um den verhassten Hitlergruß nicht ableisten zu müssen.
Die stille Ablehnung des Nationalsozialismus bei den meisten Münchnern wird weithin nicht als passiver Widerstand anerkannt. Aber hätte denn die Kirche zu einem aussichtslosen Aufstand mit Blutbad aufrufen sollen? Der jüdische Erfinder der Logotherapie, Professor Viktor Emil Frankl, sagte bei einer Gedenkfeier am 27.04.1985 in Türkheim: „Heroismus darf man nur von einem verlangen und das ist man selbst!“ Hätten die Menschen damals, die täglich die Rechtlosigkeit erlebten und die Hitlers Mordnacht vom 30. Juni 1934 noch deutlich in Erinnerung hatten, ihr Leben aussichtslos opfern sollen? Diese Frage wird in der Ausstellung nicht diskutiert. Aber diese Frage hätte in dieser Ausstellung nicht ausgeklammert werden dürfen. Schließlich konnte man in der Hitlerdiktatur nicht so gefahrlos protestieren wie heute in unserer freiheitlichen Demokratie. Das belegen die Gestapo-Berichte und die Gefängnisse sowie die allgemeine Angst vor den KZs. Die Ausstellung zitiert einige Aussagen von Schriftstellern, um glaubhaft zu machen, dass München wirklich das Zentrum des NS gewesen sei. Doch auch der zitierte Lion Feuchtwanger schrieb 1936 in Paris: „Tröstlich ist Eines. Immer wieder finden sich in den hier zusammengestellten Berichten kleine Geschehnisse verzeichnet, die beweisen, dass weite Teile der Bevölkerung nicht einverstanden sind mit dem, was sich in Deutschland ereignet. (…) Das deutsche Volk ist nicht identisch mit den Leuten, die heute vorgeben es zu vertreten. Es wehrt sich …“ Ein weiterer Bericht der Auslands-SPD aus Prag im August 1937 zeigt, dass der Titel „Hauptstadt der Bewegung“ den Münchnern nur übergestülpt worden war. Unter der Überschrift „Deutsche Städtebilder“ veröffentlichte die damals in Prag residierende Auslands-SPD aufschlussreiche Beobachtungen. Der Bericht über München lautet: „Trotz aller Bemühungen, trotz der vielen repräsentativen Veranstaltungen, trotz der Sonderstellung, die München als Kunststadt genießt, kann man sagen: München ist keine nationalsozialistische Stadt und sie ist es nie gewesen. Der Nationalsozialismus hat seine Anziehungskraft eingebüßt. Der Münchner erträgt ihn wie eine unabänderliche Schickung des Himmels und sucht auf seine Art, sich herauszuwinden, wo er nur kann, ohne dabei mit den Gesetzen in Konflikt zu geraten. (…) Reisende aus Berlin z.B. haben schon oft festgestellt, dass man in München viel freier leben könne, weil schon die ganze Atmosphäre anders sei.“ Auch dieser Beleg für die ganz andere Seite der Münchner scheint den Ausstellungsmachern so unangenehm zu sein, dass sie ihn unterschlagen.
Bei Wahlen hat die NSDAP in München nie die Mehrheit der Stimmen erreicht. Bei den letzten freien Wahlen 1932 war der Stimmen-Anteil der NSDAP in München erheblich geringer als in allen vergleichbaren Städten Deutschlands.
Wer heute noch München als Hauptstadt der Bewegung vorstellt und gleichzeitig den Widerstand der Münchner verschweigt, um nicht zu sagen, unterschlägt, verbreitet – vielleicht unbewusst – heute noch die schändliche Parole Hitlers.
Die Ausstellung zeigt auch ein anscheinend druckfrisches Wahlplakat von 1933, als Hitler bereits an der Macht war. Dort steht zu lesen: „Katholiken wählen Hitler“. Im anschließenden Text wird aufgeführt, dass die Forderungen der Kirche im Konkordat erfüllt seien. Wer allerdings eine gute Brille hat, kann lesen, dass unten ganz klein gedruckt steht: „NSDAP Gau München-Oberbayern“. Das war also gar keine Aufforderung der Kirche an die Gläubigen, wie man im ersten Moment glauben könnte, sondern eine Wahlwerbung der Nationalsozialisten. Die Stadt hat den Widerstand der Münchner immer gern verschwiegen. Wo ist zum Beispiel ein Denkmal für die bedeutenden Widerständler gegen Hitler? Das sind u.a. Fritz Michael Gerlich, Innenminister Dr. Schweyer und Theodor Haecker. Fehlanzeige, denn sie waren profilierte Katholiken. Die weithin unbekannte Gerlichstraße in einem äußeren Stadtviertel kann nicht die gebotene Erinnerung an Fritz Gerlich sein. Den Freundeskreis Carl Muth/Theodor Haecker/Willi Graf/Hans und Sophie Scholl/Alexander Schmorell lassen die Ausstellungsmacher leider beiseite, obschon dieser Kreis in der Gegnerschaft zu Hitler eine prägende Rolle in München spielte. Auch die katholischen Mitglieder der „Weißen Rosen“ dürfen dem Vergessen entrissen werden.
-Fortsetzung-
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10

