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Texte der Heiligen

Antworten im Thema: 130 » Der letzte Beitrag (25. Juni 2015, 16:25) ist von diaconus.

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Mittwoch, 24. April 2013, 16:56

Benedikt XIV. (+ 1758 )
Aus einer Lobrede auf den heiligen Fidelis von Sigmaringen

Der heilige Fidelis wandte seine Liebe allen Menschen zu, die in Not und Unglück waren. Zahlreiche Arme unterstützte er durch die Almosen, die er überall für sie sammelte. Witwen und Waisen half er in ihrer Verlassenheit, indem er ihnen den Beistand der Mächtigen und der Fürsten vermittelte. Den Gefangenen kam er mit geistlichem und leiblichem Trost zu Hilfe. Die Kranken besuchte er, verschaffte ihnen Linderung, versöhnte sie mit Gott und rüstete sie aus für den letzten Kampf.

Zu keiner anderen Zeit hat er reichere Verdienste geerntet wie damals, als ein österreichisches Herr in Graubünden Stützpunkte besetzt hielt und, von einer ein Epidemie fast aufgerieben, von Entkräftung und Tod elend verzehrt wurde.

Zugleich mit dieser Liebestätigkeit machte er auch durch Eifer in der Verteidigung des katholischen Glaubens seinen Namen, Fidelis, das heißt der Glaubenstreue, wahr. Unverdrossen predigte er den Glauben, und wenige Tage, bevor er ihn mit seinem Blut bezeugte, hinterließ in seiner letzten Ansprache diese Worte gleichsam als Testament:

„Katholischer Glaube, wie unerschütterlich und fest bist du, wie tief verwurzelt, auf einen festen Felsen gebaut (vgl. Mt 7,25)! Himmel und Erde vergehen, du aber kannst niemals vergehen. Die ganze Welt hat dir von Anfang an widersprochen, aber du warst nächtiger und hast über alle triumphiert. ‚Der Sieg, der die Welt besiegt hat, ist unser Glaube.‘ (1 Joh 5,4). Er hat die mächtigen Könige der Herrschaft Christi unterworfen, er hat die Völker für den Gehorsam gegen Christus gewonnen.

Was gab den Aposteln und Märtyrern die Kraft, harte Kämpfe und bittere Strafen auf sich zu nehmen, wenn nicht der Glaube, besonders der an die Auferstehung? Was bewog die Einsiedler, die Freuden geringzuschätzen, Ehren zu verachten, Reichtum mit Füßen zu treten und in der Einöde ein eheloses Leben zu führen, wenn nicht der lebendige Glaube?

Was veranlasst heutzutage wahre Christen, auf Bequemlichkeiten zu verzichten, Annehmlichkeiten aufzugeben, Hartes auf sich zu nehmen und Mühen zu ertragen?

Der lebendige Glaube, der in der Liebe wirksam ist (Gal 5,6), gibt die Kraft, die Güter der Gegenwart aufzugeben in der Hoffnung auf die Güter der Zukunft und die gegenwärtigen gegen die künftigen einzutauschen.“
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Samstag, 27. April 2013, 16:52

Petrus Kanisius (Canisius) (+ 1597)
Aus einem Gebet – Geborgen beim Herzen Jesu

Bevor der heilige Petrus Kanisius, nachdem er von Papst Paul III. den Segen empfangen hatte, sich auf den Weg nach Deutschland machte, dessen zweiter Apostel er genannt wird, widerfuhr ihm ein tiefes Erlebnis. Er beschreibt es folgendermaßen:

„Ewiger Hoherpriester, in deiner unendlichen Güte hat es dir gefallen, dass ich den Erfolg und die Bestätigung dieses apostolischen Segens inständig den Aposteln empfahl, die man im Vatikan besucht und die dort ihre Wunder wirken. Dort erfuhr ich deinen Trost und die Gegenwart deiner Gnade, die mir zuteil wurde durch so hohe Fürsprecher. Auch sie gaben mir den Segen und bestätigten die Sendung nach Deutschland, und sie schienen mir wie einem Apostel Deutschlands ihr Wohlwollen zu schenken. Du weißt, Herr, wie sehr und wie tief du mir an diesem Tag Deutschland anvertraut hast, wohin ich aufbreche und für das ich zu leben und zu sterben wünschen sollte.

Schließlich sah ich vor mir das geöffnete Herz deines heiligen Leibes, und du botest mir an, aus ihm zu trinken. Du mein Heiland, du ludest mich ein, Wasser des Heils zu schöpfen aus deinen Quellen (vgl. Jes 12,3). Ich verspürte den großen Wunsch, dass von dort aus Fluten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe in mich einströmten. Ich dürstete nach Armut, Keuschheit und Gehorsam. Ich bat dich mich zu waschen, zu kleiden und auszustatten. Als ich dann wagte, dein liebesvolles Herz zu berühren, und meinen Durst aus ihm zu stillen, da versprachst du mir ein Gewand, aus drei Teilen gewebt, geeignet, die Nacktheit meiner Seele zu bedecken. Diese drei Teile des Gewandes bezogen sich ganz und gar auf meine Aufgabe: Es waren der Friede, die Liebe und die Ausdauer. Angetan mit diesem Gewand des Heils, hatte ich die Zuversicht, mir werde nichts fehlen, sondern mir werde alles gelingen zu deiner Ehre.“
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23

Sonntag, 28. April 2013, 17:26

Aus einer Lobrede auf den heiligen Peter Chanel

Nachdem sich Peter Chanel in der Gesellschaft Mariä dem Ordensleben zugewandt hatte, wurde er sofort in die ozeanische Mission entsandt zur Insel Futuna im Pazifischen Ozean, wo der Name Christi noch nicht verkündigt worden war. Ein Laienbruder, der immer sein Assistent war, erzählt von dem Leben des Heiligen in dere Mission:

„Bei der Tätigkeit brannte ihn die Sonnenhitze. Oft wurde er von Hunger gequält, und wenn er nach Hause kam, war er in Schweiß gebadet und von Ermüdung erschöpft. Doch immer war er starkmütig, lebensvoll und froh, als komme er von einem Vergnügungsplatz. So war es nicht nur einmal, sondern fast jeden Tag.

Er pflegte den Leuten von Futuna nichts abzuschlagen, nicht einmal denen, die ihn verfolgten. Er hatte stets eine Entschuldigung für sie und wies sie nie ab, auch wenn sie noch so lästig wurden. Er besaß eine beispiellose Freundlichkeit gegen alle, ganz ohne Ausnahme.“

Kein Wunder, dass Peter Chanel von den Insulanern, „der Mann mit dem guten Herzen“ genannt wurde. Er sagte einmal einem Mitbruder: „In einer so schwierigen Mission müssen wir Heilige sein.“ Nach und nach begann er Christus und das Evangelium zu verkündigen, hatte aber nur wenig Erfolg. Dennoch setzte der standhaft sein menschliches und religiöses Missionswerk fort. Er vertraute auf Wort und Beispiel Christi: „Einer sät, und ein anderer erntet“ (Joh 4,17) und er betete unablässig um die Hilfe der Gottesmutter, die er inständig verehrte.

Seine Predigt des christlichen Glaubens zerstörte den Kult der bösen Geister, dem die Stammeshäupter von Futuna huldigten, um das Volk unter ihrer Herrschaft zu halten … Darum töteten sie ihn grausam in der Hoffnung, durch den Tod von Peter Chanel werde der von ihm ausgestreute Same des Christentums vernichtet werden.

