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Hildegard von Bingen: neue Kirchenlehrerin?

Antworten im Thema: 14 » Der letzte Beitrag (8. Oktober 2012, 19:22) ist von Teresa.

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Teresa

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1

Donnerstag, 15. Dezember 2011, 19:38

Hildegard von Bingen: neue Kirchenlehrerin?

Wie man dem Artikel des katholischen Nachrichtendienstes "Kathnet" entnehmen kann, wird Hildegard von Bingen, eine große Mystikerin ihrer Zeit, eventuell zur Kirchenlehrerin ernannt: http://www.kath.net/detail.php?id=34367

Sie wäre damit die 4. Frau, der diese Ehre zuteil wird. Die anderen drei sind Teresa von Avila, die "kleine Therèse" von Lisieux und Edith Stein. Auffällig, dass die Frauen, die zwar zu verschiedenen Zeiten gelebt haben, alle zu den Mystikern gehören.

Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn Hildegard von Bingen, wenn auch spät aber in dieser Weise anerkannt werden würde. :)
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Teresa

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2

Samstag, 17. Dezember 2011, 13:03

Nun habe ich gehört, dass diese Nachricht eine "Zeitungsente" sein könnte. Schade. :(

Andererseits stellt sich jedoch die Frage, weshalb die Erhebung zur Kirchenlehrerin nicht schon längst erfolgt ist und weshalb die Kirche nun ausgerechnet jetzt diesen Schritt tun sollte. ?(

Da bleibt wohl tatsächlich nur: Abwarten - die Zeit wird zeigen, was die Kirche wirklich tun wird.

In unserer Zeit wird Hildegard von Bingen vor allem von den Esoterikern vereinnahmt, die auf ihre medizinischen Ratschläge und die Ernährungsempfehlungen zurückgreifen. Ich denke jedoch, dass die theologische Bedeutung Hildegards eher unbekannt ist, und warte schon deshalb gespannt darauf, ob die Kirche ihre Theologie durch die Erhebung zur Kirchenlehrerin würdigen wird.
Sollte sich diese Nachricht wirklich als Gerücht entpuppen, dann werden die gläubigen Christen das sicher auch akzeptieren und verkraften.
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3

Samstag, 17. Dezember 2011, 17:05

Hildegard von Bingen

Ob die Meldung der „La Stampa“ richtig oder eine Zeitungsente war ist momentan nicht so wichtig, denn die Entscheidung des Hl. Vaters wird sicher zeitgerecht erfolgen wenn es wirklich zu einer Erhebung als Kirchenlehrerin kommen sollte. Der Herbst 2012 würde diesbezüglich sehr gut passen, denn dann wäre es nämlich genau 900 Jahre her, dass Hildegard ihre erste Profess (1012) im Kloster Disibodenberg abgelegt hat.

Dass Hildegard eine außergewöhnliche Frau des Mittelalters war, ist wohl unbestritten. Ihre Schriften „Wisse die Wege“ (Scivias) und der Natur- und Heilkunde in den Werken „Physica“ und „Causae et curae“) sind ja außergewöhnlich. Vor allem die Scivias würde den heutigen Menschen in der derzeitigen Glaubenskrise viel geben.
E
in kurzer Text aus Scivias
„Der gläubige Mensch richtet sein Trachten immer auf Gott, dem er in Ehrfurcht begegnet. Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn.“
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4

Sonntag, 18. Dezember 2011, 11:17

Ergänzung

Es war mir bekannt, dass Hildegard von Bingen nie offiziell heiliggesprochen wurde. Nun habe ich in einem Heiligenbuch der letzten Jahre einen Hinweis gefunden, dass der Heiligsprechungsprozess von Hildegard von Bingen noch immer im „Laufen“ ist und evt. vor dem Abschluss steht. Daher wäre es auch ohne weiteres möglich, dass im nächsten Jahr die offizielle Heiligsprechung erfolgt. Weniger vorstellen könnte ich mir, dass eine Erhebung zur Kirchenlehrerin ohne offizielle Heiligsprechung erfolgen würde. Aber das sind alles Spekulationen. Wir werden ja sehen ob die Meldung der „La Stampa“ nur auf einem Gerücht basierte oder doch ein Funken Realität darin war.