Mittwoch, 26. August 2015, 19:24

-Fortsetzung-

Zitat

Ein Text der Ausstellung lautet: „Die Kirchen haben den Widerstand nicht unterstützt.“ Ein ebenfalls ungeheuerlicher Satz! Schon allein methodisch können die beiden Kirchen nicht über den gleichen Kamm geschoren werden. Das Wählerverhalten und die Opferzahlen der Protestanten und Katholiken waren ebenfalls verschieden. Die katholische Kirche hat den Widerstand nicht nur unterstützt, sie war selbst Widerstand. Weiß der Gründungsdirektor mit seinem Team nicht, dass zuallererst auf die Gefahren des Nationalsozialismus niemand anders als die katholische Kirche aufmerksam gemacht hat?
Widerstand war auch die Judenrettung der katholischen Kirche unter Lebensgefahr. Nicht nur in Rom, wo Papst Pius XII. Hunderttausende von Juden rettete, in Klöstern versteckte und in Uniformen päpstlicher Gendarmerie stecken ließ, gab es kirchliche Dienste zur Judenrettung. Auch in Deutschland unterhielt die Kirche als Caritasstellen getarnte Hilfsstellen für verfolgte Juden in Hamburg, Berlin und Freiburg.
Widerstand ging auch von der Kirche aus bei der so genannten Euthanasie. Das war ein NS-Programm zur Vernichtung der körperlich oder geistig behinderten Menschen. Bischof von Galen erstattete Strafanzeige gegen die beteiligten Beamten. Darauf schrieb Goebbels in sein Tagebuch: „Diesen Bischof greifen wir uns nach dem Krieg.“ Seine Predigten gegen dieses Vernichtungsprogramm wurden heimlich abgeschrieben und weiterverbreitet. Aus diesem Grund wurden u.a. drei Lübecker Priester und ein Speyerer Priester ermordet.
Völlig zu Unrecht behauptet ein Text in der Ausstellung: „Widerstand war nicht immer mit Gefahr für Leib und Leben verbunden.“ Dieser Satz ist ein Hohn auf die vielen Gefangenen in den Gefängnissen und KZs, auf die Menschen, die in ihrer aussichtslosen Lage Selbstmord begingen. Der Leipziger Gerichtspräsident Werner Lueben beging in der Nacht vor der Verkündigung des Todesurteils gegen den Innsbrucker Bischofsvikar Selbstmord, weil er dieses Unrechts-Urteil nicht unterschreiben wollte. Wie viele Selbstmorde in aussichtsloser Lage hat es damals auch beim Militär gegeben? Sie hatten eben keinen „freien Handlungsspielraum“!
Ein Beispiel für die Unterschlagung des passiven Widerstandes der Münchner ist die Darstellung des obligatorischen Hitlergrußes an der Feldherrnhalle, an der Stelle, wo 1923 beim Hitlerputsch 16 seiner Anhänger erschossen wurden. Dass die Münchner in so großer Zahl dieser lästigen Pflicht dadurch entgingen, dass sie einen Umweg durch die Viscardigasse machten, so dass diese Gasse im Volksmund den Namen „Drückebergergassl“ erhielt, wird natürlich verschwiegen. Ich glaube, es war 2005, als die ÖDP im Münchner Stadtrat den Antrag stellte, die Viscardigasse in Drückeberger Gassl umzubenennen, um dem passiven Widerstand der Münchner Bevölkerung ein Denkmal zu setzen. Dieser Antrag wurde damals wegen angeblich formaler Mängel gar nicht zur Abstimmung im Stadtratsplenum zugelassen. Warum wohl? Muss der Widerstand der Münchner Bevölkerung verdrängt werden?
Zuzugeben ist, dass Kardinal Faulhaber sagte, die Hitler-Regierung sei die gottgesetzte Obrigkeit, weil legal an die Macht gekommen. Aber daraus kann man nicht ableiten, dass er die Hitler-Regierung für gut gehalten hätte. Damit wollte er nur zum Ausdruck bringen, dass Hitler unter Zulassung Gottes an die Macht gekommen ist, denn „jede Obrigkeit sei nach Paulus von Gott.“ Auch die römischen Kaiser, welche die frühen Christen ebenfalls grausam verfolgten, galten ja als „von Gott gesetzte Obrigkeit“. Dass Faulhaber die Hitler-Regierung scharf ablehnte, beweisen seine Adventspredigten und seine Silvesterpredigt von 1933. Diese Predigten werden in der Ausstellung jedoch totgeschwiegen. Diese Predigten waren eine Entlarvung der NS-Ideologie, sie waren geistiger Widerstand auf hohem Niveau!
Eduard Werner
In der Fortsetzung Teil III: Haben die Münchner die NS-Zeit verdrängt?

Kommentar
Allein für den Satz „Widerstand war nicht immer mit Gefahr für Leib und Leben verbunden.“ in der Ausstellung, der eindeutig eine Lüge ist sollte der Dr. Nerdinger wegen Wiederbetätigung und Herunterspielen der Gefahren der Widerständler und somit Verherrlichung der Nazi einem Gerichtsverfahren unterzogen werden. Das fordere ich als Sohn eines Widerstandskämpfers, der nach dem 20. Juli 1944 in Gestapo-Haft kam, dem aber nichts nachgewiesen werden konnte, weil alle trotz oft mehrfacher Verprügelungen schwiegen. Auch mein Vater wurde bei den Verhören verprügelt. Wie ich schon im ersten Kommentar beim gestrigen Artikel feststellte, ist Dr. Nerdinger nicht nur nicht seriös sondern aufgrund der Fakten in dem heutigen Artikel von einem krankhaften Hass gegen die Katholiken und Kirche geprägt, denn wer so die Wahrheit unterdrückt wie sie im obigen Artikel fundiert dargestellt ist, der ist pathologisch schwer belastet. Ich frage mich aufgrund meines psychologischen Teilstudiums was der Grund für diese Manipulation sein kann?? Entweder will Dr. Nerdinger den Ruf Münchens als „Stadt der (Nazi-)Bewegung“ wiederherstellen und den dabei vorhandenen Widerstand „herunterspielen“, dann ist er ein zumindest verkappter Nazi oder er ist ein Kommunist, der nur den Widerstand der Kommunisten akzeptieren will und alles andere nicht, dann ist er ein „blinder“ Links-Ideologen.
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11