Aber am Tag vor seinem Zeugentod hatte Peter Chanel gesagt: Es macht nichts, wenn ich sterbe. Der Glaube an Christus haftet so fest am Boden dieser Insel, dass er durch meinen Tod nicht weggenommen werden kann.“

Das Blut des Märtyrers wurde zuerst für die Bewohner von Futuna fruchtbar, die nach wenigen Jahren alle den Glauben annahmen. Es nützte dann aber auch den übrigen ozeanischen Inseln, auf denen jetzt blühende christliche Kirchen bestehen, die in Peter Chanel ihren ersten Märtyrer verehren.
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24

Montag, 29. April 2013, 16:48

Katharina von Siena (+ 1380)
Aus dem Dialog über die göttliche Vorsehung

O ewige Gottheit, o ewige Dreieinigkeit! Du hast bewirkt, dass das Blut deines einzigen Sohnes durch die Vereinigung mit der göttlichen Natur ein so wertvoller Preis ist! Du, ewige Dreifaltigkeit, bist ein tiefes Meer, in dem ich immer Neues entdecke, je länger ich suche. Und je mehr ich finde, desto mehr suche ich dich. Gleichsam auf unersättliche Weise sättigst du die Seele,; denn in deinem Abgrund sättigst du die Seele so, dass sie doch immer noch hungrig bleibt, nach dir, ewige Dreifaltigkeit, verlangt und sich danach sehnt, dich, das Licht, in deinem Licht zu schauen (vgl. Ps 36,10)

Ich kostete und schaute mit dem Licht der Vernunft in deinem Licht deinen Abgrund, ewige Dreifaltigkeit, und die Schönheit deiner Schöpfung. Darum hüllte ich mich ein in dich wie in ein Gewand und sah, dass ich dein Bild sein werde. Denn, ewiger Vater, du schenkst mir von deiner Macht und von deiner Weisheit, von der Weisheit, die deinem Eingeborenen eigen ist, und der Heilige Geist, der von dir, dem Vater, und von deinem Sohne ausgeht, hat mir die Willenskraft verliehen, durch die er mich fähig macht zu lieben. Du, ewige Dreifaltigkeit, bis der Schöpfer, ich bin das Geschöpf. Durch das Blut deines eingeborenen Sohnes hast du mich neu geschaffen: daran erkenne ich, von dir erleuchtet, dass du von der Schönheit deines Geschöpfes ergriffen bist.

O Abgrund, o ewige Dreifaltigkeit, o Gottheit, o tiefes Meer! Was konntest du mir Größeres geben als dich selbst! Du bist das ewig brennende Feuer, das sich nie aufzehrt, doch mit seiner Glut alle Eigenliebe der Seele verzehrt. Du bist das Feuer, das alle Kälte wegnimmt und mit seinem Licht die Geister erleuchtet, mit dem Licht, in dem du mir deine Wahrheit zu erkennen gabst.

Im Spiegel dieses Lichtes erkenne ich dich, das höchste Gut, das Gute über allem Guten, das selige Gute, das unermessliche Gute, das unschätzbare Gute; die Schönheit über aller Schönheit, die Weisheit, größer als jegliche Weisheit. Du Speise der Engel, du, der sich den Menschen schenkt im Feuer der Liebe.

Du bist das Gewand, das meine Nacktheit bedeckt; da wir hungern, gibst du uns die Speise deiner Süße; den süß bist du ohne alle Bitterkeit. O ewige Dreifaltigkeit!
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Samstag, 4. Mai 2013, 17:41

Isaak von Stella (+ um 1169)
Aus einer Predigt über den Erstgeborenen

Wie der Leib und das Haupt eines Menschen der eine Mensch sind, so sind der Sohn der Jungfrau und seine erwählten Glieder der eine Mensch und der eine Menschensohn. So ist es die Lehre der Heiligen Schrift: Sie sind der ganze und volle Christus, Haupt und Leib (vgl. Röm 12,5) Alle Glieder zugleich sind der eine Leib, der mit seinem Haupt der eine Menschensohn ist. Dieser ist mit dem Sohn Gottes zusammen der eine Gottessohn, und dieser zusammen mit Gott der eine Gott.

So ist also auch der ganze Leib mit dem Haupt Menschensohn und Gottessohn und Gott. Daher kommt auch das Wort: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21)

Nach dem bedeutsamen, in der Schrift zu belegenden Verständnis ist also der Leib nicht ohne das Haupt und das Haupt nicht ohne den Leib, und Haupt und Leib sind nicht ohne Gott der ganze Christus.

Daher ist das alles mit Gott der eine Gott. Doch ist der Sohn Gottes mit Gott wesenhaft eins, mit dem Menschensohn der Person nach und sakramental mit ihm sein mystischer Leib.

Die gläubigen und geistbegabten Glieder können demnach von sich selbst sagen, dass sie das sind, was auch er ist: Sohn Gottes und Gott. Was er wesenhaft ist, das sind die Glieder nur durch die Gemeinschaft mit ihm. Was er in Vollendung ist, sind sie nur durch Teilhabe. Was schließlich der Sohn Gottes durch Zeugung ist, das sind sie durch Annahme an Kindes Statt, wie geschrieben steht: „Ihr haben den Geist empfangen, der such zu Söhnen macht, den Geist in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,15).

In diesem Geist „gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12), damit sie, von ihm, dem Erstgeborenen von vielen Brüdern (vgl. Röm 8,29), auserwählt, zu sprechen lernen: „Vater unser im Himmel!“ und „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.“ (Joh 20,17)

In dem Geist, durch den der Menschensohn, unser Haupt, aus dem Schoß der Jungfrau geboren wurde, werden wir, aus dem Wasser wiedergeboren als Kinder Gotte, sein Leib; und wie er ohne jede Sünde war, so werden wir wiedergeboren zur Vergebung aller Sünden.

Gerecht in sich selbst, rechtfertigt Christus sich selbst. Er ist allein der Retter und allein der Gerettete. In seinem Leib ertrug er am Kreuz, was er seinem mystischen Leib durch das Wasser der Taufe weggenommen hat: nämlich die Strafe. Durch das Holz und das Wasser wurde er der Retter, als Lamm Gottes hat er die Sünden der Welt getragen und weggenommen (vgl. Joh 1,20): Er ist Priester, Opfergabe und Gott. Er bringt seine eigene Person, sich selbst dar. Er versöhnt sich selbst durch sich selbst mit sich selbst wie auch mit dem Vater und dem Heiligen Geist.
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26

Samstag, 18. Mai 2013, 17:01

Johannes von Avila (+ 1569)
Aus einem Brief an seine Freunde
„Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden Wie ums nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil.“ (2 Kor 1,3-5)

Das sind Worte des heiligen Paulus. Dreimal wurde er ausgepeitscht, einmal gesteinigt und liegen gelassen, als wäre er tot (vgl. 2 Kor 11). Von allen möglichen Leuten wurde er verfolgt mit allen Martern und Mühsalen gepeinigt, nicht ein- oder zweimal, sondern, wie er anderswo sagt: „Immer werden wir, obgleich wir leben , um Jesu willen dem Tod ausgeliefert, damit auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleisch offenbar wird.“ (2 Kor 4,11)

In all diesen Nöten murrte er nicht und beklagte sich nicht über Gott, wie es die Schwachen zu tun pflegen. Er ließ sich auch nicht betrüben wie die Menschen, die ihre eigene Ehre und Lust lieben. Er flehte nicht zu Gott, von der Not befreit zu werden, wie jene, welche die Not nicht kennen und darum nichts mit ihr zu tun haben wollen. Er verharmlost sie auch nicht, wie es die tun, die sie geringschätzen.. Er weist alles Scheinwissen und alle Schwäche von sich. Er preist Gott in der Not und dankt ihm, der sie schickt dafür, wie für einen großen Lohn. Er schätzt sich glücklich, wen er etwas für die Ehre Christi leiden darf, der so viel Schmach erduldet hat, um uns von der der Schmach zu befreien, der wir durch unserer Sünde verhaftet waren, der uns verherrlicht und ausgezeichnet hat durch seinen Geist und die Annahme an Kindes Statt. In ihm und durch ihn gab er uns Angeld und Siegel deshimmlischen Glückes.

