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50 Jahre - II. Vaticanum

Antworten im Thema: 86 » Der letzte Beitrag (13. August 2013, 07:46) ist von diaconus.

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Mittwoch, 19. September 2012, 16:44

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
30. Teil

Sechstes Kapitel - Die Ordensleute

In den 5 Artikeln der Nummern 43 bis 47 werden in diesem Kapitel die Ordensleute „behandelt“. Damit sind jene Menschen in der Kirche gemeint, die nach dem Weg der evangelischen Räte leben,, die besonders den Weg nach jenen drei traditionellen, in entsprechenden „dauerhaften Lebensformen“ gehen, wobei die Mitglieder, der im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Orden, Genossenschaften, Kongregationen, Gesellschaften und Weltinstitute unter diesem Sammelbegriff „Ordensleute“ zusammengefasst wurden.

Nachdem dieses Kapitel für die Allgemeinheit nicht interessant ist, werden die Artikel nicht gesondert erörtert.

Siebtes Kapitel
Der endzeitliche Charakter der pilgernden Kirche und ihre Einheit mit der himmlischen Kirche


Dieses Kapitel ist über besonderen Wunsch von Papst Johannes XXIII. entstanden, dass das Konzil auch etwas über die Heiligenverehrung sagen möge und so wird in 2 Artikeln vom eschatologischen Charakter der Kirche und in 2 weiteren von der Verdeutlichung dieses endzeitlichen Charakters in der Heiligenverehrung gesprochen. (Artikel-Nummern 48 bis 51).

Artikel 48
Die Kirche, zu der wir alle in Christus Jesus berufen werden und in der wir mit der Gnade Gottes die Heiligkeit erlangen, wird erst in der himmlischen Herrlichkeit vollendet werden, wenn die Zeit der allgemeinen Wiederherstellung kommt (Apg. 3,21). Dann wird mit dem Menschengeschlecht nach die ganze Welt, die mit dem Menschen innigst verbunden ist und durch ihn ihrem Ziele entgegengeht, vollkommen in Christus erneuert werden (vgl. Eph 1,10; Kol 1,20; 2 Petr 3,10-13).

Christus hat, von der Erde erhöht, alle an sich gezogen (vgl. Joh 12,32 grch.). Auferstanden von den Toten (vgl. Röm 6,6) hat er seinen lebendigmachenden Geist den Jüngern mitgeteilt und durch ihn seinen Leib, die Kirche, zum allumfassenden Heilssakrament gemacht. Zur Rechten des Vaters sitzend, wirkt er beständig in der Welt, um die Menschen zu Kirche zu führen und durch sie enger mit sich zu verbinden, um sie mit seinem eigenen Leib und Blut zu ernähren und sie seines verherrlichten Leibes teilhaftig zu machen. Die Wiederherstellung also, die uns verheißen ist und die wir erwarten, hat in Christus schon begonnen, nimmt ihren Fortgang in der Sendung des Heiligen Geistes und geht durch ihn weiter in der Kirche, in der wir durch den Glauben auch über den Sinn unseres zeitlichen Lebens belehrt werden, bis wir das vom Vater uns in dieser Welt übertragene Werk mit der Hoffnung auf die künftigen Güter zu Ende führen und unsere Heil wirken (vgl. Phil 2,12)

Das Ende der Zeiten ist also bereits zu uns gekommen (vgl. 1 Kor 10,11), und die Erneuerung der Welt ist unwiderruflich schon begründet und wird in dieser Weltzeit in gewisser Weise wirklich vorausgenommen,. Denn die Kirche ist schon auf Erden durch eine wahre, wenn auch unvollkommene Heiligkeit ausgezeichnet. Bis es aber einen neuen Himme4nl und eine neue Erde gibt, in denen die Gerechtigkeit wohnt (vgl. 2 Petr 3,13), trägt die pilgernde Kirche in ihren Sakramenten und Einrichtungen, die noch zu dieser Weltzeit gehören, die Gestalt dieser Welt, die vergeht und zählt selbst so zu der Schöpfung, die bis jetzt noch seufzt und in Wehen liegt und die Offenbarung der Kinder Gottes erwartet (vgl. Röm 8,19-22).