Freitag, 28. August 2015, 16:36

München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil III
Haben die Münchner die NS-Zeit verdrängt?
Durch die ganze Ausstellung zieht sich die Behauptung, die Nachkriegsgesellschaft hätte die NS-Zeit verdrängt. Das trifft nicht zu.
Aus der Mitte der Kirche kamen mit Neuhäuslers Erfahrungsbericht „Kreuz und Hakenkreuz“ sowie mit dem Buch „Saat des Bösen; Kirchenkampf im Dritten Reich“ sehr bald nach dem Krieg Analysen und Anklagen gegen das NS-Regime. Auch der Katholik Eugen Kogon hat mit seinem Buch „Der SS-Staat“ schon bald nach dem Krieg zur Aufklärung über die nationalsozialistische Weltanschauung und über die damals begangenen Verbrechen beigetragen. Der Münchner Weihbischof Neuhäusler hat nicht nur seine eigenen KZ-Erfahrungen in zwei Büchern geschildert, er hat auch auf Bitten von Papst Pius XII. den österreichischen Geistlichen Pater Johann Lenz gebeten, seine KZ-Erfahrungen aufzuschreiben und zu veröffentlichen. P. Lenz hat es getan und sein Buch hat in kurzer Zeit hohe Auflagen erreicht. In den Kirchenzeitungen und vor allem in den Predigten spielten damals diese Analysen und Erfahrungsberichte ständig eine große Rolle. Es stimmt einfach nicht, dass die Kirche oder die Münchner und darüber hinaus die Deutschen insgesamt die NS-Zeit verdrängt hätten. Wer die einschlägigen kirchlichen Druckerzeugnisse nicht gelesen hat und die Predigten der aus den KZs zurückgekehrten Priester nicht gehört hat, kann heute leicht das Gegenteil behaupten. Der jüdische Professor Michael Wolffsohn hat kürzlich in der Fernsehsendung bei Günter Jauch ebenfalls darauf hingewiesen, dass dieser Vorwurf der Verdrängung nicht zutrifft. Er sagte, allein die Diskussionen um die Verfassungsentwürfe der Länder und des Bonner Grundgesetzes beweisen das Gegenteil. Die Präambeln, auf die man sich dann geeinigt hat, beginnen: „Angesichts des Trümmerfeldes …“. Oder „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Diese Verfassungstexte wurden in den politischen Gremien und in der Öffentlichkeit lebhaft diskutiert. Das waren nach Michael Wolfsohn ausgesprochene Gegenentwürfe zum NS. Wer heute behauptet, das NS-System sei verdrängt worden, hat nicht recht. Dass sich viele Menschen damals zunächst für Wohnungen, Kleidung und Essen interessierten, ist doch verständlich. Primum vivere, deinde philosophare – zuerst leben und dann philosophieren – ist eine alte Menschheits-Erfahrung. Auch hier muss man sich noch mal fragen: Ist der Ungeist des Braunen Hauses mit seinen heutigen Unwahrheiten immer noch nicht ganz tot? Es ist geradezu beängstigend zu sehen, wie hier mit Weglassungen einseitig Politik gemacht wird.
Aber nicht nur skandalöse „Weglassungen“ kennzeichnen diese Ausstellung. Auch ein ideologisch falscher Ansatz!
Hinsichtlich des angeblich fehlenden Widerstandes stellt die Ausstellung beide Kirchen auf die gleiche Stufe. Die Bedingungen, die Vorgehensweisen und die Resultate waren so verschieden, dass sie nicht gleichgesetzt werden können. Mit dieser Gleichsetzung unterschlägt Dr. Nerdinger auch die zahlreichen Konvertiten, die – beeindruckt vom katholischen Widerstand – katholisch wurden. In München waren dies u.a. der Präsident der Evangelischen Landes-Synode Freiherr von Pechmann und Rechtsanwalt Adolf von Harnier.
Allein im KZ Dachau waren 2756 katholische Priester eingesperrt und etwa 120 evangelische Pastoren. Hierbei ist zu bedenken, dass Deutschland damals zu zwei Dritteln evangelisch war und nur zu einem Drittel katholisch. Katholische Priester waren darüber hinaus in den Gefängnissen und in den KZs Buchenwald, Sachsenhausen, Börgermoor und Gusen. Von den über 25.000 katholischen Priestern in Deutschland damals wurde über die Hälfte ständig überwacht und bespitzelt. Warum wohl, wenn sie nicht als Gegner eingeschätzt wurden? Wenn der Gründungsdirektor derart Ungleiches gleichsetzt, so müsste er das fachlich begründen, vor allem wenn es sich um eine Dokumentation mit wissenschaftlichem Anspruch handelt. Das tut er aber nicht. Warum wohl?
Den beiden Kirchen spricht er pauschal ab, den Widerstand unterstützt zu haben. Was er unter dem Begriff Widerstand versteht, und welche Formen des Widerstandes denkbar sind, erklärt er aber nicht. Zu unterscheiden ist zwischen einem aktiven Widerstand, einem passiven Widerstand, einem heimlichen Widerstand, einem diplomatischen Widerstand (Dr. Josef Müller!), einem geistigen Widerstand und einem bewaffneten Widerstand. Einen militärischen Widerstand konnte ein rational denkender Mensch von der Kirche nicht erwarten. Einen geistigen Widerstand jedoch schon. Und diesen hat die Kirche sehr wohl geleistet. Das ist nicht zu bestreiten, wenn man die Archive kennt. In der katholischen Kirche ist das Schicksal der Märtyrer in der NS-Zeit keineswegs vergessen. Allerdings werden ihre Dokumentationen in der Öffentlichkeit nur unzureichend beachtet, was auch in diesem Zusammenhang zu beklagen ist. Früher lernte jeder Student der Geschichte schon im Proseminar, dass Geschichte sine ira et studio, also unparteiisch zu betreiben sei. Aber der Ausstellungsdirektor ist von Haus aus kein Historiker, sondern Architekt und hat an der TU- München Geschichte der Architektur gelehrt. Der Posten des Gründungsdirektors hätte mit einer Persönlichkeit besetzt werden müssen, die das Handwerk der politischen und kirchlichen Geschichtswissenschaft gelernt hat.
Eduard Werner