Außerdem möchte ich darauf verweisen, dass im „Heiligen“-Thread unter dem 17. September eine kurze Lebensbeschreibung eingestellt ist.
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5

Sonntag, 18. Dezember 2011, 11:33

Aus „Liber Scivias Domini"

1. Buch – Am Beginn
Im Jahre 1141 der Menschwerdung Jesu Christi, des Gottessohnes, als ich zweiundvierzig Jahre und sieben Monate alt war, kam ein feuriges Licht mit Blitzesleuchten vom offenen Himmel hernieder. Es durchströmte mein Gehirn und durchglühte mein Herz und Brust gleich einer Flamme, die jedoch nicht brannte, sondern wärmte, wie die Sonne den Gegenstand erwärmt, auf den sie ihre Strahlen legt. Nun erschloss sich mir plötzlich der Sinn der Schriften, des Psalters, des Evangeliums und der übrigen katholischen Bücher des Alten und Neuen Testamentes. ..... Die Kraft und das Mysteriums verborgener und wunderbarer Gesichte erfuhr ich geheimnisvoll in meinem Inneren seit meinem Kindesalter, das heißt, seit meinem fünften Lebensjahr, so wie auch heute noch. Doch tat ich es keinem Menschen kund, außer einigen wenigen, die, wie ich, im Ordenstande lebten. Ich deckte alles mit Schweigen zu bis zu der Zeit, da Gott es durch seine Gnade offenbaren wollte.
Die Gesichte, die ich schaue, empfange ich wachend, besonnen und mit klarem Geiste, mit den Augen und Ohren des inneren Menschen an allgemein zugänglichen Orten, so wie Gott es will. Wie das geschieht, ist für den mit Fleisch umkleideten Menschen schwer zu verstehen.
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6

Mittwoch, 21. Dezember 2011, 15:41

Meldung der Tagespost

Vor wenigen Minuten stellte die Tagespost die Meldung in ihr E-Paper, dass die Binger Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen am Dienstag folgendes feststellte: Mit der päpstlichen Ehrung für die heilige Hildegard von Bingen (1098–1179) werde „ihre große Anziehungskraft auf die Menschen unserer Zeit noch weiter zunehmen“ und „Das, was die Menschen schon immer empfunden haben, findet nun, 900 Jahre nach ihrem Lebensweg, die Anerkennung der Kirche.“

Nur diese Meldung bringt keine neuen Fakten zu den bisher bekannten, denn auch diese Meldung beruht auf die Veröffentlichung der „LA Stampa.“
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7

Mittwoch, 21. Dezember 2011, 15:48

Aus „Liber Scivias Domini»
1. Buch, 4. Schau - Engel
Wenn die Seele angstvoll dem Leib entschwebt, so überlässt sie unter Zittern ihre Wohnstätte dem Zerfall. Sie fürchtet das bevorstehende Verhör des ewigen Richters, denn nun erkennt sie die Verdienst ihrer Werke nach dem gerechten Urteil Gottes..... Deshalb kommen auch, während die Seele sich entlöst, lichte und finstere Geister herbei, die Genossen ihres Wandels, je nach den Bewegungen, die sie in ihrem Wohnsitz gemacht hat. Denn wenn bei der Auflösung des Menschen die Seele ihre Wohnstätte verlässt, sind nach der gerechten und wahrhaften Anordnung Gottes gute und böse Engel zugegen, die Zeugen all der Werke, die sie in und mit dem Leibe vollbracht hat. Sie erwarten das Ende, um sie nach der Auflösung mit sich zu führen, das heißt, sie harren auf das Urteil des gerechten Richters, das Er über diese Seele bei ihrer Trennung vom Leibe fällen wird, und führen sie sobald sie vom Körper befreit ist, an den Ort, dem sie nach ihren Verdiensten vom himmlischen Richter zugewiesen wird.
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8