Mit Christus also in der Kirche verbunden und mit dem Heiligen Geist gezeichnet, „der das Angeld unserer Erbschaft ist“ (Eph 1,14), heißen wir wahrhaft Kinder Gottes und sind es (vgl. 1 Joh 3,1). Wir sind aber noch nicht mit Christus in der Herrlichkeit erschienen (vgl. Kol 3,4), in der wir Gott ähnlich sein werden, da wir ihn schauen werden, wie er ist (vgl. 1 Joh 3,2), „Solange wir im Leibe sind, pilgern wir ferne vom Herrn“ (2 Kor 5,6), und im Besitz der Erstlinge des Geistes seufzen wir in uns (vgl. Röm 8,23), und wünschen mit Christus zu sein (vgl. Phil 1,23). Die gleiche Liebe aber drängt ans, mehr für den zu leben, der für uns gestorben und auferstanden ist (vgl. 2 Kor 5,15). „Wir sind also bestrebt, in allem dem Herrn zu gefallen (vgl. 2 Kor 5,9), und ziehen die Waffenrüstung Gottes an, um standhalten zu können gegen die Nachstellungen des Teufels und zu widerstehen am bösen Tage (vgl. Eph 6,11-13). Da wir aber weder Tag noch Stunde wissen, so müssen wir nach der Mahnung des Herrn standhaft wachen, damit wir am Ende unseres einmaligen Erdenlebens (vgl. Hebr 9,27) mit ihm zur Hochzeit eintreten und den Gesegneten zugezählt zu werden verdienen (vgl. Mt 25,31-46) und nicht wie böse und faule Knechte (vgl. Mt 25,26) ins ewige Feuer weichen müssen (vgl. Mt 25,41), in der Finsternis draußen, wo „Heulen und Zähneknirschen sein wird“ (Mt 22,13 und 25,30). Denn bevor wir mit dem verherrlichten Christus herrschen können, werden wir alle erscheinen „vor dem Richterstuhl Christi, damit ein jeder Rechenschaft ablege über das, was er in seinem leiblichen Leben getan hat, Gutes oder Böses“ (2 Kor 5,10). Am Ende der Welt „werden die, welche Gutes getan haben, hervorgehen zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben zur Auferstehung des Gerichtes“ (Joh 5,29; vgl. Mt 25,46). Wir halten also dafür, dass „die Leiden dieser Zeit nicht zu vergleichen sind mit der künftigen Herrlichkeit, die an uns offenbar werden wird „(Röm 8,,18; vgl. 2 Tim 23,11-12), und erwarten tapfer im Glauben „die selige Hoffnung und die Ankunft der Herrlichkeit unseres großen Gotte und Erlösers Jesus Christus“ (Tit 2,12), „der unseren Leib der Niedrigkeit verwandeln wird zur Gleichgestalt mit dem Leibe seiner Herrlichkeit“ (Phil 3,21). Er wird kommen, „um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und wunderbar in allen, die geglaubt haben“ (2 Thess 1,10).
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Donnerstag, 20. September 2012, 16:20

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
31. Teil

Artikel 49
Bis also der Herr kommt in seiner Majestät und die Engel mit ihm (vgl. Mt 25,31) und nach der Vernichtung des Todes ihm alles unterworfen sein wird (vgl. 1 Kor 15,26-28 ), pilgern die einen von seinen Jüngern auf Erden, die anderen sind aus diesem Leben geschieden und werden gereinigt, wieder andere sind verherrlicht und schauen „klar den dreieinen Gott selbst, wie er ist.“ Wir alle jedoch haben, wenn auch in verschiedenem Grad und auf verschiedene Weise, Gemeinschaft in derselben Gottes- und Nächstenliebe und singen unserem Gott denselben Lobgesang der Herrlichkeit. Alle nämlich, die Christus angehören und seinen Geist haben, wachsen zu der einen Kirche zusammen und sind in ihm miteinander verbunden (vgl. Eph 4,16). Die Einheit der Erdenpilger mit den Brüdern, die im Frieden Christi entschlafen sind, hört keineswegs auf, wird vielmehr nach dem beständigen Glauben der Kirche gestärkt durch die Mitteilung geistlicher Güter. Dadurch nämlich, dass die Seligen inniger mit Christus vereint sind, festigen sie die ganz Kirche stärker in der Heiligkeit, erhöhen die Würde des Gottesdienstes, den sie auf Erden Gott darbringen, und tragen auf vielfältige Weise zum weiteren Aufbau der Kirche bei (vgl. 1 Kor 12,12-27). Denn in die Heimat aufgenommen und dem Herrn gegenwärtig (vgl. 2 Kor 5,8 ), hören sie nicht auf, durch ihn, mit ihm und in ihm beim Vater für uns Fürbitte einzulegen, indem sie die Verdienste darbringen, die sie durch den einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Christus Jesus (vgl. 1 Tim 2,5), auf Erden erworben haben, zur Zeit, da sie in allem dem Herrn diensten und für seinen Leib, die Kirche; in ihrem Fleisch ergänzten, was an den Leiden Christi noch fehlt (vgl. Kol 1,24). Durch ihre brüderliche Sorge also findet unsere Schwachheit reichste Hilfe.,
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Montag, 24. September 2012, 17:24

