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Texte der Heiligen

Antworten im Thema: 130 » Der letzte Beitrag (25. Juni 2015, 16:25) ist von diaconus.

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Sonntag, 25. August 2013, 18:00

Josef von Calasanz (+ 1648 )
Aus einer Denkschrift an Kardinal Tonti

Es ist ein heiliger Dienst, Kinder zu erziehen, besonders die Kinder der Armen, und sie so zu belehren, dass sie das ewige Leben erlangen können. Dieser Dienst besitzt eine hohe Würde und findet großen Lohn,; jedermann weiß es.

Wenn wir nämlich die Kinder unterrichten und sie vor allem in christlicher Frömmigkeit und Lehre erziehen, sorgen wir für ihr Heil an Leib und Seele, und wir leisten ihnen gewissermaßen den nämlichen Dienst wie ihre Schutzengel.

Dieser Dienst ist für die jungen Menschen, welchen Geschlechtes und Standes sie auch sein mögen, eine ausgezeichnete Hilfe,. Er zieht sie vom Bösen ab und hält sie zu guten Taten an. Junge Menschen werden mit solcher Hilfe derart zum Guten verwandelt, dass man in den so Erzogenen die Zöglinge von früher nicht mehr wiedererkennt. Junge Menschen kann der Erzieher leicht dahin führen, wohin er ihren Geist führen möchte; wenn wir sie er verhärten lassen, wird die Möglichkeit, sie zu biegen stark verringert oder zuweilen ganz aufgehoben.

Wenn wir den Kindern, besonders den armen eine passende Erziehung angedeihen lassen, mehrt das ihre menschliche Würde. Die ganze menschliche und christliche Gesellschaft stimmt unserem Tun zu: die Eltern, denn sie in erster Linie freuen sich, dass ihre Kinder auf guten Wegen geführt werden; die Lenker der Staaten, weil sie rechtschaffene Untertanen und gute Bürger gewinnen; vor allem aber die Kirche, denn die Kindern werden auf diese Weise mit größerer Reife und besserem Erfolg als Freunde Christi und Anhänger des Evangeliums in das vielfältige und vielgestaltige Leben der Kirche eingefügt.

Kommentar
Diese Worte des hl. Calasanz gelten heute genauso wie damals. Und das wissen auch jene, die die heutigen Kinder beeinflussen wollen wie es die Kommunisten seit 1917 in der Sowjetunion begonnen haben indem sie durch Zwang die Kinder in Kinderkrippen, Kindergärten und Horte kasernierten um sie ideologisch mit dem Atheismus zu beeinflussen,. Und heute geschieht dies durch die linke-rot-grüne Phalanx, die aber alle denselben Ursprung haben, nämlich den ursprünglichen Kommunismus, die die Kinder vom frühesten Kindesalter mit Sexthemen, wie zBspl.. Homosexualität in der Grundschule, beeinflussen will, nämlich zu einer Zeit wo derartige Themen die Kinder überhaupt noch gar nicht interessieren wie jeder weiß, der als Vater oder Mutter fungiert hat. Das Ziel ist, über diese Art von Kindererziehung durch staatliche Institutionen Menschen zu kreieren, die tiefer stehen als die Tiere um sie ideologisch beeinflussen zu können und entsprechendes nicht denkendes „Stimmvieh“ für pseudodemokratische Wahlen zu bekommen,
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Samstag, 31. August 2013, 16:14

Leonhard Goffiné (+ 1719)
Aus dem Werk „Die Gaben des Heiligen Geistes“
Die Gaben des Heiligen Geistes sind die sieben folgenden: die Gabe der Weisheit, die uns das Himmlische mehr als alles Irdische schätzen lehrt, Verlangen nach demselben einflößt und die rechten Mittel zum Heile zeigt; die Gabe des Verstandes, die uns erleuchtet, die Geheimnisse und Lehren der heiligen Religion recht zu verstehen; die Gabe des Rates in zweifelhaften Fällen, die zu erkennen gibt, was man tun oder lassen und auch andern raten soll – diese Gabe ist besonders nötig Vorstehern, bei der Standeswahl, bei verwickelten, unglücklichen Eheverhältnissen; die Gabe der Stärke, welche alle Zaghaftigkeit und Menschenfurcht besiegt und den Menschen stärkt, das Laster zu hassen und die Tugend unerschütterlich zu üben und lieber Verachtung Nachteil, Verfolgung und Tod zu wählen, als Christus durch Wort und Tat zu verleugnen; die Gabe der Wissenschaft, durch die der Heilige Geist innerlich uns erleuchtet das wir uns selbst, die Fallstricke der Eigenliebe, der Leidenschaften, des Teufels und dere Welt erkennen und die geeigneten Mittel wählen, sie uu überwinden; die Gabe der Gottseligkeit und der Hingabe, die uns Ehrfurcht vor Gott und göttlichen Dingen und Freude am Umgang mit Ihm einflößt; die Gabe der Furcht Gottes, jener kindlichen Furcht, die kein anderes Unglück fürchtet als das Gott zu missfallen, und die daher die Sünde als das größte Übel flieht.
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Samstag, 7. September 2013, 16:31

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus dem Buch „Scivias“ - 1

Du hast dem Menschen die Grenzen gesetzt, so dass er sie nicht überschreitet (vgl. Ijob 14,5), du, der du über alles bis und alles vorausweißt, bevor es geschieht, du hast im Geheimnis deiner Majestät die Grenzen des Menschenlebens hinterlegt. Weder Wissen noch Klugheit, noch List irgendeines Wesens vermag sie hinauszurücken, in keinem Alter, nicht in der Kindheit, nicht in der Jugend, nicht im Greisenalter. Du verfügst es in der Vorsehung deiner geheimen Ratschlüsse, du, der die Menschen zur Ehre seines Namens erschaffen wollte.

Vor Grundlegung der Welt habe ich, o Mensch, um dich gewusst.

Weshalb verachtest du mich? Habe ich dir nicht meine Propheten gesandt und meinen Sohn am Holz des Kreuzes für dein Heil dahingegeben? Habe ich nicht meine Apostel beauftragt, dir durch die Frohbotschaft den Weg der Wahrheit zu zeigen? Du hast also keine Entschuldigung, als hätte ich nicht alles Gute für dich bereitgelegt. Weshalb schiebst du mich beiseite? Du Tor, überlege, wer ich bin, Bedenke, dass ich das höchste Gut bin und dir alles Gute schenke, wenn du mich in Liebe suchst, mich, Gott über allem und in allem. Aber du willst mich zu einem Hörigen machen, der seinen Herrn fürchtet. Wie? Du willst, dass ich deinen Willen tue, während du meine Gebote verachtest. So ist Gott nicht! Gott braucht nicht Ratschläge am Anfang noch Furcht am Ende. Die Himmel hallen wider von meinem Lob. Denn sie hängen an meinem Blick und gehorchen mir nach der Ordnung,, die ich ihnen gesetzt. Sonne, Mond und Sterne am Himmel halten ihre Zeiten ein, Winde und Regen laufen durch die Lüfte, wie es ihnen bestimmt ist. All dies gehorcht dem Befehl des Schöpfers, du aber, der Mensch, hältst meine Satzungen nicht, sondern läufst deinem Eigenwillen nach.