Wenn ihr also an jenen Festen Freude habt, wenn ihr sie sehen und genießen wollt, dann sollt ihr wissen, dass es keinen besseren Weg gibt als den des Leidens. Das ist der Weg, den Christus und all die Seinen gegangen sind. Er nennt ihn schmal, aber dieser Weg führte gerade zum Leben. Und so lehrte er: Wenn wir zu ihm gelangen wollen, dann müssen wir denselben Weg gehen wie er. Wenn der Sohn Gottes den Weg der Schmach geht, dann ist es nicht recht, wenn Menschen den Weg der Ehre suchen. „Ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn.“ (Mt 10,14)

Gebe Gott, dass unser Geist nirgends Ruhe finde und keine andere Speise in dieser Welt suche als in der Mühsal, die zum Kreuz Christi hinführt.
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27

Montag, 20. Mai 2013, 18:31

Bernhardin von Siena (+ 1444)
Aus einer Predigt über den Namen Jesu

Der Name Jesu ist der Glanz der Prediger, weil er das Verkündigen und das Hören des Gotteswortes zum hellen Leuchten bringt. Woher, meinst du, kommt auf dem ganzen Erdkreis so schnell und glühend das Licht des Glaubens, wenn nicht dadurch, dass Jesus verkündigt wird? (vgl. 1 Kor 2,2) Hat Gott uns nicht durch das Licht und die Lieblichkeit dieses Namens „in sein wunderbares Licht gerufen“ (1 Petr 2,9)? Wir sind erleuchtet, wir schauen das Licht in seinem Licht (vgl. Ps 36,10). Dazu sagt uns der Apostel mit Recht: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichtes!“ (Eph 5,8 )

Daher muss dieser Name verkündet werden, damit er leuchtet und nicht verschwiegen wird. Aber auch in der Predigt darf der Name nicht mit einem unreinen Herzen und einem befleckten Mund ausgesprochen werden. Er muss in einem erlesenen Gefäß aufbewahrt und aus ihm heraus verkündet werden.

Darum sagt der Herr vom Apostel: Dieser Mann ist mir ein erlesenes Gefäß, damit er meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels trägt (vgl. Apg 9,15). Ein mir erlesenes Gefäß, sagt er, in dem eine kostbare Flüssigkeit zum Kauf angeboten wird. Sie reizt zum Trinken, da sie in auserwählten Gefäßen glänzt und leuchtet: „damit es meinem Namen trägt“ (vgl. Apg 9,15), wie Gott sagt.

Wie nach dem Abernten der Äcker die trockenen und nutzlosen Dornsträucher angezündet und im Feuer verbrannt werden und wie beim Aufgehen der Sonnenstrahlen die Finsternis vertrieben wird und die Diebe, die nächtlichen Streuner und Einbrecher sich verstecken, so war es, als Paulus den Völkern predigte: ein lautes Donnern, ein Blitzen, heller als Feuer, heller als die aufgehende Sonne. Der Unglaube wurde verzehrt, die Falschheit verging, die Wahrheit leuchtete auf: wie bei einer Wachskerze, die sich beim Brand der Flamme verflüssigt.

Paulus verbreitete nämlich überall den Namen Jesus in Worten und Briefen, durch seine Wunder und sein Beispiel. Er lobte den Namen Jesus beharrlich, er lobte ihn in Danksagung (vgl. Sir 51,15 - Vg).

Diesen Namen trug der Apostel „vor Völker und Könige und die Söhne Israels“ (vgl. Apg 9,15) wie ein Licht. Er erleuchtete damit die Völker und rief überall: „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! Lasst uns ehrenhaft leben wie am Tage, ohne maßloses Essen und Trinken, ohne Unzucht und Ausschweifung, ohne Streit und Eifersucht.“ (Röm 13,12-13). Er zeigte allen die brennende und strahlende Lampe auf dem Leuchter (vgl. Mk 4,27) und verkündigte überall „Jesus Christus, und zwar als de Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2).

Darum jubelt die Kirche, seine Braut, immer auf sein Zeugnis gestützt, mit dem Propheten: „Gott, du hast mich gelehrt von Jugend auf, und noch heute verkündige ich dein wunderbares Walten.“ (Ps 71,17) ‚Noch heute‘ das heißt: immer. Der Prophet ermuntert auch: „Singt dem Herr und preist seinen Namen, verkündet senn Heil von Tag zu Tag!“ (Ps 96,2): Jesus, unsern Erlöser!
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Montag, 27. Mai 2013, 16:55

Gregor VII. (+ 1085)
Aus einem Brief

Wir bitten und beschwören euch im Herrn Jesus, der uns durch seinen Tod erlöst hat, sorgfältig zu prüfen und zu verstehen, warum und wie wir die Trübsal und Not erleiden, die uns von den Feinden der christlichen Religion zugefügt werden

Seitdem die Mutter Kirche mich Unwürdigen wider meinen Willen – Gott ist mein Zeuge – durch Gottes Fügung auf den Apostolischen Stuhl erhoben hat, habe ich mich aufs äußerste bemüht, dass die heilige Kirche, die Braut Gottes, unsere Herrin und Mutter, zu der ihr eigenen Schönheit zurückfinde und frei, keusch und katholisch bleibe. Aber weil das dem alten Feind missfällt, hat er seine Glieder gegen uns bewaffnet, um alles ins Gegenteil zu verkehren. Darum hat er gegen uns oder vielmehr gegen den Apostolischen Stuhl solche Aktivitäten unternommen, wie er es seit der Zeit Kaiser Konstantins des Großen nicht mehr fertiggebracht hat. Das ist nicht sehr verwunderlich; denn je mehr die Zeit vorrückt, desto eindringlicher bemüht er sich, die christliche Religion zu vernichten

Nun aber, meine lieben Brüder, hört sorgfältig auf das, was ich euch sage! Alle, die auf dem ganzen Erdkreis einen christlichen Namen führen und den christlichen Glauben wirklich kennen, wissen um den Glauben, dass der heilige Apostelfürst Petrus Vater aller Christen und nach Christus ihr erster Hirt ist und dass die heilige römische Kirche Mutter und Lehrerin aller Kirchen ist.

Wenn ihr also das glaubt und, ohne zu zweifeln, daran festhaltet, dann bitten und befehlen wir euch, wir, euer Bruder und unwürdiger Meister (vgl. Mt 23,8 ); Um des allmächtigen Gottes willen eilt den vorher Erwähnten, eurem Vater und eurer Mutter, zu Hilfe, wenn ihr danach verlangt, durch sie Vergebung aller Sünden, Segen und Gnade in diesem Leben und in der künftigen Welt zu erlangen.

Der allmächtige Gott, von dem alles Gute kommt, erleuchte stets euren Geist und befruchte ihn mit der Liebe zu ihm und zu den Mitmenschen, damit ihr euch euren Vater und eure Mutter durch zuverlässige Hingabe zu Schuldnern macht und ohne Beschämung zur Gemeinschaft mit ihnen gelangt, Amen.
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Donnerstag, 30. Mai 2013, 15:54

Thomas von Aquin (+ 1279)
Aus dem Opusculum über das Fest des Leibes Christi

Weil uns der einziggeborene Sohn Gottes Anteil an seiner Gottheit geben wollte, nahm er unsere Natur an, wurde Mensch, um die Menschen göttlich zu machen.