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
32. Teil

Artikel 50
Aus der tiefen Anerkennung dieser Gemeinschaft des ganzen mystischen Leibes Jesu Christi hat die pilgernde Kirche seit den Anfängen der christlichen Religion das Gedächtnis der Verstorbenen mit großer Ehrfurcht gepflegt und hat auch Fürbitten für sie dargebracht, „weil es ein heiliger und heilsamer Gedanke ist, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden erlöst werden“ (2 Mak 12,46). Dass aber die Apostel und Märtyrer Christi, die mit ihrem Blut das höchste Zeugnis des Glaubens und der Liebe gegeben hatten, in Christus in besonderer Weise mit uns verbunden seien, hat die Kirche immer geglaubt, sie hat sie zugleich mit der seligen Jungfrau Maria und den heiligen Engeln mit besonderer Andacht verehrt und hat fromm ihrer fürbittende Hilfe erbeten. Bald wurde ihnen auch andere beigezählt, die Christi Jungfräulichkeit und Armut entschieden nachgeahmt haben, und schließlich die übrigen, welche die hervorragende Übung der christlichen Tugenden und die göttlichen Charismen der frommen Andacht und Nachahmung der Gläubigen empfahlen.

Wenn wir nämlich auf das Leben der treuen Nachfolger Christi schauen, erhalten wir neuen Antrieb, die künftige Stadt zu suchen (vgl. Hebr 13,14 und 11,10). Zugleich werden wir einen ganz verlässlichen Weg gewiesen, wie wir, jeder nach seinem Stand und seinen eigenen Lebensverhältnissen, durch die irdischen Wechselfälle hindurch zur vollkommenen Vereinigung mit Christus, nämlich zur Heiligkeit, kommen können. Im Leben derer, die, zwar Schicksalsgenossen unserer Menschlichkeit, dennoch vollkommener dem Bilde Christi gleichgestaltet werden (vgl. 2 Kor 3,18 ), zeigt Gott den Menschen in lebendiger Weise seine Gegenwart und sein Antlitz. In ihnen redet er selbst zu uns, gibt uns ein Zeichen seines Reiches, zu dem wir, mit einer großen Wolke von Zeugen umgeben und angesichts solcher Bezeugung der Wahrheit des Evangeliums, mächtig hingezogen werden.

Aber nicht bloß um des Beispiels willen begehen wir das Gedächtnis der Heiligen, sondern mehr noch, damit die Einheit der ganzen Kirche durch die Übung der brüderlichen Liebe im Geiste gestärkt wird (vgl. Eph 4,1-6). Denn wie die christliche Gemeinschaft unter den Erdenpilgern uns näher zu Christus bringt, so verbindet auch die Gemeinschaft mit den Heiligen uns mit Christus, von dem als Quelle und Haupt jegliche Gnade und das Leben des Gottesvolkes selbst ausgehen. So ziemt es sich also durchaus, diese Freunde und Miterben Christi, unserer Brüder und besonderen Wohltäter zu lieben, Gott für sie den schuldigen Dank abzustatten, „sie hilfesuchend anzurufen und zu ihrem Gebet, zu ihrer mächtigen Hilfe Zuflucht zu nehmen, um Wohltaten er erflehen von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus, der allein unser Erlöser und Retter ist“. Jedes echte Zeugnis unserer Liebe zu den Heiligen zielt nämlich seiner Natur nach letztlich auf Christus der „die Krone aller Heiligen“ ist, und durch ihn auf Gott, der wunderbar in seinen Heiligen ist und in ihnen verherrlicht wird.