Dummheit ist es, wenn du mich stellen und mir ins Gesicht schleudern willst: „Wenn es Gott gefällt, dass ich gerecht und gut bin, warum macht er mich dann nicht gerecht?“ Damit willst du mich anfallen, wie ein mutwilliger Bock einen Hirsch anfällt. Das mächtige Geweih des Hirsches wird ihn aufgabeln und durchbohren. So werde auch ich tun, wenn du dich unterfängst, durch deine Lebensweise mit mir dein Spiel zu treiben. Die Stangen meines Geweihs sind die Vorschriften des Gesetzes,. Durch sie werde ich dich zunichte machen in m meinem Gericht. Posaunen sollen dir in den Ohren tönen. Aber du folgst ihnen nicht, sondern läufst dem Wolf nach, den du so in deiner Gewalt zu haben glaubst, dass er dir nicht schaden können. Aber der hungrige Wolf wird dich verschlingen, da er sich sagt; „Dieses Schaf ist vom Wege abgeirrt,. Es wollte seinem Hirten nicht folgen. Mir ist es nachgelaufen, darum verschlinge ich es, denn es hat mich erwählt und seinen Hirten verlassen.“
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Sonntag, 8. September 2013, 16:50

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus dem Buch „Scivias“ - 2

Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben. Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“ ((1 Joh 4,9-10) Was heißt das? Ein anderes Heil erblühte uns in dieser Liebe Gottes als jenes, das wir bei unserem ersten Ursprung empfangen hatten, da wir Erben der Unschuld und Heiligkeit waren;: denn nun neigte dere himmlische Vater seine Liebe uns Gefährdeten und Straffälligen zu. Er sandte sein eingeborenes Wort in vollkommener Heiligkeit unter die Menschenkinder. Er sandte es durch göttliche Kraft in die Finsternis der Jahrhunderte, damit es in ihr alles Gute wirke. Durch seine Sanftmut führte es die Menschen zum Leben zurück, die im Schmutz der Sünde darniederlagen und (aus sich) die verlorene Heiligkeit nicht wiedererlangen konnten.

Denn durch das Wort, das der Lebensquell selber ist, kam die umarmende Mutterliebe Gottes hernieder. Sie nährt uns zum Leben. Sie steht uns bei in der Gefahr. Sie ist das tiefste, mildeste Erbarmen, das uns den Weg der Umkehr zeigt. Voll Mitleid gedachte Gott seines großen Werkes, des Menschen, den er aus Erdenlehm gebildet und dem er den Atem des Lebens eingehaucht hatte.

So ist die Rettung der Liebe nicht von uns ausgegangen, die wir unwissend und unfähig waren, Gott zu unserem Heil zu lieben. Er vielmehr, der Schöpfer und Herr aller Dinge, hat sein Volk so geliebt, dass er, um es zu retten, seinen einzigen Sohn hingab, das Haupt und den Erlöser aller, die an ihn glauben (vgl. Joh 3,16; Lk 10,34). Dieser wusch und trocknete unsere Wunden. Aus ihm träufelte die Arznei, aus der alle Güter der Erlösung fließen

Deshalb erkenne auch du, o Mensch, dass kein Widerstreit von Veränderlichkeit Gott je berührt. Denn der Vater ist Vater, der Sohn ist Sohn, der Heilige Geist ist Heiliger Geist: drei Personen, unteilbar lebend in der Einheit der einen Gottheit. Der Vater ist nicht ohne den Sohn, noch der Sohn ohne den Vater und der Sohn ohne den Heiligen Geist, noch der Heilige Geist ohne Vater und Sohn; denn diese drei Personen sind untrennbar in der Einheit der Gottheit. Wie ist das?

Das Wort erschallt aus dem Munde des Menschen, und doch ist der Mund nicht ohne das Wort und das Wort nicht ohne das Leben. Und wo bleibt das Wort? Im Menschen. Und von wem geht aus? Vom Menschen, Warum? Weil der Mensch lebt. So ist der Sohn im Vater, und doch sandte ihn der Vater zum Heil der Menschen auf die finstere Erde, und er wurde vom Heiligen empfangen in der Jungfrau. Wie der Vater ihn allein vor aller Zeit zeugte, so gebar ihn allein die Jungfrau-Mutter in der Zeit, denn auch nach der Geburt blieb sie Jungfrau.

So erkenne, o Mensch, in diesen drei Personen deinen Gott, der dich erschuf in der Kraft seiner Gottheit und dich vom Verderben erkaufte. Und vergiss nicht deinen Schöpfer.
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Dienstag, 10. September 2013, 16:35

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus dem Buch „Scivias“ - 3

Wiederum hörte ich, wie eine Stimme von den Höhen des Himmels herab zu mir sprach: Als Christus Jesus, der wahre Sohn Gottes, am Leidensholz hing, wurde ihm die Kirche in der Verborgenheit des himmlischen Geheimnisses vermählt, und sie erhielt als Hochzeitsgabe sein purpurfarbenes Blut. Darauf deutet sie auch selber hin; denn immer wieder tritt sie zum Altar hinzu, bittet um ihre Hochzeitsgabe und beobachtet mit der größten Aufmerksamkeit wie innig die Andacht ist, mit der ihre Kindere zum Empfang der göttlichen Geheimnisse hinzutreten.

Deshalb siehst du, wie die Gestalt einer Frau gleich einem Lichtglanz schnell aus dem ewigen Ratschluss hervorgeht und durch göttliche Macht dem Sohn zugeführt wird, der am Kreuz hängt. Als er, das unschuldige Lamm, zum Heil der Menschen auf dem Altar des Kreuzes erhöht war, ging plötzlich aus dem abgrundtiefen Geheimnis des göttlichen Ratschlusses die Kirche hervor. Strahlend in der reinen Weiße des Glaubens und aller Tugenden, erschien sie am Himmel und wurde durch die höchste Majestät dem eingeborenen Sohn zugeführt. Was bedeutet dies? Als aus der Seitenwunde meines Sohnes Blut floss, wurde die Erlösung der Seelen geboren.

Die Herrlichkeit, deren der Teufel und seine Anhänger verlustig gegangen waren, wurde Erbteil der Menschen. Denn als mein eingeborener Sohn in der Zeit den Kreuzestod auf sich nahm, entriss er der Hölle ihre Beute und führte die gläubigen Seelen zum Himmel. Rasch begann sich nun in den Jüngern und jenen, die ihnen aufrichtig folgten, der Glaube zu mehren und kräftigen, und so wurden sie Erben des Himmelreiches. Daher erscheint die Gestalt der Frau ganz überströmt von dem mächtig emporsprudelnden Blut der Seitenwunde und wird durch den Willen des himmlischen Vaters dem Sohn Gottes vermählt. Wie der Duft wohlriechender Kräuter emporsteigt und sich in der Höhe ausbreitet, so schwoll die Kraft des Leidens Christi mächtig an und erhob sich wunderbar zur Höhe der himmlischen Geheimnisse. Da erstarkte durch sie die Kirche in den glücklichen Erben des himmlischen Reiches und wurde so dem eingeborenen Sohn Gottes nach der Bestimmung des himmlischen Vaters im Glauben vermählt.
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Dienstag, 10. September 2013, 17:30

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus dem Buch „Scivias“ - 4

Ich hörte, wie der auf dem Thron Sitzende zu mir sprach: „Schreibe, was du siehst und hörst!“ Da antwortete ich aus dem innersten Erkennen meines Schauens: „Ich bitte dich, Herr, gib mir Verstehen, dass ich diese Geheimnisse in Worte fassen kann. Verlass mich nicht, sondern gib mir Kraft aus der Morgenröte deiner Gerechtigkeit, in der dein Sohn sich offenbarte. Gib mir die Kraft, dass ich den göttlichen, den ewigen Ratschluss, nach dem dein Sohn, deinem Willen gehorsam Fleisch annehmen und Mensch werden sollte in der Zeit, kundtun soll. Denn vor jeglicher Schöpfung wolltest du in deiner unverrückbaren Schau und im Feuer der Taube – das ist deines Geistes -, dass dein Sohn als strahlende Sonne wunderbar im Frühlicht der Jungfräulichkeit aufgehe (vgl. Lk 1,78 ), sich wahrhaft mit der Menschennatur umkleide und um des Menschen willen Menschengestalt annehme.“