Mittwoch, 21. Dezember 2011, 19:47

Aus „Liber Scivias Domini»
1. Buch, 4. Schau - Engel
Wenn die Seele angstvoll dem Leib entschwebt, so überlässt sie unter Zittern ihre Wohnstätte dem Zerfall. Sie fürchtet das bevorstehende Verhör des ewigen Richters, denn nun erkennt sie die Verdienst ihrer Werke nach dem gerechten Urteil Gottes..... Deshalb kommen auch, während die Seele sich entlöst, lichte und finstere Geister herbei, die Genossen ihres Wandels, je nach den Bewegungen, die sie in ihrem Wohnsitz gemacht hat. Denn wenn bei der Auflösung des Menschen die Seele ihre Wohnstätte verlässt, sind nach der gerechten und wahrhaften Anordnung Gottes gute und böse Engel zugegen, die Zeugen all der Werke, die sie in und mit dem Leibe vollbracht hat. Sie erwarten das Ende, um sie nach der Auflösung mit sich zu führen, das heißt, sie harren auf das Urteil des gerechten Richters, das Er über diese Seele bei ihrer Trennung vom Leibe fällen wird, und führen sie sobald sie vom Körper befreit ist, an den Ort, dem sie nach ihren Verdiensten vom himmlischen Richter zugewiesen wird.


Beim Lesen dieses Zitats aus den Schriften der Hildegard von Bingen stellt sich mir die Frage, woher sie das, was sie so genau beschreibt, wissen kann, denn bis heute kann kein Mensch ins Jenseits schauen...
Auch die sogenannten "Nahtoderfahrungen" sind umstritten...
:a065:
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9

Mittwoch, 21. Dezember 2011, 21:23

@ Teresa

Zitat

Bem Lesen dieses Zitats aus den Schriften der Hildegard von Bingen stellt sich mir die Frage, woher sie das, was sie so genau beschreibt, wissen kann, denn bis heute kann kein Mensch ins Jenseits schauen...
Auch die sogenannten "Nahtoderfahrungen" sind umstritten...

Darf ich Dich erinnern, dass auch die Seherkinder von Fatima in die Hölle schauten. Nachdem Hildegard eine Mystikerin war, hat sie sicher derartige Bilder in ihren Visionen erfahren können.
Außerdem kenne ich zwei Berichte von Sterbenden, die zurückgeholt wurden, dass diese sich über ihrem Körper schwebend gesehen haben, die einen Person von diesen war eine Ordensfrau, die dies berichtete und dabei sogar die Stimmen der anwesenden Mitschwestern hörte und was diese sprachen.
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10

Sonntag, 13. Mai 2012, 12:25

Kanonisierung

Papst Benedikt XVI. hat am 10. Mai die liturgische Verehrung zu Ehren der heiligen Hildegard von Bingen auf die ganze Weltkirche ausgeweitet. Es handelt sich dabei um den klassischen Fall einer „canonizatio aequipollens“. Die Kanonisierung in dieser Form bedeutet, dass die Heiligsprechung nicht in Form einer feierlichen Zeremonie sondern durch ein Dekret erfolgt. Die Verehrung dieser Heiligung erfolgte bisher in gewissen Regionen der Kirche ohne Kanonisierung. Nunmehr wird das Fest der Heiligen mit eigenen Texten für Messe und Stundengebet in den Kalender der Gesamtkirche aufgenommen. Diese Form der Kanonisierung wurde seinerzeit von Papst Benedikt XIV. geschaffen und schon für verschiedene Heilige angewendet wie zBspl. Romuald, Norbert u. a.
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11