Kommentar
Wie festgestellt wurde ist der Ausstellungsdirektor kein Historiker sondern Architekt, der an der TU München Architekturgeschichte geehrt hat. Wie ich gestern auf einer Diskussionsplattform gelesen habe, hatte der Herr Architekt eine Vorgängerin die Fachhistoriker gewesen ist und abgelöst worden ist. Wahrscheinlich hatte sie Charakter und hätte objektiv auch über den Widerstand der katholischen Kirche sowie der evangelischen „Bekennenden Kirche“ berichtet. Nicht so der Herr Architekt, der von Kirchengeschichte und dem Widerstand der katholischen Kirche keine Ahnung hat und scheinbar das Maß an den evangelischen Landeskirchen nimmt, die als „Deutsche Christen“ einen Reichbischof Müller von Hitler Gnaden hatten und die Bibel sogar umschrieben und Jesus vom Juden zum arischen Galiläer machten. Aber er hat sicher das richtige Parteibuch für diese Funktion und den entsprechenden Charakter die Wahrheit über den Widerstand der katholischen Kirche zu unterdrücken. Diese Einstellung genügte, dass ein Herr Architekt, der von Geschichte keine Ahnung hat und wahrscheinlich nur weiß, dass es ein „Braunes Haus“ sowie ein „Schwarzes Haus“ in München existiert, als Ausstellungsdirektor eingesetzt wird und eine Fachhistorikerin „geschmissen“ wurde. Wäre mir persönlich analog des Herr Architekten als selbständiger Unternehmerberater die Ausstellungsleiter einer Schmetterlings- oder Insektenausstellung angetragen worden hätte ich den Charakter gehabt eine derartige fachfremde Tätigkeit abzulehnen. Aber der Herr Architekturgeschichtler nahm die Funktion eines Ausstellungsdirektors für kirchliche und politische Geschichte der NS-Zeit an. Diese Tätigkeitsannahme sagt alles über ihn aus.
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12

Dienstag, 1. September 2015, 16:41

Das Tränenwunder von Syrakus anno domini 1953
In der eher ärmlichen Wohnung einer schwer kranken jungen Frau beginnt plötzlich das über ihrem Bett befindliche Bild „Madonna mit dem unbefleckten Herzen“ große Tränen zu weinen und die schwer kranke june Frau wird innerhalb von Sekunden gesund. Mit Unterbrechungen dauert das Weinen des Bildes vier Tag lang vom 29. August bis 1, September 1953. Es gab eine große Anzahl von Heilungswunderen an Schwerkranken, die vor dem Bild beteten oder auf irgendeine Art und Weise mit diesen Tränen in Berührung kamen. Das Wunder von Syrakus ist von der Kirche anerkannt.

Als Hintergrundszenario steht fest, dass Italien knapp davor stand kommunistisch zu werden und ich kann mich erinnern, dass ich aufgrund der Zeitungsberichte dies selbst erwartete. Die Kommunisten und alle Roten bekämpften damals den christlichen Glauben in Europa und wollten nach dem Dominoeffekt weitere Länder zu kommunistischen „Volksdemokratien“ machen so wie es mit den osteuropäischen Ländern bereits gelungen war. Die atheistischen Kommunisten und Sozialisten behaupteten, dass alles im Glauben Lüge sei, denn der Kirche gehe es nur um Geld und Macht und außerdem um die Stützung des Kapitalismus gegen das arbeitende Volk. Weiter Jesus sei nicht Gott und von den Toten auferstanden und die in den Evangelien erzählten Wunder habe weder er gewirkt noch existierten die in der Realität überhaupt nicht, denn „Wunder gibt es nicht“, Und überhaupt „Religion sei Opium für das Volk“ wie es Karl Marx im Buch „Kapital“ behauptet hat und dies sei glaubhaft für Kommunisten und Sozialisten.

Aber Italien wurde 1953 nicht kommunistisch, nachdem bereits im Sommer 1950 die Kommunisten in Österreich versucht hatten die sowjetische Besatzungszone in eine Volksdemokratie „umzustürzen“ wie sie in Deutschland 1949 die DDR etablierten, doch christliche Sozialisten, die ehemalige KZ‘ler waren, verhinderten dies, wobei ein mir persönlich bekannter Nationalrat einen Schulterstich erhielt, als er mit seiner Gewerkschafts-Gruppe Bau- und Holzarbeiter eine besetztes Amt in Niederösterreich von den Kommunisten befreien wollte. Und 1955 bekam Österreich den Staatsvertrag und die Besatzungsmächte als letzte die Sowjets zogen ab. Interessant auch, dass meine Mutter mit mir Achtjährigen im Herbst 1945 ein Gespräch mit einem russischen Oberst hatte, den sie fragte wie lange sie in Österreich bleiben würden und zur Antwort bekam „10 Jahre“. Ich interpretiere diese Aussage heute so, dass der Plan bestanden hat innerhalb von 10 Jahren müssen die sowjetisch besetzten Gebiete „Volksdemokratien“ sein. Dann kam der Tod Stalins und Chrutschow an die Macht und der wollte ein „Zeichen“ setzen und Österreich bekam den Staatsvertrag nachdem die Umwandlung der sowjetischen Besatzungszone in eine Volksdemokratie nicht gelungen war.
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13