Und wiederum hörte ich, wie er sprach: „Wie schön sind deine Augen wenn du Gottestaten kündest und wenn in ihnen die Morgenröte des göttlichen Ratschlusses aufleuchtet!“

Ich hinwieder antwortete: „Wie Asche komme ich mir vor im tiefen Grunde meiner Seele und wie verwehender Staub. Zitternd verweile ich im Schatten wie unter schützenden Flügeln. Vertilg mich nicht als einen Fremdling aus dem Land der Lebendigen! Denn schwer mühe ich mich ab mit dieser Schau. Und weil meine unbeholfene Einsicht so gering ist, stelle ich mich oft an den geringsten, niedrigsten Platz, weil ich nicht wert bin, Mensch zu heißen, weil meine Furcht groß ist und weil ich es nicht wage,, deine Geheimnisse kundzutun. Vater, voll Güte und Milde, belehre mich, was dein Wille ist und was ich reden soll. Vater, Schauer erregender, liebreicher, der du voll jeglicher Gnade bist, verlass mich nicht, sondern bewahre mich in deiner Barmherzigkeit!“
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Mittwoch, 11. September 2013, 17:57

Balduin von Canterbury (+ 1190)
Aus einem Traktat über die Liebe

Stark ist der Tod! Er vermag uns die Gabe des Lebens zu entreißen. Stark ist die Liebe, denn sie kann uns wieder in den Genuss eines besseren Lebens versetzen.

Stark ist der Tod! Er hat die Macht, uns da Kleid dieses Leibes zu rauben. Stark ist die Liebe, denn sie kann dem Tod seinen Raub abnehmen und ihn uns zurückerstatten.

Stark ist der Tod! Ihm kann kein Mensch widerstehen. Stark ist die Liebe; denn sie kann über den Tod triumphieren, seinen Stachel stumpf machen, dem Streit Einhalt gebieten und seinen Sieg zunichte machen. Das geschieht, wenn er geschmäht wird und wenn er hören muss: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55)

„Stark wie der Tod ist die Liebe“ (Hld 8,6), weil die Liebe Christi (zu uns) der Tod des Todes ist. Darum heißt es: „O Tod, ich werde dein Tod sein. Ich verschlinge dich, Unterwelt!“ (Hos 113,14 –Vg.) Auch die Liebe, mit der wir Christus lieben, ist stark wie der Tod. Denn sie ist selbst so etwas wie ein Tod, weil das alte Leben ausgelöscht, die Sünden getilgt und die toten Werke vernichtet werden.

Unsere Liebe zu Christus ist seiner Liebe zu nicht gleich, doch besitzt sie die unvollkommene Ähnlichkeit eines Bildes. „Er hat uns zuerst geliebt.“ (1 Joh 4,10 – Vg.) Er hat uns das Beispiel der Liebe gegeben und ist dadurch für uns ein Siegel geworden, durch das wir nach seinem Bild geformt werden. So legen wir das Bild des irdischen Menschen ab und tragen das Bild des himmlischen (vgl. 1 Kor 15,49). Wie wir selbst geliebt werden, so lieben wir ihn. Denn darin „hat er uns ein Beispiel gegeben, damit wir seinen Spuren folgen“: (vgl. 1 Petr 2,21)

Deswegen sagt Gott: „Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz“ (Hld 8,6), als wollte er sagen: Liebe mich, wie ich dich liebe! Halte mich in deinem Geist, in deinem Gedächtnis, in deinem Verlangen, deinem Seufzen, in deinem Stöhnen und deinem Schluchzen. Denke daran, o Mensch, wie ich dich erschuf und anderen Geschöpfen vorzog mit welcher Würde ich dich auszeichnete, wie ich dich „mit Herrlichkeit und Ehre krönte und dich nur wenig geringer machte als die Engel und dir alles zu Füßen legte.“ (Ps 8,6.7.-Vg) Denk nicht nur daran, wie Großes ich für dich getan, sondern auch, wie viel Hartes und Schmachvolles ich für dich ertragen habe. Sieh zu, ob du mir nicht Unrecht tust, wenn du mir deine Liebe verweigerst. Denn wer liebt dich so wie ich? Wer hat dich erschaffen, wenn nicht ich, und wer hat dich erlöst, wenn nicht ich?

Herr, nimm das Herz von Stein aus meiner Brust (vgl. Ez 11,10), das harte das unbeschnittene Herz. Gibt mir ein neues Herz, ein Herz aus Fleisch, ein reines Herz! Du reinigst das Herz und liebst das reine Herz. Nimn mein Herz in Besitz und wohne darin! Halte es und erfülle es, du, der größer ist als das Höchste in mir und innerlicher als das Innerste in mir, Du Gestalt der Schönheit und Siegel der Heiligkeit; präge mein Herz nach deinem Bild! Präge mein Herz mit deiner Barmherzigkeit. „Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig." (Ps 73,26)
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Freitag, 13. September 2013, 17:38

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus dem „Buch der Verdienste des Lebens"

Ich hörte die Stimme der Ruhmsucht sprechen. Alles, was geschieht, untersuche ich auf das genaueste. Ich bin mein eigener Zeuge dafür, wenn ich nach meinen Richtlinien alle Dinge aufs beste zusammenfasse. Was ich so in den Blick und zu wissen bekommen, warum sollte ich das nicht mir selber zur Ehre rechnen? Ich habe genug Selbstvertrauen, um nach eigenem Vermögen die Dörfer und Landstraßen zu durcheilen, so wie die Vögel dies tun, die in den Wäldern wohnen und singen was sie wollen. Von ihren Liedern will ich lernen und genauso singen wie sie. So ordne ich mir alles zurecht, was mein Eigentum ist, damit alle, die mich sehen, daran ihr Vergnügen haben und alle, die mich hören, mir darin die Ehre erweisen. Mein Glück ist mir nur dann hold, wenn ich es mit Klugheit und Tüchtigkeit an mich reiße Mir macht es nicht aus, wenn ich dabei anderen beschwerlich oder lästig falle. Bin ich doch klug und tüchtig und will meinen Ruhm für mich allein haben. Warum sollte dies Gott missfallen, da ich so geschaffen bin?

Die Gottesfurcht antwortet: Ich hörte, wie eine Stimme dieser Gestalt antwortete: Weil du vor nichts Achtung hast und jegliches Ding gierig an dich reißt, bist du die nichtige Leere eines üblen Götzenbildes. Was wäre das auch, was ein Mensch ohne die Gnade Gottes tun könnte? Rein gar nichts! Wenn nämlich der Mensch das Rad seiner Erkenntnis in die Selbstverherrlichung dreht, dann tötet ihn Gott. Richtet er sich aber auf das Gute aus, wir Gott ihm zur Seite sehen. Du aber willst alles tun, was dir nur in den Sinn kommt. Vor dem Bad der Taufe errötest du, und das Heilmittel Gottes verlangst du nicht. Du badest mit schnellfüßiger Eitelkeit in jeder Art von Übel, und was wirklich lebendig ist, das willst du nicht haben.

Ich seufze in Liebe zu Gott und achte sein Urteil. Wie könnte ich mich selber für fähig halten, Anteil an den Freuden des Himmels zu gewinnen? Es ist nur möglich, wenn ich den Dunst der Sünde fliehe, die Pracht der Welt verlasse und den Brand des Fleisches in mir nicht dulde. Und so achte ich darauf, dass frei von Schuld bleibe.