Mehr als das: Was er von dem Unsrigen annahm, gab er ganz hin für unser Heil. Denn er brachte seinen Leib auf dem Altar des Kreuzes zu unserer Versöhnung Gott, dem Vater, als Opfergabe dar. Er vergoss sein Blut für uns als Lösepreis und als Bad zugleich. So sollten wir von elender Knechtschaft erlöst und von aller Sünde gereinigt werden.

Damit uns aber ein Gedächtnis dieser so großen Liebe bleibe, hinterließ er den Glaubenden seinen Leib zur Speise und sein Blut zum Trank unter Gestalt von Brot und Wein.

Welch ein kostbares und bestaunenswertes Gastmahl, heilbringend und voll Wohlgeschmack! Denn was kann kostbarer sein als dieses Gastmahl? In ihm wird uns nicht das Fleisch von Kälbern du Böcken zur Speise gegeben wie einst unter dem Gesetz, sondern Christus, der wahre Gott. Gibt es etwas Bestaunenswerteres als dieses Sakrament?

Kein Sakrament hat eine heilsamere Wirkung als dieses: Es reinigt von Sünden, es mehrt die Tugenden und erfüllt den Geist mit dem Reichtum aller geistlichen Gaben. Es wird im der Kirche für die Lebenden und die Toten dargebracht, damit allen zugute komme, was zum Heil aller eingesetzt ist.

Niemand kann schließlich die Wonnen dieses Sakraments hinreichend ausdrücken, da in ihm die Süße des Geistes in ihrem Quell genossen und in ihm das Gedächtnis jener unübertrefflichen Liebe begangen wird die Christus in seiner Passion bewiesen hat.

Um also die Unermesslichkeit seiner Liebe den Herzen der Gläubigen tiefer einzuprägen, stiftete er beim Letzten Abendmahl dieses Sakrament, nachdem er das Pascha mit seinen Jüngern gefeiert hatte und als er aus dieser Welt zum Vater hinübergehen sollte. Er stiftete es als immerwährendes Gedächtnis seiner Passion, als Erfüllung der alten Zeichen, als größtes seiner Wunder und als einzigartigen Trost für jene, die seine Abwesenheit mit Trauer erfüllte.
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30

Freitag, 7. Juni 2013, 18:04

Bonaventura (+ 1274)
Aus dem Opusculum „Das Holz des Lebens“

Betrachte auch, du erlöster Mensch, wer es ist, der für dich am Kreuz hängt, wie groß und heilig er ist, er, dessen Tod die Toten lebendig macht, bei dessen Hinübergang Himmel und Erde trauerte und harte Felsen zersprangen.

Aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus sollte die Kirche gebildet werden, und es sollte sich die Schrift erfüllen: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben.“ (Sach 12,10, vgl. Joh 19,17) Darum verfügte Gott, dass einer der Soldaten diese Seite durchbohrte und öffnete. Blut und Wasser flossen heraus, der Lösepreis unseres Heils. Ausgegossen aus dem Quell, dem Allerheiligsten des Herzens, sollte dieser Preis den Sakramenten dere Kirche die Kraft geben, das Leben dere Gnade zu gewähren. Den bereits in Christus Lebenden sollte er der Becher lebendigen Wassers für das ewige Leben sind (vgl. Joh 4,14).

Eile hin zu diesem Quell des Lebens und des Lichtes mit lebendigem Verlangen, du gottlicbende Seele, wer immer du bist, und rufen zu ihm mit der innersten Kraft des Herzens: Du unsagbare Schönheit des höchsten Gottes, du reinster Abglanz des ewigen Lichtes, du Leben, das allem Leben das Leben gibst, du Licht, das allem Licht das Licht verleiht und seit dem ersten Morgenrot die vielfältigen Lichter des Himmels in immerwährenden Glanz erhält, vor dem Thron deiner Gottheit.

Du ewiger, unzugänglicher, lauterer und süßer Strom aus der Quelle, die vor den Augen der sterblichen Menschen verborgen ist, deren Tiefe ohne Grund, deren Höhe ohne Grenzen, deren Weite ohne Schranken ist und deren Reinheit nicht getrübt werden kann! Aus ihr entspringt der Fluss, der die Gottesstadt erfreut (vgl. Ps 46,5), damit wir unter Jubel und Dank Loblieder singen und uns die Erfahrung bezeuge: „Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht“. (Ps 36,10).
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Freitag, 14. Juni 2013, 17:28

Antonius von Padua (+ 1231)
Aus einer Predigt über die Aufgabe des Predigers

Wer vom Heiligen Geist erfüllt ist, redet in viele Sprachen. Die vielen Sprachen sind ein vielfältiges Zeugnis von Jesus Christus. Solche Sprachen sind: Demut, Armut, Geduld und Gehorsam. In ihnen reden wir, wenn wir sie anderen an uns sichtbar machen. Die Rede hat Leben, wenn die Taten sprechen. Ich bitte: Schluss mit den Worten, die Taten sollen sprechen! Wir sind voll von Worten und leer an Werken und darum von Gott verworfen. Denn er verfluchte den Feigenbaum, an dem er keine Frucht, sondern nur Blätter fand (vgl. Mt 21,9). Gregor sagt: Es ist ein Gesetz für den Prediger, dass er tut, was er predigt. Vergeblich rühmt sich der Gesetzeskenntnis, wer durch seine Taten zunichte macht, was er lehrt.

Die Apostel „redeten, wie es der Geist ihnen eingab“ (Apg 2,4). Wohl dem, der redet, wie es der Geist ihm eingibt, und nicht, wie es sein eigenes Herz ihm sagt. Es gibt Prediger; die aus ihrem eigenen Geist reden, die Worte anderer stehlen, sie für die ihrigen ausgeben und sich selbst zuschreiben. Von ihnen und ähnlichen sagt der Herr bei Jeremia: „Nun gehe ich gegen die Propheten vor – Spruch des Herrn -, die einander meine Worte stehlen. Nun gehe ich gegen die Propheten vor – Spruch des Herrn -, die ihre Zunge gebrauchen um Sprüche zu machen. Ja, nun gehe ich vor gegen die Propheten mit ihren erlogenen Träumen – Spruch des Herrn, sie erzählen die Träume und verführen mein Volk durch ihre Lügen und ihr freches Geschwätz. Ich aber habe sie weder gesandt noch beauftragt, und sie sind diesem Volk ganz unnütz – Sprich des Herrn.“ (Jer 23,30-32)

Lasst uns also reden, wie es uns der Heilige Geist eingibt. Wir wollen ihn demütig und ergeben bitten, uns seine Gnade einzugießen, damit wir den Pfingsttag mit allen fünf Sinnen und in der Erfüllung der zehn Gebote feiern, dass wir durch die Feuerzungen des Bekenntnisses entzündet werden und dass wir, entzündet und erleuchtet, im Glanz der Heiligen den dreieinigen Gott schauen dürfen.
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Mittwoch, 19. Juni 2013, 17:56

Aus einem Brief römischer Christen an Bischof Cyprian von Karthago

Welch höherer Ruhm oder welch größeres Glück könnte irgendeinem Menschen zuteil werden, als inmitten der Henkersknechte unerschrocken Gott, den Herrn, zu bekennen, unter den mannigfachen und ausgesuchten Qualen der wütenden Macht der Welt trotz Folterung, Peinigung und Zerfleischung des Leiben mit dem schon entweichenden, aber dennoch ungebrochenen Geist Christus, den Sohn Gottes, zu bekennen; als die Welt zu verlassen, um dem Himmel zuzustreben, von den Menschen sich zu trennen, um unter die Engel zu treten; als alle weltlichen Fesseln zu zerbrechen und frei vor das Angesicht Gottes zu treten, das Himmelreich ohne alles Zaudern festzuhalten, in Christ Namen ein Leidensgenosse Christi zu werden., durch die göttlichen Gnade des eigenen Richters selbst zum Richter erhoben zu werden, sein Gewissen durch das Bekenntnis des Namens Christi unbefleckt zu erhalten; als den menschlichen und gottlosen Gesetzen, die dem Glauben widersprechen, nicht zu gehorchen; als die Wahrheit mit lauter Stimme öffentlich zu bezeugen, sogar den allgemein gefürchteten Tod selbst im Tode zu überwinden, gerade durch das Sterben Unsterblichkeit zu erlangen, trotz der Zerfleischung und Folterung mit allen möglichen Werkzeugen der Grausamkeit, gerade inmitten der Foltern die Folter zu besiegen, allen Schmerzen des zerrissenen Körpers mit der Kraft des Geistes zu widerstehen; als ohne Schauder sein Blut zu vergießen, seine Martern um des Glaubens willen liebzugewinnen und das irdische Weiterleben als den Verlust des eigentlichen Lebens zu betrachten?