Mittwoch, 2. September 2015, 11:22

München Hauptstadt der Bewegung und Hauptstadt des Widerstandes Teil IV (Resümee)
Resümee:
Am Ende zeigt sich, dass die wichtigsten Thesen dieser Ausstellung falsch sind. Die Behauptung, dass „die Münchner“ zwölf Jahre NS-Geschichte nicht aufgearbeitet, sondern in sträflicher Weise verdrängt hätten, hätte der Architekt Nerdinger nicht aufstellen können, wenn er die einschlägige Literatur und Dokumentationen zur Kenntnis genommen hätte. Schon allein die einschlägigen Bücher des ehemaligen KZ-Häftlings Weihbischof Neuhäusler belegen eine intensive Beschäftigung der Kirche mit diesem Thema. Dass 2756 katholische Priester im doch recht nahen KZ Dachau gefangen waren, hätte in dieser Ausstellung gewürdigt werden müssen. Dass Weihbischof Neuhäusler nach dem Krieg viel Zeit und Geld aufgewendet hat, um auf dem KZ-Gelände Dachau zur bleibenden Erinnerung und zur bleibenden Mahnung ein Sühnekloster zu errichten, wird in der Ausstellung nicht einmal erwähnt. Das verdrängt der Ausstellungsmacher. Der Vorwurf der Verdrängung trifft also umgekehrt zu. Dr. Nerdinger verdrängt die intensive Beschäftigung der Kirche mit dem NS-Thema, um seinen Vorwurf erheben zu können. Dieses Vorgehen beruht aber nicht auf wissenschaftlichen Kriterien, sondern auf politischer Ideologie. Das ist für das Ansehen der Träger dieser Ausstellung unangemessen
Dr. Nerdinger will auch den Eindruck erwecken, als seien die Münchner überwiegend Nationalsozialisten gewesen. Dabei musste er übersehen, dass die NSDAP bei den letzten freien Wahlen im November 1932 nur 18,44 % der Stimmen errang. So steht es laut Münchner Stadtarchiv in der Untersuchung von Mathias Rösch „Die Münchner NSDAP 1925 – 1933“ auf Seite 548. Auch dieses Wahlergebnis passt Herrn Dr. Nerdinger nicht in sein Konzept und muss daher unerwähnt bleiben.
Widerständler aus dem linken Lager hebt Dr. Nerdinger über Gebühr hervor. Er erwähnt auch den sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Dr. Wilhelm Högner. Er lässt ihn aber leider nicht zu Wort kommen, weil seine Äußerungen auch auf das demokratische München verweisen.
Dass die ersten drei Präsidenten der Nachkriegslandtage Dr. Horlacher, Studiendirektor Stang und Dr. Hundhammer KZ-Gefangene in Dachau waren, erwähnt Nerdinger wohl deshalb nicht, weil sie alle drei der CSU angehörten. Der vierte Landtagspräsident Dr. Hans Ehard war 1923 der Staatsanwalt, der Hitler nach dem Putschversuch anklagte. Auch das ist keiner Erwähnung wert, weil er der „falschen“ Partei angehörte. Der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Josef Müller, im Volk Ochsensepp genannt, vermittelte im Auftrag von Wilhelm Canaris den ersten Kontakt der deutschen Militär – Opposition mit der britischen Regierung. Dabei geschah die entscheidende Hilfe durch Papst Pius XII. Das ist ebenfalls keiner Erwähnung wert, weil Dr. Josef Müller ebenfalls der falschen Partei angehörte.
Den Gipfel der Einseitigkeiten erreicht Dr. Nerdinger erst im Ausstellungskatalog. In der Ausstellung selbst ist diese Passage nicht aufgefallen. Im Hauptkatalog lässt er schreiben: „ Die Evangelische Kirche hat mit ihrer Stuttgarter Erklärung 1945 ihr Fehlverhalten in der NS-Zeit eingestanden und sie hat sich dafür entschuldigt. Bei der katholischen Kirche steht dieses Eingeständnis noch aus.“
Die Unverfrorenheit geht also so weit zu fordern, dass sich das Opfer dafür entschuldigen soll, dass europaweit nur viertausend Priester und ungezählte katholische Ordensleute und Laien von den Nazis ihres Widerstands wegen ermordet wurden und nicht alle, dass nur die meisten Klöster aufgehoben wurden und nicht alle und dafür, dass die Kirchenzeitungen 1933 nicht sofort verboten wurden, sondern erst nacheinander. Das Opfer zum Angeklagten zu machen ist bitterer Hohn für das Opfer. Überdies scheint Dr. Nerdinger die Stuttgarter Erklärung vom 19. Oktober 1945 selbst nicht gelesen zu haben. Sonst wäre ihm aufgefallen, dass dort die Shoa, das furchtbarste Verbrechen der Nazis, gar nicht erwähnt wird. Dann hätte ihm auch auffallen müssen, dass die Verfasser damals nicht Vertreter der offiziellen Evangelischen Kirche waren, sondern zumeist Angehörige der Bekennenden Kirche. Die Suttgarter Erklärung oder auch Stuttgarter Schuldbekenntnis genannt wird zwar viel zitiert aber wenig gelesen.
Wenn man diese Ungeheuerlichkeiten sieht, stellt man sich doch folgende Frage: Warum wurde Nerdingers Vorgängerin entlassen und er – ein führendes Mitglied des Aufsichtsgremiums – an ihre Stelle gesetzt? Seine Vorgängerin ist Historikerin, von der man erwarten konnte, dass sie Geschichte sine ira et studio unvoreingenommen darstellt.
Eduard Werner