Sonntag, 13. Mai 2012, 13:36

RE: Kanonisierung

Papst Benedikt XVI. hat am 10. Mai die liturgische Verehrung zu Ehren der heiligen Hildegard von Bingen auf die ganze Weltkirche ausgeweitet. Es handelt sich dabei um den klassischen Fall einer „canonizatio aequipollens“. Die Kanonisierung in dieser Form bedeutet, dass die Heiligsprechung nicht in Form einer feierlichen Zeremonie sondern durch ein Dekret erfolgt. Die Verehrung dieser Heiligung erfolgte bisher in gewissen Regionen der Kirche ohne Kanonisierung. Nunmehr wird das Fest der Heiligen mit eigenen Texten für Messe und Stundengebet in den Kalender der Gesamtkirche aufgenommen. Diese Form der Kanonisierung wurde seinerzeit von Papst Benedikt XIV. geschaffen und schon für verschiedene Heilige angewendet wie zBspl. Romuald, Norbert u. a.


Über diese Heiligsprechung freue ich mich von ganzem Herzen! Es hat ja doch sehr lange gedauert, aber nun ist sie endlich doch noch heilig gesprochen worden. :c014:
Danke, @Diaconus, für die Erklärung zu dieser Form der Kanonisierung! :)

Allen Gästen und Mitgliedern des Forums noch einen gesegneten Sonntag!
LG Teresa
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12

Sonntag, 30. September 2012, 12:31

7. Oktober!

Am 7. Oktober 2012, also in einer Woche ist es tatsächlich und endlich soweit: Hildegard von Bingen wird von unserem Papst zur Kirchenlehrerin ernannt! Wie schön, daß diese Nachricht, die vor etwa einem Jahr aufgetaucht ist, doch kein Gerücht war. :)

Darüber, daß nun die Erhebung dieser Heiligen zur Kirchenlehrerin erfolgt, freue ich mich von ganzem Herzen, fühle ich mich doch dem Kloster der Hildegard-Schwestern in Eibingen sehr verbunden!

Deo gratias!
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13

Donnerstag, 4. Oktober 2012, 18:30

"Eine neutestamentliche Prophetin“

Was qualifiziert die heilige Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin? Ein Gespräch mit Rainer Berndt SJ von Regina Einig und Stefanie Wiegand in der Tagespost vom Dienstag, den 2. Oktober.

Hildegard von Bingen wird am 7. Oktober zur Kirchenlehrerin erhoben. Der Historiker Rainer Berndt SJ lehrt an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Jesuiten St. Georgen im Bistum Limburg und war an der Ausarbeitung der Positio beteiligt, der gesamten Unterlagen, die der Heiligsprechungskongregation zur Untersuchung vorgelegt wurden. Im Gespräch mit Regina Einig und Stefanie Wiegand erklärt er, was Hildegard als Kirchenlehrerin auszeichnet.

Der Link zu dem Interview
http://www.die-tagespost.de/-Eine-neutes…n;art456,137741
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14

Montag, 8. Oktober 2012, 17:35

von Bingen: Auch für Protestanten bedeutsam

Unter diesem Titel veröffentlicht heute die Nachrichtenagentur idea Stellungnahmen evangelischer Theologen, die in der Folge zitiert werden.

Die von Papst Benedikt XVI. mit dem Titel „Kirchenlehrerin“ geehrte mittelalterliche Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) ist auch für Protestanten bedeutsam. Darauf weisen evangelische Ökumene-Referenten hin. In einer Feierstunde am 7. Oktober hatte der Papst Hildegards „wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Kirche ihrer Zeit“ gewürdigt. Sie habe „ihre von Gott erhaltenen Gaben zur Geltung gebracht, indem sie sich als Frau von lebhafter Intelligenz, tiefer Sensibilität und anerkannter geistlicher Autorität erwies“. Der von manchen Medien vermittelte Eindruck, Hildegard sei eine prominente Katholikin, sei falsch, sagte der Theologe Kai Funkschmidt von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW/Berlin) der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Im 12. Jahrhundert habe es in Westeuropa nur eine Kirche gegeben, die sich erst nach den Reformbemühungen Martin Luthers (1483-1546) im 16. Jahrhundert spaltete. Alle Christen könnten von Hildegard von Bingen lernen, dass der Glaube nicht nur eine Sache des Intellekts sei. „Wer sich für eine erfahrungsbezogene Spiritualität interessiert, kann sich an der mittelalterlichen Mystik, zum Beispiel an Hildegard, orientieren“, so Funkschmidt. Auf jeden Fall sei es besser, sich die geistlichen Übungen christlicher Mystiker zum Vorbild zu nehmen, als fernöstliche Meditationsmethoden anzuwenden.