Zu diesem Kampf ruft uns der Herr durch sein Evangelium gleichsam mit Posaunenstimme auf, indem er sagt: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig.“ (Mt 10,37-38 ) Und wieder: „Selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freut euch und jubelt: euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt,.“ (Mt 5,10.-12) Und ein andermal: „Ihr werdet um meinetwillen vor Statthalter und Könige geführt. Brüder werden einander dem Tod ausliefern und Väter ihre Kinder. Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet.“ (Mt 10, 18.21.22) Und abermals: „Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe.“ (Offb 3,21). Auch der Apostel schreibt: „Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafte, die man zum Schlachten bestimmt hat. Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.“ (Röm 8,35-37)
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33

Freitag, 21. Juni 2013, 17:40

Aloisius Gonzaga (+ 1591)
Aus einem Brief an seine Mutter

Für immer erbitte ich für Euch, erlauchte Frau, die Gnade und den Trost des Heiligen Geistes. Als mir Euer Brief gebracht wurde, weilte ich noch in diesem Bereich des Todes. Jetzt aber gilt es, endlich einmal dem Himmel nahezukommen, um den ewigen Gott im Land der Lebendigen zu lieben. Neulich hoffte ich schon vor dieser Zeit den Weg vollenden zu dürfen. Wenn es Liebe ist, wie der heilige Paulus sagt, „sich mir den Fröhlichen zu freuen und mit den Weinenden zu weinen“ (Röm 12,15), dann müsst Ihr, erlauchte Frau Mutter, notwendig Freude daraus schöpfen, dass Gott aus Wohlwollen und Gnade gegen Euch mir die wahre Freude und Gewissheit gibt, dass ich nicht zu fürchten brauche, ihn jemals zu verlieren.

Ich gestehe Euch, erlauchte Frau: Wenn ich bei der Betrachtung in die Tiefe der göttlichen Güte, dieses Meer ohne Ufer und Boden, wie in einen Strudel hineinstürze und ihre Weite nicht mehr erfasse, dann scheint es mir als habe sie sich geirrt und komme mir nicht zu,. Denn sie holt mich für die kurze Zeit und die geringe Mühe zu einer ewigen Ruhe und ruft mich vom Himmel her zum höchsten Glück, das ich so lässig gesucht habe, und verheißt den Lohn der Tränen, die ich so spärlich vergossen habe.

Erlauchte Frau, habt immer wieder acht und hütet Euch, diese unendliche Liebe Gottes zu verletzen! Das tätet Ihr, wolltet Ihr mich wie einen Toten beklagen, wenn ich vor dem Angesicht Gottes lebe und Euch noch weit mehr als in diesem Leben durch meine Fürbitte in Euren Anliegen helfen kann Die Trennung dauert nicht lange; im Himmel sehen wir uns wieder. Wir werden gemeinsam mit dem Retter unseres Heils verbunden sein und mit ganzem Wetteifer der Herzen ihn loben, sein Erbarmen auf ewig besingen und die Freuden der Unsterblichkeit genießen. Er nimmt uns, was er uns vorher anvertraut hat, um uns an einen Ort mit mehr Freiheit und Sicherheit zu verpflanzen und uns mit den Gütern zu versehen, wie wir sie uns selbst nur wünschen könnten.

Das alles habe ich nur gesagt, um der Sehnsucht, die mich gefangenhält, zu gehorchen, damit Ihr, erlauchte Frau, mit der ganzen übrigen Familie meinen Abschied als eine frohe Wohltat anseht und damit Ihr mich mit Eurem mütterlichen Segen begleitet, wenn ich diese Flut überquere hin zu den Ufern, wo all meine Hoffnungen liegen. Ich habe es um so lieber getan, weil mir kein Weg mehr bleibt, auf dem ich deutlicher die Liebe und Ehrfurcht zeigen kann, die ich als Sohn der Mutter schulde.
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Sonntag, 23. Juni 2013, 17:23

Thomas Morus (+ 1535)
Aus einem Brief an seine Tochter Margarita

Liebe Margarita! Ich bin mir bewusst, dass mein bisheriges Leben reichlich schlecht war und dass ich vollauf verdient hätte, von Gott verlassen zu werden. Dennoch werde ich nicht aufhören, stets auf seine grenzenlose Güte zu vertrauen und bester Hoffnung zu sein. Wie er mir bis jetzt durch seine heilige Gnade die Kraft gegeben hat, eher alles herzlich zu verachten, Besitz, Einkommen, ja das Leben selbst, als dass ich gegen mein Gewissen schwöre, so hat er in seiner gütigen Abicht dem König eingegeben, mich bis jetzt nur der Freiheit zu berauben. Durch diese Maßnahme hat mir Seine Majestät eine größere Wohltat erwiesen als durch alle Ehrungen und Güter, die er mir verliehen hat; denn davon verspreche ich mir seelischen Fortschritt, Dieselbe Gnade wird das Herz des Königs bewegen, mir nicht etwas aufzuerlegen, was noch schwerer ist, oder sie wird mir die Kraft geben, alles noch so Schwere geduldig, tapfer und willig zu ertragen

Mit unserm Herrn und den Verdiensten seines bitteren Leidens verbunden – es übertrifft mein ganzes Dulden an Art und Wert um ein Unendliches -, mit ihm verbunden, wird mein Leiden mir die am Läuterungsort geschuldeten Strafen mildern und durch die freigebige Güte Gottes auch den Lohn im Himmel ein wenig mehren.

Liebe Margarita, ich will Gottes Güte nicht misstrauen, sosehr ich fühle, wie schwach und gebrechlich ich bin. Wenn ich in Schrecken und Verwirrung sehen sollte, dass ich vor dem Fallen stehe, werde ich an den heiligen Petrus denken, der bei einem einzigen Windstoß aus Mangel an glauben zu sinken begann, und dann werde ich tun wie er. Ich werde rufen: „Herr rette mich!“ (Mt 14,30) Denn ich hoffe, er wird seine Hand ausstrecken, mich ergreifen und nicht untergehen lassen.

Sollte er es aber zulassen, dass ich noch darüber hinaus die Rolle des Petrus spiele, dass ich ganz und gar falle, schwöre und leugne – Gott wende es in seinem Erbarmen von mir ab; ein solcher Fall soll mir eher Schaden als Nutzen bringen -, dann hoffe ich dennoch, dass er mich mit dem vollen Blick seines Auges anschaut wie den Petrus (vgl. LK 22,6) und mich wieder aufrichtet, damit ich aufs neue die Wahrheit bekenne und mein Gewissen entlaste. Die Strafe und die Beschämung der früheren Verleugnung will ich dann tapfer ertragen.