Kommentar
„Widerständler aus dem linken Lager hebt Dr. Nerdinger über Gebühr hervor. ……. Warum wurde Nerdingers Vorgängerin entlassen und er – ein führendes Mitglied des Aufsichtsgremiums – an ihre Stelle gesetzt?“ Diese beiden Sätze sagen alles über die Einstellung des Herrn Dr. Nerdinger aus. Für mich sieht das Ganze so aus: Herr Nerdinger ist ein reiner Ideologe der linken Szene, die immer und überall die ihr nicht genehme Wahrheit unterdrückt. Da werden auch Fachkräfte abserviert um für eigene Ideologiker Platz zu schaffen. Ein bekannter Weg der Linksideologen. Vielleicht braucht Herr Nerdinger auch einen gut bezahlten Job, da ihm als deklarierter ideologisierter Linke keine einträglichen Architekturaufträge mehr erteilt wurden? Ähnliches las ich in einer Biographie eines der höchsten Politiker nach dem 2 WK (der Name sei diskret verschwiegen). Nach dem Studium der Jurisprudenz trat er sofort als Sekretär in die linke Partei ein und übte den studierten Beruf nie aus. Als 1934 die Linke in Österreich verboten wurde, musste er bis zum Kriegsende 1945 seinen studierten Beruf als Rechtsanwalt ausüben um dann sofort wieder politisch tätig zu werden und dann eines der höchsten Ämter in der 2. Republik erreichte. Aus seiner Biographie, er war mir persönlich bekannt, blieb mir der Satz in ständiger Erinnerung: „Mir ist es nie so schlecht gegangen als in der Zeit wo ich als Rechtsanwalt selbständig tätig gewesen bin.“ Dazu kann nur festgestellt werden, dass es selbst in dieser Zeit Rechtsanwälten nicht schlecht gegangen ist. Woran das wohl lag, dass es diesem politischen Rechtsanwalt so schlecht ging? Jeder darf sich darüber eine eigene Meinung bilden.
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14

Mittwoch, 21. Oktober 2015, 17:10

Heute wurde eine Fortsetzung zu der Nazi-Ausstellung in München, der dazugehörige Katalog, vom Forum Deutscher Katholiken besprochen und veröffentlicht.

Zitat

Das neue NS-Doku – Zentrum in München – Der Katalog. von Dr. Eduard Werner
Wir haben bereits in drei Folgen über die ideologisch ausgerichtet Ausstellung über München als Haupstadt der NS-Bewegung ausführlich im August berichtet hier auf unserem Blog. Alle drei Berichte erschienen auch auf kath.net. Inzwischen haben die kritischen Berichte von Dr. Werner auch bischöfliche Aufmerksamkeit erregt, so dass man gespannt sein kann, ob und wie die Bischofskonferenz und besonders das Erzbistum München und Freising reagieren wird
Zum Abschluß der Gesamtwürdigung der Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums in München über München als Haupstadt der Bewegung unterzieht der Historiker Dr. Eduard Werner auch den Katalog der Ausstellung einer kritischen Betrachtung und fasst damit die kritische Würdigung der Ausstellung zusammen.
1. Verworrene Geschichtsauffassung
Im 624 Seiten starken Katalog der Ausstellung wird die ideologische Tendenz noch deutlicher als in der Ausstellung selbst. Auf Seite 379 zeigt ein Bild das feierliche Gelöbnis der Bundeswehr auf dem Königsplatz mit Franz Joseph Strauß. Da fragt man sich: Was haben der Königsplatz und Franz Josef Strauß mit dem Nationalsozialismus zu tun? Nach der seit 1968 auch in Deutschland verankerten marxistischen Geschichtsauffassung ist die Geschichte – soweit sie nicht auf den Leninismus/Stalinismus zuläuft – als faschistoid einzuordnen. Ist damit König Ludwig I. als ein Vorläufer und Strauß mit der Bundeswehr als ein Nachfahre des Münchner Nationalsozialismus einzustufen? Wie können die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern und die Stadt München für eine derart abartige Propaganda die notwendigen Gelder zur Verfügung stellen? Dr. Nerdinger erwähnt aber nicht, dass in den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Deutsche Gewerkschaftsbund seine großen Maikundgebungen regelmäßig auf dem Königsplatz abgehalten hat. Müsste er nicht darin konsequenterweise auch eine unerlaubte Nutzung des Königsplatzes sehen? Im Jahre 1958 wurden dort auch die Fußball-Weltmeisterschaftsspiele durch den Bayerischen Rundfunk übertragen. Wurde damit das „Erinnern an den Nationalsozialismus“ gestört oder zumindest verdrängt? Eine wahrlich verworrene Geschichtsauffassung!
Auf Seite 369 finden sich Bilder über die Reemtsma-Ausstellung von 1987 bezüglich der Verbrechen der Wehrmacht. Aber kein Wort weist daraufhin, dass der polnische Historiker Musial nachgewiesen hat, dass Fotos dieser Ausstellung in Wahrheit Verbrechen der sowjetischen Armee in Katyn zeigen. Diese Fälschungen wurden mit voller Absicht der deutschen Armee in die Schuhe geschoben.
Auf Seite 367 zeigt der Katalog Fotos von Hochhuths Drama „Der Stellvertreter“. Offenbar glaubt der Ausstellungsmacher an die literarische Fiktion Hochhuths, die er dazu noch als „kirchenkritisches Dokumentardrama“ bezeichnet. Von „Dokumentar“ ist bei dieser Fiktion nichts zu sehen. Die zahlreichen Gegenbeweise von jüdischer Seite werden natürlich nicht erwähnt. Die einschlägigen Veröffentlichungen von Pinchas Lapide, Pankratius Pfeiffer und Eugenio Zolli unterschlägt die Ausstellung.
2. Verdrängung der Erinnerungspflege
Am Ende zeigt sich, dass die Thesen dieser Ausstellung ideologisch motiviert sind. Die päpstliche Nuntiatur an der Brienner Straße als „Schwarzes Haus“ zu bezeichnen, um ihr Erscheinungsbild und ihre geistige Ausrichtung auf die gleiche Stufe zu stellen wie das „Braune Haus“ und die Gestapo-Zentrale, ist pure Diffamierung. Zu diesem Zweck hat Dr. Nerdinger die Bezeichnung „Schwarzes Haus“ erst erfunden. Auch die Behauptung, dass „die Münchner“ die zwölf Jahre NS- Geschichte in sträflicher Weise verdrängt hätten, hätte der Architekt Nerdinger nicht aufstellen können, wenn er die einschlägige Literatur und Dokumentationen zur Kenntnis genommen hätte. Schon allein die Bücher des ehemaligen KZ-Häftlings Weihbischof Neuhäusler belegen eine intensive Beschäftigung der Kirche mit diesem Thema. Dass 2756 katholische Priester im doch recht nahen KZ Dachau gefangen waren, hätte in dieser Ausstellung gewürdigt werden müssen. Dass Weihbischof Neuhäusler nach dem Krieg viel Zeit und Geld aufgewendet hat, um auf dem KZ-Gelände Dachau zur bleibenden Erinnerung und zur bleibenden Mahnung ein Sühnekloster zu errichten, wird in der Ausstellung nicht einmal erwähnt. Das verdrängt der Ausstellungsmacher. Der Vorwurf der Verdrängung trifft also umgekehrt zu. Verdrängt die Ausstellungsleitung die intensive Beschäftigung der Kirche mit dem NS-Thema, nur um den Vorwurf der Verdrängung gegen die andere Seite erheben zu können? Ein solches Vorgehen beruht aber nicht auf wissenschaftlichen Kriterien, sondern auf politischer Ideologie. Das ist für das Ansehen der Träger dieser Ausstellung – Bund, Land und Stadt München – unangemessen. Der Vorwurf der schuldhaften Verdrängung der NS-Geschichte an die ganze Nachkriegsgesellschaft durchzieht die ganze Ausstellung. Dass diese Nachkriegsgesellschaft aus dem Elend der Nachkriegsjahre, aus dem Hunger und der Wohnungsnot heraus ein Wirtschaftswunder schuf, hat nichts mit Vertuschung der zwölfjährigen NS-Epoche zu tun. Nach jeder Katastrophe haben sich die Menschen wieder dem Leben zugewandt. Auf den Ruinen des dreißigjährigen Krieges ist das Barock-Zeitalter entstanden. Menschen können nicht ständig wie gelähmt in den Abgrund schauen. Glücklicherweise erwies sich in der Geschichte der menschliche Lebenswille immer stärker als Tod und Verzweiflung. Das weiß eigentlich jeder Historiker.
-Fortsetzung--
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15