Daher gibt mir Gott die Möglichkeit, vom Baum des Lebens zu essen (vgl. Gen 2,9), damit es im Menschen niemals an guten Taten fehle, sosehr ihn auch die Anfechtungen des Satans bedrängen. Gott selbst hat ja den guten Menschen als ein edles Fundament gelegt, das auf heilige Werke hinweist. So soll der Mensch auferbaut werden als ein Haus unter den Zelten Gottes.
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Sonntag, 15. September 2013, 17:31

Bernhard von Clairvaux (+ 1153)
Aus einer Predigt zum Festgeheimnis Mariä Himmelfahrt

Das Martyrium der Jungfrau wird uns in der Weissagung des Simeon und in der Geschichte des Leidens Christi ans Herz gelegt Der Greis sagt von dem Kind Jesus: „Dieser ist als Zeichen aufgerichtet, dem widersprochen wird.“ Zu Maria aber sagt er: „Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen.“ (Lk 2,34.35)

Deine Seele, heilige Mutter, durchdrang wahrhaft ein Schwert. Nur durch deine Seele hindurch durchbohrte es auch den Leib deines Sohnes. Nachdem Jesus, dein Jesus . der Jesus aller, aber im besonderen dein Jesus -, den Geist ausgehaucht hatte, schonte die grausame Lanze den Toten nicht, doch sie konnte ihm nicht mehr schaden und öffnete nur seine Seite Seiner Seele konnte sie nichts mehr anhaben, aber deine Seele durchdrang sie. Seine Seele war nicht mehr da, aber deine Seele konnte von dort nicht losgerissen werden. Die Kraft des Schmerzes durchdrang deine Seele. Wir könnten dich mit Recht als Königin der Märtyrer preisen, da in deinem Herzen die Wirkung des Mit-Leidens stärker war als die des leiblichen Leidens.

War die das Wort „Frau, siehe dein Sohn“ (Joh 19,26) nicht schärfer als ein Schwert, ging es dir nicht wirklich durch ein Herz, durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist (vgl. Hebr 4,12)? Welch ein Tausch! Du erhältst Johannes statt Jesu, den Knecht statt des Herrn, den Jünger statt des Meisters, den Sohn des Zebedäus statt des Sohnes Gottes, einen reinen Menschen statt des wahren Gottes. Wie sollte es dein empfindsames Herz nicht durchbohren, wenn schon die bloße Erinnerung daran unser Herz zerreißt, so steinern und eisern es ist!

Wundert euch nicht, Brüder, dass wir sagen, Maria sei in ihrer Seele Märtyrin gewesen. Wundern kann sich darüber nur, wer vergisst,, dass Paulus die Gefühllosigkeit zu den schlimmsten Sünden der Heiden rechnet (vgl. Röm 1,31). Gefühllosigkeit aber war vom Herzen Marias weit entfernt und sollte auch ihren Dienern fremd sein.

Doch vielleicht wendet jemand ein: „Wusste sie denn nicht im voraus, dass er sterben würde?“ Ohne Zweifel! „Hoffte sie nicht, dass er sogleich wieder auferstehen werde?“ Aber gewiss! „Und trotzdem schmerzte es sie, dass er gekreuzigt wurde?“ Ja, s schmerzte sie heftig! Wer bist du, Bruder, und woher hast du deine Weisheit? Warum wunderst du dich mehr über das Mit-Leiden Marias als über das Leiden ihres Sohnes? Da er dem Leibe nach sterben konnte, wie hätte da ihr Herz vermocht, nicht mit ihm zu sterben? Jenes bewirkte die Liebe, die größte, die es gibt. Aber auch dieses tat die Liebe, die zweitgrößte nach jener.
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Dienstag, 17. September 2013, 17:29

Hildegard von Bingen (+ 1179)
Aus einem Brief an Werner von Kirchbolanden und seine Priestergemeinschaft

Im Jahre 1170 nach Christi Geburt lag ich lange krank danieder. Da schaute ich, wach an Körper und Geist, eine Frau von solcher Schönheit, dass Menschengeist es nicht zu fassen vermochte. Ihre Gestalt ragte von der Erde bis zum Himmel. Ihr Antlitz leuchtete von höchstem Glanz. Ihr Auge blickte zum Himmel. Bekleidet war sie mit einem strahlendhellen Gewand aus weißer Seide und einem Mantel, besetzt mit kostbaren Steinen. An den Füßen trug sie Schuhe aus Onyx. Aber ihr Antlitz war mit Staub bestreut, ihr Gewand an der rechten Seite zerrissen. Auch hatte der Mantel seine erlesene Schönheit verloren, und ihre Schuhe waren von oben her beschmutzt. Mit lauter, klagender Stimme schrie zum hohen Himmel hinauf: Horch auf, Himmel: mein Antlitz ist besudelt! Trauere Erde: mein Kleid ist zerrissen! Erzittere, Abgrund,: meine Schuhe sind beschmutzt!

Und weiter sprach sie: Im Herzen des Vaters war ich verborgen, bis dr Menschensohn, in Jungfräulichkeit empfangen und geboren, sein Blut vergoss. Mit diesem Blut, als seiner Mitgift hat er mich sich vermählt.

Die Wundmale meines Bräutigams bleiben frisch und offen, solange die Sündenwunden der Menschen offen sind. Eben dieses Offenbleiben der Wunden Christi ist die Schuld der Priester.

Mein Gewand zerrissen sie dadurch, dass sie Übertreter des Gesetzes, des Evangeliums und ihrer Priesterpflichten sind. Meinem Mantel nehmen sie den Glanz, da sie die ihnen auferlegten Vorschriften in allem vernachlässigen. Sie beschmutzen meine Schuhe, da sie die geraden das heißt die harten und rauhen Wege der Gerechtigkeit nicht einhalten und auch ihren Untergebenen kein gutes Beispiel geben. Dennoch finde ich bei einigen das Leuchten der Wahrheit.

Und ich hörte eine Stimme vom Himmel, die sprach: Dieses Bild stellt die Kirche dar. Deshalb, o Mensch, der du das schaust und die Klageworte hörst, künde es den Priestern, die zur Leitung und Belehrung des Gottesvolkes bestellt sind und denen gleich den Aposteln gesagt wurde: „Geht hinaus in die Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15)

Kommentar
Ist diese Vision der Hildegard von Bingen nicht auch heute aktuell für den Zustand der Kirche, vor allem im Westen Europas und in Nordamerika? Nur ein Bruchteil der Priester und Bischöfe verkünden das unverkürzte und unverfälschte Evangelium sowie die gesunde, reine und wahre Lehre (1 Tim, 2 Tim, Tit) der Kirche ohne zeitgeistige Veränderungen und Anpassungen obwohl das Wort Gottes und seine Anweisungen nicht veränderbar sind.
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Dienstag, 17. September 2013, 18:02

Robert Bellarmin (+ 1621)
Aus einem Traktat über den Aufstieg des Geistes zu Gott

„Herr, du bist gütig und reich an Gnade.“ (Ps 86,5) Wer sollte dir nicht von ganzem Herzen dienen, sobald er anfängt, auch nur ein wenig die Milde deiner väterlichen Herrschaft zu kosten? Herr, was gebietest du deinen Dienern? „Nehmt mein Joch auf euch“, sagst du. Was für ein Joch ist das? Du sagst: „Mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.“ Wer sollte nicht gern ein Joch tragen, das nicht niederdrückt, sondern aufrichtet und eine Last, die nicht beschwert, sondern tragen hilft? Mit Recht hast du also hinzugefügt: „So werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.“ (Mt 11,29.30) Was ist dein Joch, das nicht ermüdet, sondern Ruhe bringt? Dies ist das erste und größte Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen.“ (Mt 22,37) Was ist leichter, angenehmer, erfreuender, als die Güte zu lieben, die Schönheit, die Liebe? Alles das bist du, Herr, mein Gott.