Liebe Margarita, schließlich habe ich die Erfahrung, dass Gott mich ohne meine Schuld nicht verlässt. So überlasse ich mich ihm in aller Hoffnung und mit vollem Vertrauen. Wenn er aber mich wegen meiner Sünden untergehen lässt, dann wird wenigstens seine Gerechtigkeit in mir gepriesen. Ich hoffe aber, ich hoffe es ganz fest, dass seine Milde und Güte mich bewahren wird. Er wird es fügen, dass den Mensch durch mich mehr Erbarmen als Gerechtigkeit nahegebracht wird. Sei also guten Mutes, liebe Tochter, und sorge dich nicht so sehr um mich, was mir auch immer in dieser Welt zustößt. Es kann mir nichts geschehen, was Gott nicht will. Was immer er aber will, so schlimm es scheinen mag, es ist dennoch wahrhaft das Beste.
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35

Freitag, 5. Juli 2013, 17:06

Antonius Maria Zaccaria (+ 1539)
Aus einer Ansprache an seine Mitbrüder
„Wir stehen als Toren da um Christi willen“ (1 Kor 4,10); das sagte der heilige Paulus, unser Führer und Schutzherr, von sich und den übrigen Aposteln wie auch von allen, die sich zu einer christlichen und apostolischen Ordnung bekennen. Aber es gibt keinen Grund, liebe Brüder, sich zu wundern oder sich zu fürchten; „denn ein Jünger steht nicht über seinem Meister und ein Sklave nicht über seinem Herrn“ (Mt 10,14). Unsere Gegner leisten sich einen schlechten, uns aber einen guten Dienst. Sie verschaffen uns Kronen großer Herrlichkeit, für sich aber fordern sie den Zorn Gottes heraus. Wir müssen mit ihnen Erbarmen haben und sie lieben, statt sie zu verabscheuen und zu hassen, Ja, wir müssen für sie beten und dürfen uns nicht vom Bösen besiegen lassen, sondern müssen das Böse durch das Gute besiegen (vgl. Röm 12,21). Wie uns der Apostel mahnt, müssen wir „glühende Kohlen“ brennender Liebe „auf ich Haupt sammeln“ (vgl. Röm 12,20), damit sie unsere Geduld sehen, sich zu fruchtbringenderem Leben bekehren und in Gottesliebe entbrennen.

Uns hat Gott in seiner Huld trotz unserer Unwürdigkeit aus der Welt erwählt, damit wir ihm dienen, von Tugend zu Tugend fortschreiten und durch unsere Ausdauer reiche Frucht der Liebe bringen (vgl. Lk 8,15) und nicht nur wegen der Hoffnung auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes jubeln, sondern auch wegen unserer Bedrängnis (vgl. Röm 5,3).

„Seht doch auf eure Berufung, Brüder!“ (1 Kor 1,26) Wenn wir sie ernstlich bedenken, werden wir erkennen, dass dies ihr Sinn und ihre Forderung ist. Da wir begonnen haben, den Spuren der heiligen Apostel und der anderen Streiter Christi, wenn auch nur von weitem, zu folgen, dürfen wir uns auch nicht weigern, an ihren Leiden teilzunehmen.. „Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist, und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.“ (Hebr 12,1-2)
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36

Dienstag, 9. Juli 2013, 17:33

Aelred von Rievaulx (+ 1167)
Aus dem Buch über die geistliche Freundschaft

Jonatan, der vortrefflichste unter den jungen Männern, achtete nicht auf Königskrone und Königsherrschaft, die seiner warteten. Er schloss einen Bund mit David und durch die Freundschaft stellte er den Knecht dem Herrn gleich, Jonatans Vater (Saul) verfolgte David, der sich in der Wüste verborgen hielt, dem Tod geweiht, zur Ermordung bestimmt. Aber Jonatan liebte ihn mehr als sich selbst, erniedrigte sich und erhöhte David, indem er ihm sagte; „Du wirst König über Israel sein, und ich der Zweite nach dir sein.“ (1 Sam 23,17).

O Spiegel wahrer Freundschaft! Welch ein Wunder! Der König wütet gegen den Diener und bringt das ganze Land gegen David auf wie gegen einen Kronprätendenten. Priester beschuldigt er des Verrats und bringst sie auf bloßen Verdacht hin um. Er durchkämmt die Wälder, durchsucht die Täler. Er umlagert Berge und Felsen mit bewaffneter Macht: Alle geloben, den aufgebrachtcn König zu rächen. Jonatan allein, der doch mehr Grund zum Neid hätte, entschließt sich, dem Willen des Vaters zu widerstehen, dem Freund zu berichten und in dieser großen Anfeindung sein Berater zu sein. Er schätzte die Freundschaft höher ein als das Königtum: ‚Du sollst König sein und ich der Zweite nach dir!‘ Sieh, wie der Vater den jungen Mann zum Neid gegen den Freund reizt, wie er ihn mit Schmähungen bedrängt, ihm mit dem Verlust des Throns droht, ihn schreckt und ihm vorhält, dass er der Ehre beraubt werde.

Saul spricht das Todesurteil über David, jedoch Jonatan verlässt den Freund nicht: David „hat sein Leben aufs Spiel gesetzt und den Philister erschlagen. Der Herr hat (durch ihn) ganz Israel Hilfe gebracht. Du hast es selbst gesehen und dich darüber gefreut. Warum willst du dich versündigen, und unschuldiges Blut vergießen, indem du David ohne jeden Grund tötest?“ (1 Sam 19,5) Diese Worte bringen den König zum Rasen. Er wirft die Lanze nach Jonatan und will ihn durchbohren. Er bedroht ihn und herrscht ihn an: „Du Sohn eines entarteten und aufsässigen Weibes! Ich weiß sehr gut, dass du dich zu deiner eigenen Schande und zur Schande des Schoßes deiner Mutter für den Sohn Isais entschieden hast.“ (1 Sam 20,30) Er spie sein ganzes Gift aus und spritzte es gegen das Herz des jungen Mannes, indem er einen Satz hinzufügte, der es darauf absah, den Ehrgeiz anzuspornen, den Neid zu entzünden, Eifersucht und Bitterkeit zu schüren; er schrie „Solange der Sohn Isais auf Erden lebt wirst weder du noch dein Königtum Bestand haben.“ (1 Sam 20,31)

Wen würden diese Worte nicht zum Neid bewegen? Wessen Liebe, Gunst und Freundschaft nicht vergiften, mindern und tilgen? Jonatan war so von Liebe erfüllt, dass er dem Freundschaftsschwur treu blieb, den Drohungen widerstand, die Schmähungen geduldig ertrug. Um der Freundschaft willen verachtete er die königliche Würde, dacht nicht an Rihm, sondern nur an die Liebe: ‚Du wirst König sein und ich Zweite nach dir.‘

Das ist die wahre, vollkommene, beständige und ewige Freundschaft: Kein Neid kann sie vergiften, kein Argwohn mindern, kein Ehrgeiz zerstören. Stark versucht, gab sie nicht nach; heftig bestürmt, zerbrach sie nicht: von Schmähungen überhäuft, blieb sie unbeugsam: durch Beschimpfungen verletzt, wankte sie nicht.. „Geh und handle ebenso!“ (Lk 10,37)

Kommentar
Diese Freundschaft zwischen David und Jonatan wird von der Homo-Lobby gerne als biblische Begründung für ihr abartiges Verhalten herangezogen. Natürlich wenn man das Gehirn und sein Sein nur im Organ unterm Nabel hat, kann kein anderes Denken erwartet werden. Den Treue und wirkliche Freundschaft ist bei diesen nicht vorstellbar, denn selbst unter zusammenlebenden Homos haben mehrere Studien, die bis in die 1990-er Jahren zurückreichen, ergeben, dass es sexuelle Treue unter diesen dabei nicht gibt, denn es wurde festgestellt, dass sexuelle Kontakte auch mit anderen innerhalb weniger Monate erfolgen. Nur wer von der Sünde ablässt, kann auf Gottes Barmherzigkeit hoffen, denn Jeus hat immer wieder Umkehr gefordert und gesagt: „Geh hin und sündige nicht mehr.“