Mittwoch, 21. Oktober 2015, 17:11

Zitat

3. Unterschlagung historischer Fakten
Dr. Nerdinger will auch den Eindruck erwecken, als seien die Münchner überwiegend Nationalsozialisten gewesen. Dabei musste er übersehen, dass die NSDAP bei den letzten freien Wahlen im November 1932 nur 18,44 % der Stimmen errang. So steht es laut Münchner Stadtarchiv in der Untersuchung von Mathias Rösch „Die Münchner NSDAP 1925 – 1933“ auf Seite 548. Auch dieses Wahlergebnis bleibt in der Ausstellung bedauerlicherweise unerwähnt. Nach Meinrad Hagmann soll die NSDAP am 6.11.1932 jedoch auf 24,9% gekommen sein. Möglicherweise erklärt sich der Unterschied dadurch, dass Hagmann der NSDAP die Stimmen aus einer Listenverbindung mit einer anderen Partei zuschlägt. Vermutlich standen ihm bei seiner Zusammenstellung 1946 noch nicht alle Archivalien zur Verfügung.
Widerständler aus dem linken Lager hebt Dr. Nerdinger über Gebühr hervor. Kirchentreue Katholiken wurden jedoch von den Kommunisten genauso verfolgt wie von den Nationalsozialisten. Katholiken haben daher keinen Grund, das eine Extrem für besser zu halten als das andere Extrem. Die Ausstellungsleitung erwähnt auch den sehr ehrenwerten sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Dr. Wilhelm Hoegner. Sie lässt ihn aber leider nicht zu Wort kommen, weil seine Äußerungen auch auf das demokratische München verweisen. In seinem Buch „Flucht vor Hitler“ erzählt Dr. Hoegner eindrucksvoll, wie in Hamburg sozialdemokratische Wahlkreise und in Berlin kommunistisch geprägte Straßen an die NSDAP verloren gingen. Führende SPD-Männer flohen im Februar und März 1933 nach München, weil sie sich dort sicher fühlten. Solche Belege werden leider nicht erwähnt.
Die Behauptung der Ausstellungsleitung, dass nicht jede Kritik am NS-System Gefahr für Leib und Leben bedeutete, verrät einen falschen Umgang mit Fakten. Wenn beispielsweise ein Polizist oder ein Richter eine Strafanzeige nicht systemgemäß grausam verfolgte, sondern heimlich unterdrückte, so darf dies nicht verharmlosend dem NS-System zugerechnet werden. Vielmehr zeigt dies umso deutlicher die Gefährlichkeit des Systems. Hierfür ein Beispiel. Der Soldat Ludwig Seegerer aus Nabburg war vor dem Kriegsgericht in Nürnberg angeklagt, weil er einmal auf den Hitlergruß „Heil Hitler“ antwortete: „Ich nicht, heil Du ihn!“ Für solche Witze gab es sonst nur Todesurteile. Der Richter Hartinger formulierte das Urteil aber absichtlich unklar und verurteilte den Angeklagten nur zur Frontbewährung und sorgte auch noch dafür, dass der Soldat sofort an die Front in der damaligen Sowjetunion verbracht wurde, wo er tatsächlich überlebte. Aus derartigen verdeckten Hilfen einen Toleranzspielraum für den NS-Staat abzuleiten, ist völlig verfehlt, denn der Richter hat aus Mitleid mit dem Soldaten ein hohes Risiko auf sich genommen. Dagegen beging der Leipziger Gerichtspräsident Werner Lueben in der Nacht vor der Verkündigung des Todesurteils gegen den Innsbrucker Bischofsvikar Dr. Carl Lampert Selbstmord, weil er dieses Unrechtsurteil nicht unterschreiben wollte. Dieser Bischofsvikar hatte den Sterbeort „Buchenwald“ in der Todesanzeige für den Märtyrerpriester Otto Neururer angegeben, was verständlicherweise verboten war.
Die vielen katholischen Widerständler konnte die Ausstellung nicht totschweigen. Deshalb legt Dr. Nerdinger in der Ausstellung und auch im Katalog Wert auf die Behauptung, dass deren Widerstand „Privatsache“ war und nicht kirchlicher Widerstand. Sogar den Widerstand von Prälat Lichtenberg in Berlin bezeichnen Thomas Brechenmacher und Harry Oelke auf Seite 506 als den Widerstand eines Einzelnen. Sollten auch diesen beiden Autoren die Zusammenarbeit Lichtenbergs mit Bischof von Preysing, mit leitenden Beamten des Innenministeriums, mit Dr. Margarete Sommer und mit Pfarrer Thrasolt wirklich unbekannt sein? Ob es Widerständler in Berlin, in Münster oder Freiburg waren, konnten sie ihren Widerstand doch nur leisten, weil sie Rückhalt im katholischen Milieu hatten. Überdies konnte und durfte sich die Kirche nicht aussichtslos in die offene Feldschlacht begeben und offiziell den offenen Widerstand erklären. Das dann unvermeidbare Blutbad wäre zu Lasten der Kirche und ihrer Gläubigen ausgegangen. Oder glauben die Ausstellungsmacher, dass Hitler so demokratisch war und Widerstand geduldet hätte? Die Bischöfe hatten die Pflicht, die Kirche aus seelsorgerlichen Gründen funktionsfähig zu erhalten, was Außenstehenden kaum zu vermitteln ist.