Versprichst du nicht auch Lohn einem jeden, der deine Gebote hält, sie, die kostbarer sind als Gold in Menge, süßer als Honig, als Honig aus Waben (vgl. Ps 19,11)? Du versprichst ganz allgemein Lohn, reichsten Lohn, wie der Apostel Jakobus sagt: „Den Kranz des Lebens hat der Herr denen bereitet, die ihn lieben.“ (vgl. Jak 1,12). Was ist der Kranz des Lebens? Er ist ein größeres Gut, als wir denken und begehren können. Denn so schreibt der heilige Paulus mit Jesaja: „Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: Das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1 Kor 2,9; vgl. Jes 64,3).

Wahrhaftig, in der Beobachtung deiner Gebote liegt bereits reicher Lohn. Dabei ist nicht nur dieses erste und höchste Gebot gut für die Menschen, die ihm gehrochen – nicht für Gott, der es gegeben hat -, auch die übrigen Geboten machen die Menschen, die ihnen gehorchen, vollkommen, zieren und erleuchten sie, machen sie gut und zuletzt glücklich.

Wenn du es also begreifst, erkenne, dass du zur Ehre Gottes und zu deinem ewigen Heil erschaffen bist, dass dies dein Ziel ist, dies die Mitte deiner Seele, der Schatz deines Herzens Wenn du an dieses Ziel gelangst, bist du selig, unglücklich aber, wenn du es verfehlst.

Darum halte alles für gut was dich deinem Ziel näherbringt, für schlecht, was sich am Ziel vorbeiführt. Glück und Unglück, Reichtum und Armut, Gesundheit und Krankheit sind nach der Auffassung der Weisen an und für sich weder zu begehren noch zu fliehen. Vielmehr, wenn sie zur Ehre Gottes und zu deinem ewigen Glück beitragen, sind sie gut und zu begehren. Sind sie dem aber im Weg, dann sind sie schlecht, und wir sollen sie fliehen.
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Mittwoch, 18. September 2013, 17:02

Katharina von Siena (+ 1380)
Aus dem Buch „Über die göttliche Vorsehung“

Mein gütiger Herr, richte deine Augen gnädig auf dieses Volk und auf den mystischen Leib deiner Kirche. Denn größere Ehre wir deinem Namen zuteil, wenn du Nachsicht übst mit einer so großen Zahl deiner Geschöpfe als wenn du nur mir Gnade erweist die ich sooft deinen Herrlichkeit beleidigt habe. Wie könnte ich mich trösten lassen, wenn ich das Leben genösse, dein Volk aber im Tode wäre? Wenn ich an deiner liebenswerten Braut die Finsternis der Sünde sehen müsste, die von meinem eigenen Versagen und dem deiner Geschöpfe herrührt?

Ich will und erbitte daher als besondere Gnade, was die unerforschliche Liebe wollte, als sie dich bewog, den Menschen nach deinem Bild und Gleichnis zu erschaffen. Wer oder was war die Ursache, dass du dem Menschen eine solche Würde schenktest? Gewiss allein die unschätzbare Liebe, mit der du dir selbst dein Geschöpf anschautest, zu dem du in Liebe eingefangen wurdest. Doch ich erkenne deutlich, dass der Mensch durch die Sünde mit Recht die Würde verlor, die du ihm geschenkt hattest.

Durch die gleiche Liebe bewogen, wolltest du das Menschengeschlecht in Gnaden wieder mit dir versöhnen. Darum gabst du uns das Wort deines einzigen Sohnes. Er war wirklich der Mittler zwischen uns und dir, er war unsere Gerechtigkeit, er hat an sich all unsere Sünden und Vergehen getragen und sie bestraft kraft den Gehorsams, den du, ewiger Vater, ihm auferlegtest, als du seine Menschwerdung verfügtest. O Abgrund unerforschlicher Liebe! Welches Herz könnte so hart sein, dass es ungerührt bliebe und nicht verwundet würde, wenn es sieht, wie eine solche Erhabenheit in eine solche Niedrigkeit hinabgestiegen ist, wie siie unser Menschsein bedeutete?

Wir sind dein Bild, und du bist unser Bild, infolge der Vereinigung, die du mit den Menschen eingingst, als du deine ewige Gottheit eingehüllt hast in das schwache, der Sünde verfallene Fleisch Adams. Warum hast du das getan? Der einzige Grund war deine unsagbare Liebe. Bei dieser unerforschlichen Liebe beschwöre ich deine göttliche Herrlichkeit mit allen Kräften meiner Seele: Erbarme dich deiner erbarmungswürdigen Geschöpfe.
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Donnerstag, 19. September 2013, 18:14

Petrus Kanisius (+ 1597)
Aus einer Rede über die Aufgaben der Hirten der Kirche

Lieben und verehren will ich die von Christus gesandten Apostel und ihre Nachfolger, die so eifrig den Samen des Evangeliums ausstreuen und so unermüdlich mitarbeiten an der Ausbreitung des Wortes Gottes; sie können mit Recht bezeugen: Jeder erachte uns als Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Als treubesorgter Hausvater wollte der Herr, dass durch solche Diener und Boten das Licht des Evangeliums an dem Feuer, das er vom Himmel gebracht hatte, entzündet werde, dass es nicht unter den Scheffel gestellt, sondern auf den Leuchter erhoben werde und so seinen Schein überallhin werfe und aller Finsternis und allem Irrtum bei Juden und Heiden ein Ende mache.

Denn für einen Lehrer des Evangeliums genügt es nicht, wenn er durch sein Wort beim Volke Licht verbreitet, wenn er wie eine Stimme in der Wüste ist, wenn er durch sei Worte andere in der Frömmigkeit zu fördern sucht – auch das muss er tun, andernfalls, wenn er den Dienst des Wortes vernachlässigte, würde er vom>Propheten ein stummer Hund genannt, der nicht bellen kann (vgl. Jes 56,10), sondern er muss auch glühen vor Eifer, muss von Tatendrang und Liebe beseelt sein, damit er seinem Apostelamt Ehre macht und Paulus als seinem Vorbild folgt. Dieser war nicht damit zufrieden, dem Bischof von Ephesus, die Weisung zu geben: Das musst du fordern und lehren! Arbeite wie ein guter Streiter Jesu Christi! (vgl. 2 Tm 2,3) Er hat auch ständig bei Freund und Feind das Evangelium verkündet: er konnte zu den Leuten in Ephesus mit guten Gewissen sagen: alles habe ich euch verkündigt, öffentlich und in den Häusern; vor Juden und Heiden habe ich die Bekehrung zu Gott und den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus feierlich bezeugt (vgl. : Apg 20,20.21)

Ein Hirt der Kirche muss nämlich so sein, dass er wie Paulus allen alles wird, dass der Kranke bei ihm Genesung findet, der Betrübte Freude, der Verzweifelnde Vertrauen, der Unerfahrene Belehrung, der Schwankende Klarheit, der Reuevolle Vergebung und Trost, kurz, ein jeder das, was ihm zum Heile notwendig ist. Darum ist es sehr sinnvoll, dass Christus, als er die ersten Lehrer der Welt und der Kirche bestellte, zu seinen Jüngern nicht bloß sagte: Ihr seid das Licht der Welt, sondern auch hinzufügte: Eine Stadt, die auf dem Berge liegt, kann nicht verborgen bleiben, auch zündet man kein Licht an und stellt es unter den Scheffel, vielmehr stellt man es auf den Leuchter; dass es allen, die im Hause sind, leuchte (vgl. Mt 5,14.15) Denn die Prediger täuschen sich, wenn sie meinen, sie könnten ihrer Aufgabe mehr durch einen glänzenden Vortrag als durch ein tadelloses Leben und durch glühende Liebe Genüge leisten.