Dass es derartige nichtsebstsüchtige Freundschaften wie zwischen Jonatan und David wirklich gibt, bedarf zwar bei Beiden einer hohen Herzensbildung und starken Charakters sowie eines festen Stehens in den Geboten und Anweisungen Gottes, ist aber unter diesen Umständen voll denkbar. Dazu ist noch zu beachten, dass Jonatan, der ohne Zweifel in tapferer Mann war (1 Sam 12. und 14. Kapitel), ziemlich sicher wusste, dass er David weder im Mut noch in der Weisheit ebenbürtig war, wie es das Geschehen mit dem Philister Goliath gezeigt hatte. (1 Sam 17,1ff). Außerdem war David vom Herrn erwählt und durch Samuel gesalbt worden, während Saul vom Herrn verworfen worden war (1 Sam 15,26).
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37

Mittwoch, 17. Juli 2013, 17:14

Teresa von Avila (+ 1582)
Aus dem Buch über den Weg der Vollkommenheit

Wie gefühllos und unbesonnen auch einer sein mag: wenn er von einem ernsten und angesehenen Mann etwas erbitten will, denkt er nach und legt sich eine gefällige Rede zurecht, die diesem gefällt und ihn nicht ärgert oder belästigt. Er überlegt außerdem, worum er bitten soll und wozu er das nötig hat, um was er bitten wird. Besonders, wenn er um etwas Einzigartiges und Großes anhält, überlegt er sich, wie Jesus uns zu bitten lehrt. Darauf kommt es meines Erachtens an. Herr, konntest du nicht das Ganze in einen Satz zusammenfassen und sagen: Vater, gib uns, was für uns gut und angemessen ist? Weiterer Worte scheint es doch nicht zu bedürfen, besonderes bei Gott, der alles so gut und vollkommen erkennt.

Du ewige Weisheit! Dies wäre genug, soweit es dich und deinen Vater im Himmel betrifft, und so hast du zu ihm im Garten Getsemani gebetet. Du hast dort offen zu ihm von deine Wunsch und von deiner Angst gesprochen und dich dennoch ganz in seinen Willen ergeben. Aber du weißt, Herr, dass wir nicht so ergeben sind wie du dich in den Willen des Vaters ergeben hast. Darum weißt du, dass wir um einzelnes und besonderes beten müssen. Wir müssen im Herzen überlegen, ob das, was wir erbitten, für uns hilfreich und angemessen ist, und müssen aufhören zu bitten wenn wir sehen, dass uns das Erbetene nicht weiterhilft. Denn es ist unsere Art – und zwar wegen unseres freien Willens -, nicht anzuerkennen, was der Herr uns schenkt, wenn wir nicht das erhalten, um was wir bitten Auch wenn sein Geschenk für uns bei weitem das Beste ist, meinen wir dennoch niemals reich zu sein, wenn wir nicht sozusagen das Geld sofort in bar auf die Hand ausgezahlt bekommen.

So lehrt uns Jesus, um das Kommen des Reiches zu bitten: „Geheiligt werde dein Name, dein Reich komme!“ Ich bitte euch, betrachtet die tiefe Weisheit unseres Lehrers. Ich jedenfalls erwäge hier bei mir, um was wir mit diesem Reich beten, und es ist wirklich gut, es zu erkennen. Der König sah, dass wir in Anbetracht des Wenigen und Geringen, was wir aus uns selbst vermögen, den heiligen Namen des Vaters nicht heiligen und verherrlichen können, wenigstens nicht so, wie es sein müsste, wenn er in seiner Majestät nicht auf anderer Weise dafür Vorsorge trifft, nämlich dadurch, dass er uns schon hier sein Reich gibt. Darum hat Jesus die beiden Bitten miteinander verbunden. Wir müssen uns klar darüber werden, um was wir bitten und wieviel daran liegt, dass wir ungestüm, und eifrig darum beten und alles dransetzen, um Gott,. dem es gefallen soll, zu gefallen und ihm Genüge zu leisten. Wie ich darüber denke, möchte ich euch an dieser Stelle erklären. Das höchste Gut im Himmelreich scheint mir, von vielem anderen abgesehen, darin zu bestehen, dass wir keinen Wert mehr auf Irdisches und Weltliches legen und uns darüber freuen, dass alle sich freuen. Wir werden immerwährenden Frieden und tiefes Glück empfinden, wenn wir sehen, dass Gott von allen Sterblichen geheiligt und gepriesen wird; dass sein heiliger Name verherrlicht wird; dass niemand ihn durch eine Sünde beleidigt und er von allen Menschen geliebt wird. Ja die Seele beschäftigt sich mit nichts anderem, als dass sie liebt, und sie kann nichts anders, als ihn zu lieben, da sie ihn erkennt. Auf diese Weise sollten wir ihn in dieser Welt lieben. Wenn wir ihn wirklich kennten, dann würden wir ihn hier zwar in derselben Vollkommenheit und auf dieselbe Art lieben, aber doch wenigstens in einer weit höheren Weise als jetzt.
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38

Donnerstag, 18. Juli 2013, 17:16

Bonaventura (+ 1274)
Aus dem Büchlein „Der Weg des Geistes zu Gott“
Christus ist der Weg und die Tür, Christus ist die Leiter, er ist das Gefährt, gleichsam der Gnadenthron auf der Bundeslade (vgl. Ex 25,17); er ist „das Geheimnis, das seit ewigen Zweiten verborgen war“ (Kol 1,26). Wer diesem Sühnezeichen sein Angesicht zuwendet, wer Christus, der am Kreuz hängt, anschaut mit Glaube, Hoffnung, Liebe Hingabe, Bewunderung und Freude, Wertschätzung, Lob und Jubel, der begeht mit ihm das Pascha, den Übergang, er durchschreitet mit dem Stab des Kreuzes das Rote Meer. Er betritt von Ägypten aus die Wüste, wo er das verborgene Manna genießt und mit Christus im Grabe ruht, Äußerlich gleichsam gestorben, erfährt er, soweit es im Pilgerstand möglich ist, was am Kreuz dem Räuber, der Christus anhing, gesagt wurde: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)

Soll dieser Übergang vollkommen sein, so muss der Geist alle Denktätigkeit einstellen und mit der höchsten Stufe seiner Liebe ganz zu Gott hinübergehen und in ihn verwandelt werden. Doch das ist das Geheimnis der Geheimnisse, das niemand kennt, der es nicht empfangen hat; das keiner empfängt, der sich nicht nach ihm sehnt; nach dem sich niemand sehnt, den das Feuer des Heiligen Geistes, das Christus auf die Erde gebracht hat, nicht bis ins Mark entflammt. Darum sagt der Apostel, diese geheimnisvolle Weisheit sei durch den Heiligen Geist geoffenbart (vgl. 1 Kor 2,10).