Hildegard von Bingen korrespondierte mit staatlichen und kirchlichen Würdenträgern, darunter Kaiser Friedrich Barbarossa und Papst Eugen III., um ihre Erfahrungen verbreiten zu können. Als erste Frau habe sie öffentlich über die Umkehr zu Gott gepredigt und damit ihre Überzeugung unterstrichen, dass Mann und Frau vor Gott gleichwertig seien, sagte der Catholica-Referent des Konfessionskundlichen Bundes in Bensheim, Martin Bräuer. Auch die Schriften, in denen sie 290 Pflanzen, 153 Tierarten, 25 Mineralien und acht Metalle beschreibt, vermittelten die bis heute gültige Mahnung, mit der Schöpfung sorgfältig umzugehen. Zu ihren Verdiensten gehören auch die Entdeckung der Heilkraft von Ringelblumen und Ingwer. „Bei vielen Anhängern steht die adelige Nonne für ein selbstbestimmtes Leben im Einklang mit sich selbst und der Natur.“ So fasst die Süddeutsche Zeitung Hildegards konfessionsübergreifende Bedeutung zusammen.

Hildegard hat über ihre Visionen und Erkenntnisse drei theologische Abhandlungen geschrieben: die Glaubenslehre Scivias (Wisse die Wege), die Zusammenfassung ethischer Werte in Liber Vitae Meritorum (Buch der Lebensverdienste) und Betrachtungen über die Welt und den Mensch in Liber Divinorum Operum (Buch der göttlichen Werke). Bevor Hildegard die Bücher veröffentlichte, legte sie diese kirchlichen Gelehrten zur Prüfung vor. Nach Ansicht Bräuers beweist es Mut und Gottvertrauen, dass Hildegard bereit gewesen sei, trotz mancher Kritik am Zustand des Klerus – dem sie beispielsweise zu viel Streben nach weltlicher Macht vorwarf – mit kirchlichen Autoritäten zusammenzuarbeiten.

Nachdem in den vergangenen acht Jahrhunderten mehrere Initiativen zur Heiligsprechung Hildegards gescheitert waren, starteten katholische Frauenverbände 1979 einen neuen Anlauf. Am 10. Mai dieses Jahres veranlasste Papst Benedikt XVI. ihre Aufnahme in das Verzeichnis der Heiligen. Am 7. Oktober wurde Hildegard als vierte Frau zur Kirchenlehrerin ernannt.
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15

Montag, 8. Oktober 2012, 19:22

Kleine Ergänzung zum vorherigen Post:
Die Erhebung der Heiligen Hildegard von Bingen wurde zuletzt durch das Benediktinerinnen-Kloster in Eibingen an den Papst heran getragen und in aller Stlle auch durch Recherchen unterstützt. Die Benediktinerinnen von Eibingen nennen sich ja auch "Hildegard-Schwestern", um so mehr freue ich mich jetzt mit ihnen, daß die Ernennung zur Kirchenlehrerin nach 800 Jahren - in denen ja von verschiedenen Seiten aus mehrmals Anlauf genommen wurde sowohl zur Heiligsprechung Hildegards als auch zur Kirchenlehrer-Ernennung, was jedoch immer wieder gescheitert ist - nun doch erfolgt ist. So ist in diesem Jahr beides gelungen - und endlich hat die Heilige Hildegard den Stellenwert, der ihr zukommt. :)
Obl.OSB

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