Kommentar
Wenn ich hier so lese, wie ein Hirte nach der Meinung des Petrus Kanisius sein sollte, stellen sich mir meine „restlichen Haare auf“, denn diesen Anforderungen kommt nur der kleinere Teil der Bischöfe, Priester und Diakone, also alle, die nach Lumen gentium zur Seelsorge berufen sind, nach. Der größere Teil verkürzt und verfälscht sowohl die Offenbarung als auch die Lehre und Tradition der Kirche, indem sie zeitgeistiges von sich geben und eher die „Abweichler“ vom wahren, reinen und gesunden Glauben (1 Tim, 2 Tim, Tit) und die „Reformforderer“ goutieren und die lehramtstreuen Gläubigen bewusst vor den Kopf stoßen, dass diese sich vor den Kopf gestoßen fühlen, wie auf katholischen Diskussionsplattformen ersichtlich ist, und manche sogar den Austritt aus der Kirche in Erwägung ziehen und zu den Pius-Brüdern abdriften wollen.
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Mittwoch, 25. September 2013, 17:21

Bernhard von Clairvaux (+ 1153)
Aus einer Homilie zur Ehren der Jungfrau Maria

Nur eine Geburt aus der Jungfrau war für Gott angemessen: nur aus einer Jungfrau durfte er geboren werden, und nur eine solche Mutterschaft war für die Jungfrau angemessen: sie nur durfte Gott gebären. Als daher der Schöpfer des Menschen von einem Menschen als Mensch geboren werden sollte, musste er sich eine Mutter erwählen, ja erschaffen, von der er wusste, dass sie ihm zukam und ihm im voraus gefiel. Er wollte also dass es eine Jungfrau wäre ohne Makel, aus welcher Christus, der alle Makel tilgen sollte, hervorginge.

Er wünschte auch eine demütige Mutter. Denn aus ihr sollte hervorgehen, der mild und demütig ist und an seiner Person das Beispiel zu geben gedacht, dass allen zum Heil notwendig ist. Er gab also der Jungfrau die Gnade, dass sie Mutter werden durfte, nachdem er ihr schon vorher den Willen zur Jungfräulichkeit eingegeben und den Vorzug der Demut gewährt hatte.

Wie hätte sonst der Engel verkünden können, sie sei voll der Gnade, wenn sie ohne die Gnade irgend etwas Guten gehabt hätte, wäre es auch noch so geringgewesen Sie sollte den Heiligen der Heiligen empfangen und zur Welt bringen; darum musste ihr Leib heilig sein. So erhielt sie die Gnade der Jungfräulichkeit. Um auch im Geist jungfräulich zu sein, wurde ihre das Geschenke der Demut zuteil.

Mit diesen Perlen wurde die königliche Jungfrau geziert und erglänzte im doppelten Schmuck: des Geistes und des Leibes. Mit ihrer Anmut und Schönheit wurde sie im Himmel bekannt, lenkte den Blick der Himmelsbürger auf sich; auch das Herz des Königs zog sie an, so dass er nach ihr verlangte (vgl. Ps 45,3.13). Diese Schönheit bewirkte, dass der Bote des Himmels zu ihr auf die Erde kam. Es heißt: „Der Engel wurde zu einer Jungfrau gesandt.“ ((Lk 1,26) Sie war Jungfrau nach Leib und Geist und gemäß ihrem Bekenntnis; eine Jungfrau, wie sie der Apostel beschreibt, heilig an Leib und Geist (vgl. 1 Kor 7,34). Sie war es nicht erst jetzt und von ungefähr. Sie war vor Ewigkeit erwählt, vom Höchsten vorauserkannt und für sich bereitet, von den Engeln behütet, von den Vätern vorausverkündet von den Propheten verheißen..
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Mittwoch, 25. September 2013, 18:10

Niklaus von Flüe (+ 1487)
Aus einem Dankbrief von Bruder Klaus an die Ratsherrn von Bern

Der Name Jesu sei Euer Gruß, und wir wünschen Euch viel Gutes, und der Heilige Geist sei Euer letzter Lohn. Ich danke euch aufrichtig und innig für die freundliche Gabe, denn ich erkenne dadurch Eure väterliche Liebe, die mich weit mehr erfreute als die Gabe selbst. Ihr sollt wissen, dass sich sehr zufrieden bin Und wäre die Gabe noch um die Hälfte kleiner, so wäre ich sehr wohl zufrieden; und wenn es mir möglich wäre, Eure Liebe gegen Gott und die Welt zu vergelten, so wäre ich mit gutem Willen bereit, es zu tun. Der Bote, dem Ihr es aufgetragen habt, hat es mir überbracht, lasst ihn euch empfohlen sein.

Aus Liebe schreibe ich Euch noch mehr Gehorsam ist die größte Ehre, die es im Himmel und auf Erden gibt, weshalb Ihr trachten müsst, einander gehorsam zu sein, und Weisheit ist das allerliebste, denn sie fängt alle Dinge am besten an. Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede, und Friede mag nicht zerstört werden, Unfriede aber wird zerstört. Darum sollt Ihr schauen, dass Ihr auf Frieden stellet, Witwen und Waisen beschirmt, wie ihr es getan habt.

Und wessen Glück sich hienieden mehret, der soll Gott dafür dankbar sein, so wird es sich auch im Himmel mehren. Denn offenen Sünden soll man wehren und der Gerechtigkeit allwegs beistehen. Ihr sollt auch das Leiden Gottes in Eurem Herzen tragen, denn es ist des Menschen größter Trost an seinem letzten Ende Mancher Mensch ist zweifelhaftig in seinem Glauben und der Teufel tut manchen Angriff im Glauben und allermeist durch den Glauben. Wir sollen aber darin nicht zweifelhaft sein, denn er ist so, wie er gesetzt ist. Und ich schreibe Euch dies, nicht weil ich etwa glaube, dass Ihr nicht recht glaubt, ich zweifle nicht daran, dass ihr gute Christen seid, ich schreibe es Euch zu einer Ermahnung, dass Ihr, wenn der böse Feind Euch anficht, desto ritterlicher widersteht. Ich schließe, Gott sei mit euch. Gegeben am Sankt –Barbara-Tag im 82. Jahr

Kommentar
„Friede ist allweg in Gott, denn Gott ist der Friede, und Friede mag nicht zerstört werden, Unfriede aber wird zerstört“, so Bruder Klaus und diese Worte gelten heute genauso wie damals. Wer also zeitgeistige Forderungen stellt, die gegen Offenbarung und Lehre der Kirche stehen, der stiftet Unfrieden in der Kirche und zerstört deren Einheit. Und es gibt nur einen, der den Frieden und die Einheit zerstören will, jener, den auch der Bruder Klaus erwähnt und mit Namen nennt, nämlich der Teufel.
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Freitag, 27. September 2013, 15:53

Vinzenz von Paul (+ 1660)
Aus einem Brief über die Liebe zu den Armen

Wir dürfen die Armen nicht danach beurteilen, wie sie gekleidet und äußerlich gepflegt sind, auch nicht nach ihren Geistesgaben. Wenn ihr die Armen im Licht des Glaubens anseht, dann werdet ihr erkennen, dass sie den Sohn Gottes vertreten, der die Armut erwählt hat. Als er litt, hat er fast das Aussehen eines Menschen verloren und wurden den Heiden ein Tor, den Juden ein Ärgernis (vgl. 1 Kor 1,23). Aber dadurch erwies er sich als der Evangelist für die Armen: „Er hat mich gesandt, den Armen die frohe Botschaft zu bringen.“ (vgl. Lk 4,18 ) Das sollen auch wir im Herzen spüren und das Tun Christi nachahmen: für die Armen sorgen, sie trösten, unterstützen und empfehlen,.