Fragst du, wie das geschieht, dann frage die Gnade, nicht die Lehre; die Sehnsucht, nicht den Verstand; das stammeln des Gebetes, nicht das Studium der Lesung; den Bräutigam, nicht den Lehrer; Gott, nicht den Menschen; die Glut, nicht die Helligkeit; nicht das Licht, sondern das Feuer, das die Seele ganz entflammt und in ekstatischer Ergriffenheit und in glühenden Gemütsbewegungen zu Gott hinüberträgt. Dieses Feuer ist Gott selbst, der „in Zion einen Feuerherd hat“ (Jes 31,9). In ihm hat Christus die Glut seines brennenden Leidens entfacht. Das kann nur der verstehen, der mit Ijob spricht: „Erwürgt zu werden zöge ich vor, den Tod diesem Totengerippe.“ (Ijob 7,15) Wer diesen Tod liebt, kann Gott schauen; denn es ist ohne Zweifel wirklich so: „Kein Mensch kann Gott sehen und am Leben bleiben.“ (Ex 33,20)

Lasst uns also sterben und in das Dunkel hineingehen. Lasst uns den Sorgen, Begierden und Einbildungen Schweigen gebieten. Lasst uns mit dem gekreuzigten Christus aus dieser Welt zum Vater hinübergehen (vgl. Joh 13,1), auf das er uns den Vater zeige und wir mit Philippus sagen können: „Das genügt uns“ (Joh 14,8 ), und mit Paulus hören: „Meine Gnade genügt dir.“ (2 Kor 12,9) Lasst uns mit David jubeln: „Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig.“ (Ps 73,26) „Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit! Amen, ja amen.“ (Ps 89,53)
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Sonntag, 21. Juli 2013, 17:37

Laurentius von Brindisi (+ 1619)
Aus einer Fastenpredigt

Wollen wir mit den Engeln des Himmels und den seligen Geistern, die wie wir nach dem Abbild und der Gestalt Gottes geschaffen sind, ein geistliches Leben führen, so brauchen wir wie das tägliche Brot die Gnade des Heiligen Geistes und die Gottesliebe. Gnade und Liebe aber gibt es nicht ohne den Glauben; denn ohne den Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.“ (Hebr 11,6). „Der Glaube gründet in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi.“ (Röm 10,17) Daher ist die Predigt des Gotteswortes notwendig für das geistliche Leben wie die Aussaat für die Erhaltung des leiblichen Lebens.

Darum sagt Christus: „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.“ (Mt 13,3) Der Sämann ging aus um die Gerechtigkeit zu verkündigen, Manchmal lesen wir, dass Gott ihr Verkünder gewesen ist, zum Beispiel, als er dem ganzen Volk in der Wüste vom Himmel her mit lauter Stimme das Gesetz der Gerechtigkeit gab. Einmal war es der Engel des Herrn, der am ‚Ort des Weinens‘ das Volk tadelte, weil es das Gesetz Gottes übertreten hatte; und alle Israeliten hörten die Rede des Engels, bereuten in ihrem Herzen und brachen in lautes Weinen aus (vgl. Ri 2,4) Auch Mose predigte dem ganzen Volk auf der Ebene von Moab das Gesetz, wie aus dem Buch Deuteronomium hervorgeht. Schließlich kam Christus, der Gottmensch, um das Wort des Herrn zu verkünden. Dazu sandte er auch die Apostel aus, so wie er früher die Propheten geschickt hatte.

So ist denn die Predigt eine apostolische Aufgabe, eine Aufgabe für Engel und Christen eine heilige Aufgabe. Denn das Wort Gottes ist von unschätzbarem Wert. Es ist wie ein Schatz, der alles Gute enthält. Denn aus ihm kommen Glaube, Hoffnung und Liebe; alle Tugenden, alle Gaben des Heiligen Geistes, die Seligpreisungen des Evangeliums; alle guten Taten, alle vorzüglichen Werke des Lebens und aller Herrlichkeit des Paradieses;: „Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt ist und das die Macht hat, euch zu retten,“ (Jak 1,21).

Das Wort Gottes ist Licht für den Verstand und Feuer für den Geist, so dass der Mensch Gott erkennen und lieben kann. Dem inneren Menschen, der vom Geist Gottes lebt, ist es Brot und Wasser. Aber das Brot ist süßer als Honig und Honigwaben, das Wasser besser als Wein und Milch, Es ist für die Seele ein Schatz geistlicher Werte; deshalb wird es Gold und kostbarer Edelstein genannt. Gegen das Herz, das sich in der Sünde verhärtet, ist es wie in Hammer. Gegen Welt, Fleisch und Teufel ist es wie ein Schwert, das jede Sünde tötet.
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40

Sonntag, 21. Juli 2013, 19:44

Laurentius von Brindisi (+ 1619)
Aus einer Fastenpredigt

Wollen wir mit den Engeln des Himmels und den seligen Geistern, die wie wir nach dem Abbild und der Gestalt Gottes geschaffen sind, ein geistliches Leben führen, so brauchen wir wie das tägliche Brot die Gnade des Heiligen Geistes und die Gottesliebe. Gnade und Liebe aber gibt es nicht ohne den Glauben; denn ohne den Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen.“ (Hebr 11,6). „Der Glaube gründet in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi.“ (Röm 10,17) Daher ist die Predigt des Gotteswortes notwendig für das geistliche Leben wie die Aussaat für die Erhaltung des leiblichen Lebens.

Darum sagt Christus: „Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen.“ (Mt 13,3) Der Sämann ging aus um die Gerechtigkeit zu verkündigen, Manchmal lesen wir, dass Gott ihr Verkünder gewesen ist, zum Beispiel, als er dem ganzen Volk in der Wüste vom Himmel her mit lauter Stimme das Gesetz der Gerechtigkeit gab. Einmal war es der Engel des Herrn, der am ‚Ort des Weinens‘ das Volk tadelte, weil es das Gesetz Gottes übertreten hatte; und alle Israeliten hörten die Rede des Engels, bereuten in ihrem Herzen und brachen in lautes Weinen aus (vgl. Ri 2,4) Auch Mose predigte dem ganzen Volk auf der Ebene von Moab das Gesetz, wie aus dem Buch Deuteronomium hervorgeht. Schließlich kam Christus, der Gottmensch, um das Wort des Herrn zu verkünden. Dazu sandte er auch die Apostel aus, so wie er früher die Propheten geschickt hatte.

So ist denn die Predigt eine apostolische Aufgabe, eine Aufgabe für Engel und Christen eine heilige Aufgabe. Denn das Wort Gottes ist von unschätzbarem Wert. Es ist wie ein Schatz, der alles Gute enthält. Denn aus ihm kommen Glaube, Hoffnung und Liebe; alle Tugenden, alle Gaben des Heiligen Geistes, die Seligpreisungen des Evangeliums; alle guten Taten, alle vorzüglichen Werke des Lebens und aller Herrlichkeit des Paradieses;: „Nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt ist und das die Macht hat, euch zu retten,“ (Jak 1,21).

Das Wort Gottes ist Licht für den Verstand und Feuer für den Geist, so dass der Mensch Gott erkennen und lieben kann. Dem inneren Menschen, der vom Geist Gottes lebt, ist es Brot und Wasser. Aber das Brot ist süßer als Honig und Honigwaben, das Wasser besser als Wein und Milch, Es ist für die Seele ein Schatz geistlicher Werte; deshalb wird es Gold und kostbarer Edelstein genannt. Gegen das Herz, das sich in der Sünde verhärtet, ist es wie in Hammer. Gegen Welt, Fleisch und Teufel ist es wie ein Schwert, das jede Sünde tötet.


Wir befinden uns zurzeit nicht in der Fastenzeit... ;)
Aber natürlich ist es jedem unbenommen, auch einzelne Fastentage einzulegen, so wie die Gospa von Medjugorje immer wieder empfiehlt. Sünder sind wir ja alle...

Bei nochmaligem Lesen ist mir allerdings aufgefallen, daß es in diesem Zitat aus der "Fastenpredigt" von Brindisi gar nicht um das Fasten geht. Man möge mir verzeihen, daß ich mich zu sehr von dem Titel beeindrucken ließ. Andererseits ist die Aufforderung der Gospa in unserer Zeit wichtiger denn je...
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!