4. Parteiliche Auswahl der Fakten
Dass die ersten drei Präsidenten der Nachkriegslandtage Dr. Horlacher, Studiendirektor Stang und Dr. Hundhammer KZ-Gefangene in Dachau waren, erwähnt die Ausstellung nicht, wohl deshalb nicht, weil sie alle drei der CSU angehörten. Der vierte Landtagspräsident Dr. Hans Ehard war 1923 der Staatsanwalt, der Hitler nach dem Putschversuch anklagte. Auch das ist keiner Erwähnung wert, weil er der „falschen“ Partei angehörte. Der stellvertretende Ministerpräsident Dr. Josef Müller, im Volk Ochsensepp genannt, vermittelte im Auftrag von Wilhelm Canaris den ersten Kontakt der deutschen Militär-Opposition mit der britischen Regierung. Dabei geschah die entscheidende Hilfe durch Papst Pius XII. – dem früheren Hausherrn der Münchner Nuntiatur in der Briennerstraße. Das ist dem Ausstellungsleiter ebenfalls keiner Erwähnung wert, weil Dr. Josef Müller auch der „falschen“ Partei angehörte.
Den Gipfel der Einseitigkeiten erreicht der Ausstellungsleiter erst im Ausstellungskatalog. In der Ausstellung selbst ist diese Passage nicht aufgefallen. Im Hauptkatalog lässt er schreiben: „Die Evangelische Kirche hat mit ihrer „Stuttgarter Erklärung“ 1945 ihr Fehlverhalten in der NS-Zeit eingestanden und sie hat sich dafür entschuldigt.“ Dann wird der Eindruck erweckt, dass bei der katholischen Kirche dieses Eingeständnis noch ausstehe.
Solle sich denn das Opfer noch dafür entschuldigen, dass europaweit nur viertausend Priester ermordet wurden und nicht alle, dass nur die meisten Klöster aufgehoben wurden und nicht alle und dafür, dass die Kirchenzeitungen 1933 nicht sofort verboten wurden, sondern erst nacheinander? Das Opfer zum Angeklagten zu machen, ist bitterer Hohn für das Opfer. Überdies scheint die Ausstellungsleitung die „Stuttgarter Erklärung“ selbst nicht gelesen zu haben. Sonst wäre ihr aufgefallen, dass dort die Shoa gar nicht erwähnt wird. Weiter hätte ihr auch auffallen müssen, dass die Verfasser diese Stuttgarter Schulderklärung fast ausschließlich Angehörige der Bekennenden Kirche waren, die für das Fehlverhalten der Evangelischen Kirche während des Dritten Reiches wahrlich nicht verantwortlich waren.
Wenn man diese Ungeheuerlichkeiten sieht, fragt man sich doch, warum Dr. Nerdinger als führendes Mitglied des Aufsichtsgremiums auf Entlassung seiner Vorgängerin drängte und sich dann an ihre Stelle setzte. Die Vorgängerin war nämlich gelernte Historikerin und wollte Geschichte sine ira et studio unvoreingenommen darstellen. Wollte Dr. Nerdinger gerade eine objektive Darstellung verhindern?
Die Frage, wie für so viel Geld eine derartige Geschichtsklitterung zustande kommen konnte, erklärte die Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats Prof. Merith Niehuss in einem Interview freimütig so„München sollte als Täterstadt im Vordergrund stehen“. Der Hörer staunt und versteht schließlich: Eine objektive Darstellung war also gar nicht beabsichtigt.
Eduard Werner

Kommentar
Die Interview-Aussage der Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates, Prof. Merith Niehuss „München sollte als Täterstadt im Vordergrund stehen“ am Ende des Artikels sagt alles aus über die Qualität dieser Ausstellung. Keine wissenschaftliche Historie ist diese Ausstellung sondern typisch eine reine Agitprop Ausstellung der Linken - Reichshälfte und deren propagandistische Selbstbeweihräucherung. Gesamt-Fazit: Nichts wissenschaftlich brauchbar also Sch….. wie alles was von dieser Seite kommt.
Preis den Herrn!