Christus wollte arm geboren werden, sammelte Arme als Jünger um sich und wurde selbst der Diener der Armen. Er machte ihr Los so sehr zu seinem eigenen, dass er sagen konnte, alles Gute oder Böse, das einer den Armen erweise, das erweise er ihm selbst.

Weil Gott den Armen liebt, liebt er auch alle Menschen, die den Armen lieben. Denn wenn einer jemand liebhat, dann umfasst er in Liebe auch alle, die jenem Freundschaft entgegenbringen und dienen.

Darum hoffen auch wir, dass Gott uns wegen der Armen liebt. Wir wollen sie darum besuchen und uns der Schwachen und Armen annehmen (vgl. Ps 41,2 – Vg), und zwar mit einem so herzlichen Mitleid, dass wir das Gefühl des Apostels teilen können: „Allen bin ich alles geworden.“ (1 Kor 9,22) Wir wollen danach streben, dass wir, im Herzen von der Sorge und dem Elend der Mitmenschen bewegt, Gott um das Gefühl des Mitleids und Erbarmens bitten: er möge unser Herz damit erfüllen und, wenn es erfüllt ist, darin bewahren.

Der Dienst an den Armen ist allem andern vorzuziehen und ohne Aufschub zu leisten. Braucht ein Armer während der Gebetszeit eine Arznei oder eine Hilfelistung, so geht ruhig zu ihm und bietet Gott dar, was zu tun ist, als wärt ihr beim Beten geblieben, Lasst euch nicht durch Ängstlichkeit des Herzens oder Gewissensbisse beunruhigen, als hättet ihr wegen des Dienstes an den Armen das Gebet versäumt. Denn es ist keine Vernachlässigung Gottes, wenn ihr wegen Gott von Gott weggeht. Ihr habe eine fromme Handlung unterlassen, um eine andere zu leisten.

Wenn ihr daher das Gebet verlasst, um einem Armen zu Diensten zu sein, so denkt daran, dass ihr diesen Dienst Gott erweist. Die Liebe steht höher als irgendwelche Regeln. Auf die Liebe muss alles ausgerichtet sein, Sie ist die große Herrin, und was sie gebietet, haben wir zu tun. So wollen wir denn mit einer neuen Liebe des Herzens den Armen dienen. Lasst uns besonders die ganz Verlassenen aufsuchen; denn sie sind uns als unsere Herren und Meister gegeben
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Samstag, 28. September 2013, 16:54

Rudolf von Fulda (+ 865)
Aus dem Leben der Äbtissin Lioba

Bonifatius gab den Klöstern die Regel, nach der sie ihr Leben ausrichten sollten, und bestellte für sie treue Hüter. Den Mönchen gab er Sturmius zum Abt, für die Jungfrauen bestimmte er die Jungfrau Lioba zur geistlichen Mutter und wies ihr das Kloster Tauberbischofsheim zu, wo eine nicht geringe Anzahl von Dienerinnen Gottes lebte. Diese wurden nach dem Vorbild ihrer heiligen Meisterin Lioba durch das Studium der christlichen Lehre gebildet. Sie machten durch diese Unterweisung solche Fortschritte, dass mehrere von ihnen später selbst Meisterinnen wurden. So kam es, dass es in jenen Gebieten keine oder kaum Frauenklöster gab, die sich nicht um Lehrerinnen aus der Zahl ihrer Schülerinnen bemüht hätten.

Lioba war eine Frau von großen Tugenden und stand so fest zu ihrer einmal übernommenen Lebensaufgabe, dass sie nicht an ihre Heimat und Verwandtschaft dachte, sondern allen Eifer auf das begonnen Werk verwandte. Sie erwies sich untadelig vor Gott und war all ihren Untergebenen ein Vorbild an Heiligkeit in Wort und Tat. Ihr Aussehen war wie das eines Engels, ihr Wort erfreute das Herz, ihr Verstand war klar, ihre Klugheit groß, ihr Glaube katholisch, ihre Hoffnung ausdauernd, ihre Liebe sich selbst verströmend. Niemals hat jemand einen Fluch aus ihrem Mund gehört, niemals ging die Sonne über ihren Zorn unter (vgl. Eph 4,26), Speise und Trank bot sie zwar andren mit größter Zuvorkommenheit an, nahm sie aber für sich nur mit äußerster Mäßigung. Der Schriftlesung oblag sie mit solchem Eifer, dass sie das heilige Buch nicht aus der Hand legte außer bei Beten, Essen und Schlafen, Mit scharfen Verstand studierte sie die Bücher des Alten und Neuen Testamentes und prägte die göttlichen Gebote ihrem Gedächtnis ein. Darüber hinaus fügte sie der reichen Fülle ihres Wissens noch die Sprüche der Kirchenväter, die Beschlüsse der Konzilien und die Bestimmungen der ganzen kirchlichen Rechtsordnung hinzu.

Alles, was sie tat und bestimmte, war reiflich überlegt; bei allem was sie tat, bedachte sie zuvor den Ausgang, um nicht etwas später bereuen zu müssen, was, unüberlegt begonnen nicht vollendet werden konnte.

Da sie sich bewusst war, dass zu eifrigem Beten und fleißigem Lesen geistige Spannkraft nötig ist, pflegte sie im Wachen wie auch im übrigen Tugendstreben immer Maß zu halten.

Besonders sorgfältig pflegte Lioba die Gastfreundschaft: Allen, ohne Unterschiede der Person, öffnete sie ihr Haus und bereitete ihnen, wie eine sorgende Mutter, das Mahl, während sie selbst fastete. Auch wusch sie allen mir eigenen Händen die Füße, um die Anordnung des Herrn dienend zu befolgen.
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Dienstag, 1. Oktober 2013, 17:16

Theresia vom Kinde Jesus (Lisieux) (+ 1897)
Aus ihrer Selbstbiographie

Da ich ein überaus großes Verlangen nach dem Martyrium hatte, nahm ich die Briefe des heiligen Paulus zu Hand, um endlich eine Antwort zu finden. Zufällig fielen meine Augen auf das zwölfte und dreizehnte Kapitel des ersten Korintherbriefes. Im ersteren las ich, dass nicht alle zugleich, Apostel, Propheten und Lehrer sein können, dass die Kirche aus verschiedenartigen Gliedern besteht und dass das Auge nicht zugleich Hand sein kann. Das war eine deutliche Antwort, aber sie konnte mein Verlangen nicht stillen und mir den Frieden nicht bringen,

Ich fuhr fort zu lesen und gab keine Ruhe. Da fand ich eine Stelle, die mir Erleichterung brachte: „Strebt nach den höheren Gnadengaben! Ich zeige euch jetzt noch einen anderen Weg, einen, der alle übersteigt.“ (1 Kor 12,31) Der Apostel gibt zu bedenken, dass die höheren Geistgaben nicht sind ohne die Liebe und dass diese Liebe vorzüglicher ist; denn sie ist der Weg, der sicher zu Gott führt. Nun endlich hatte ich Ruhe gefunden,

Als ich den mystischen Leib der Kirche betrachtete, erkannte ich in keinem der Glieder, die der heilige Paulus beschreibt, mich selbst oder richtiger: in jedem Glied hätte ich mich gern gesehen. Da bot mir die Liebe einen Angelpunkt für meine Berufung., Ich erkannte, dass der Leib der Kirche zwar aus verschiedengearteten Gliedern besteht und dass an diesem Leib kein notwendiges und vornehmes Glied fehlt. Ich sah, dass die Kirche ein Herz hat und dass dieses Herz von Liebe brennt. Ich sah ein, dass die eine Liebe die Glieder der Kirche zur Tätigkeit antreibt, und wenn die Liebe erlischt, kein Apostel mehr das Evangelium verkünden und keine Märtyrer mehr ihr Blut vergießen werden. Ich schaute und erkannte, dass die Liebe alle Berufungen in sich schließt, dass die Liebe alles ist, dass sie alle Zeiten und Orte umfasst, mit einem Wort, dass die Liebe ewig ist.

Da wurde mein Herz trunken von höchster Freude, und ich rief aus; Jesus, meine Liebe, endlich habe ich meine Berufung gefunden: Mein Beruf ist die Liebe! Ja ich habe meinen Platz in der Kirche gefunden. Du hast ihn mir gegeben, mein Gott. Im Herzen der Kirche, meiner Mutter, will ich die Liebe sein, und so werde ich alles sein und meine Sehnsucht wird gestillt.
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Mittwoch, 2. Oktober 2013, 17:04

Bernhard von Clairvaux (+ 1153)
Aus einer Predigt zum Psalm 91 - über die Engel

„Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen,.“ (Ps 91,11) „Sie sollen dem Herrn danken, für seine Huld, für sein wunderbares Tun an den Menschen.“ (vgl. Ps 107,8 ) Sie sollen ihn preisen und unter den Völkern verkünden, dass der Herr an ihnen Großes getan hat ((vgl. Ps 126,2). Herr, was ist der Mensch, dass du auf ihn achtest? Oder warum richtest du deinen Sinn auf ihn? (vgl. Ijob 7,17) Du richtest deinen Sinn auf ihn, du sorgst dich um ihn, und du sorgst für ihn. Zuletzt schickst du ihm deinen Eingeborenen gibst ihm den Heiligen Geist und versprichst ihm dein Angesicht. Damit aber keiner der Himmlischen von der Mühe und Sorge entbunden ist, schickt du unseretwegen die seligen Geister zum Dienst aus (vgl. Hebr 1,14), bestimmst sie zu unserem Schutz und befiehlst ihnen, unsere Erzieher zu sein.

„Er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.“ (Ps 91,11) Welche Ehrfurcht muss dir dieses Wort einflößen, welche Hingabe in dir hervorbringen und welches Vertrauen muss es dir schenken. Ehrfurcht wegen ihrer Anwesenheit, Hingabe wegen ihre Wohlwollens, Vertrauen wegen ihres Schutzes. Sie sind also da, sie sind bei dir, nicht nur mit dir, sondern auch für dich. Sie sind da, um schützen, sind da, um zu helfen. Aber wenn auch Gott sie aufgeboten hat, so dürfen doch wir nicht gegen sie undankbar sein .Denn aus großer Liebe gehorchen sie ihm, und sie kommen uns in dieser großen Not zu Hilfe.

Lasst uns also diesen großen Beschützern ergeben und dankbar sein, ihre Liebe erwidern und sie ehren, soviel wir vermögen, wie es unsere Pflicht gebietet. Unsere ganze Liebe und Verehrung soll jedoch dem gehren, von dem ihnen und uns alles kommt, auch dass wir verehren oder lieben können und Ehre und Liebe empfangen dürfen.

Liebe Brüder, in ihm also wollen wir seine Engel lieben, sie, die einst unsere Miterben sein werden, inzwischen aber vom Vater als unsere Sachwalter, Beschützer und Wegweiser für uns bestimmt sind. Denn schon jetzt sind wir Kinder Gottes (vgl. 1 Joh 3,2), wenn das auch noch nicht sichtbar ist, weil wir noch unmündigen Kinder sind und unter der Vormundschaft stehen, nicht unterschieden von den Sklaven (vgl. Gal 4,1.2)

In übrigen Wenn wir auch noch Kinder sind und noch ein weiter Weg vor uns liegt – er ist nicht nur weit, sondern auch gefährlich -, warum sollten wir uns fürchten, da wir doch so hohe Beschützer haben Niemand kann sie besiegen und verführen – am wenigsten können sie selbst verführen -., die uns auf all unseren Wegen behüten. Sie sind treu, klug und mächtig; warum zittern wir? Wir brauchen ihnen nur zu folgen, ihnen anzuhangen, und wir leben unter dem Schutz Gottes.

Kommentar
Dass es Schutzengel gibt, das weiß jeder Gläubige, der schuldlos einen schweren Verkehrsunfall oder sogar mehrere hatte und dabei entweder überlebt hatte oder sogar unverletzt geblieben ist.
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Freitag, 4. Oktober 2013, 18:04

Franz von Assisi (+ 1226)
Aus einem Brief an alle Gläubigen

Der höchste Vater verkündigte durch den Erzengel Gabriel der seligen, glorreichen Jungfrau Maria das erhabene, heilige und herrliche Wort des Vaters werde vom Himmel kommen. Aus dem Schoß der Jungfrau Maria hat es wirklich einen menschlichen Leib angenommen, der gebrechlich war wie der unsere. Obwohl überreich, zog er es vor, mit seiner seligen Mutter arm zu sein. Kurz vor seinem Leiden feierte er mit seinen Jüngern das Ostermahl. Dann betete er zum Vater: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber.“ (Mt 26,39)

Aber er übergab seinen Willen dem Willen des Vaters. Der Wille des Vaters aber war es, dass sein gesegneter und herrlicher Sohn, den er uns gab und der für uns geboren wurde, sich selbst durch sein eigenes Blut am Altar des Kreuzes als Opfer und Gabe darbrachte (vgl. Hebr 9,14), nicht für sich selbst, denn durch ihn ist alles geworden (vgl. Joh 1,3), sondern für unsere Sünden, um uns ein Beispiel zu geben, damit seinen Spuren folgen (vgl. 1 Petr 2,21), den Spuren dessen, der will, dass wir alle durch ihn gerettet werden und ihn mit reinem Herzen und keuschen Leib aufnehmen.

Wie glücklich und gesegnet sind alle, die den Herrn lieben und tun, wie der Herr im Evangelium sagt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele und deinen Nächsten wie dich selbst,.“ (Mt 22,37.39) Lasst uns also Gott lieben und ihn mit reinem Herzen und reinem Geist anbeten; denn das verlangt er mehr als alles und sagt: „Die wahren Beter beten den Vater im Geist und in der Wahrheit an.“ (Joh 34,23) Alle, die ihn anbeten, müssen ihn im Geist der Wahrheit anbeten. Lasst uns Tag und Nacht Lob und Gebet an ihn richten und sprechen: „Vater im Himmel“; denn so sollen wir allezeit beten und darin nicht nachlassen (vgl. Lk 18,1).

Darüber hinaus lasst uns Frucht hervorbringen, die unsere Umkehr zeigt (vgl. Mt 3,8 ). Wir wollen unseren Nächsten leiben wie uns selbst, Liebe und Demut hegen und Almosen geben, denn sie reinigen unsere Seele vom Schmutz der Sünde (vgl. Tob 12,9). Alles, was die Menschen in dieser Welt zurücklassen, verlieren sie. Doch den Lohn für die Liebe und die Almosen, die sie gegeben haben, nehmen sie mit sich. Für sie werden sie vom Herrn Ehre und gerechte Vergeltung empfangen.

In irdischen Sinn sollen wir nicht weise und klug sein, sondern einfältig, demütig und rein. Niemals sollen wir danach verlangen, über anderen zu stehen; lieber wollen wir um Gottes willen Knechte und Untergebene aller Menschen sein. Über allen, die so handeln, und darin beharrlich sind, wird der Heilige Geist ruhen. Sie werden Kinder des Vaters im Himmel sein, dessen Werke sie tun. Sie sind Bräutigam, Bruder und Mutter unseres Herrn Jesus Christus (vgl. Mt 12,50).
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