Auf vornehmste Weise wird aber unsere Einheit mit der himmlischen Kirche verwirklicht, wenn wir, besonders in der heiligen Liturgie, in der die Kraft des Heiligen Geistes durch die sakramentalen Zeichen auf uns einwirkt, das Lob der göttlichen Majestät in gemeinsamen Jubel feiern. So verherrlichen wir alle, die im Blute Christi aus allen Stämmen, Sprachen, Völkern und Nationen erkauft (vergl. Offb 5,9) und zur einen Kirche versammelt sind, in dem einen Lobgesang den einen und dreifaltigen Gott. Bei der Feier des eucharistischen Opfers sind wir also sicherlich dem Kult der himmlischen Kirche innigst verbunden, da wir uns in verehrenden Gedenken vereinigen vor allem mit Maria, der glorreichen, allzeit reinen Jungfrau , aber auch mit dem heiligen Joseph wie auch den heiligen Aposteln und Märtyrern und allen Heiligen,.
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Dienstag, 25. September 2012, 15:53

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
33. Teil
Artikel 51
Diesen ehrwürdigen Glauben unserer Vorfahren an die lebendige Gemeinschaft mit den Brüdern, die in der himmlischen Herrlichkeit sind oder noch nach dem Tode gereinigt werden, übernimmt diese Heilige Synode mit großer Ehrfurcht und legt die Beschlüsse des II. Konzils von Nicäa, der Konzilien von Florenz und von Trient wiederum vor. Zugleich mahnt sie aber in ihrer Hirtensorge alle, die es angeht, bemüht zu sein, jegliche vielleicht da und dort eingeschlichene Missbräuche, Übertreibungen oder Mängel fernzuhalten oder zu beheben. Alles sollen sie erneuern zu vollerem Lob Christ und Gottes. Sie mögen also die Gläubigen darüber belehren, dass echt Heiligenverehrung nicht so sehr in der Vielfalt äußerer Akte als vielmehr in der Stärke unserer tätigen Liebe besteht, durch die wir zum größeren Wohl für uns und die Kirche „im Wandel das Beispiel, in der Gemeinschaft die Teilnahme, in der Fürbitte die Hilfe“ der Heiligen suchen. Andererseits aber sollen sie die Gläubigen unterrichten, dass unsere Gemeinschaft mit den Heiligen, sofern im vollen Licht des Glaubens verstanden, in keiner Weise den Kult der Anbetung abschwächt, der Gott dem Vater durch Christus im Heiligen Geist dargebracht wird, sondern ihn vielmehr reicher gestaltet.

Denn wir alle, die wir Kinder Gottes sind und eine Familie in Christus bilden (vgl. Hebr 3,6), entsprechen der innersten Berufung der Kirche und bekommen im voraus Anteil an der Liturgie der vollendeten Herrlichkeit, sofern wir in gegenseitiger Liebe und in dem einen Lob der Heiligsten Dreifaltigkeit miteinander Gemeinschaft haben. Wenn nämlich Christus erscheint und die Toten in Herrlichkeit auferstehen, wird der Lichtglanz Gottes die himmlische Stadt erhellen, und ihre Leuchte wird das Lamm sein (vgl. Offb 21,24). Dann wird die ganze Kirche der Heiligen in höchsten Seligkeit der Liebe Gott und das „Lamm, das geschlachtet ist“ (Offb. 5,12), anbeten und mit einer Stimme rufen: „Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm: Lobpreis und Ehre und Herrlichkeit und Macht in alle Ewigkeit“ (Offb. 5,13-14).
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Samstag, 29. September 2012, 16:38

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
34. Teil und Schluss

Nach interner Absprache der ADMINs wird zur besseren Übersicht sowohl das 6. Kapitel „Die Ordensleute“ nachträglich im Thread „Die Orden“ als auch das 8. Kapitel über Maria im Thread „Maria“ erörtert.
Auch der bereits erfolgte Posts betreffend Maria wurde hinüberkopiert.
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Mittwoch, 10. Oktober 2012, 18:47

Schrei nach Entrümpelung

Priester und Laien in dem einen Auftrag der Kirche – Zum fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanums. Von Professor Andreas Wollbold
So ein lesenswerter Kommentar in der heutigen Tagespost, wobei der Autor, Professor Wollbold, den Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwigs-Maximilians-Universität München innehat. Hier wird viel Wahres ausgesprochen.

Der Link dazu
http://www.die-tagespost.de/Schrei-nach-…g;art456,137941
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Mittwoch, 10. Oktober 2012, 18:50

Leitartikel: Symphonie des Aufbruchs

in der heutigen Tagespost von Markus Reder, der sich ebenfalls mit dem Beginn des „Jahr des Glaubens“ und rückblickend auf 50 Jahre Umsetzung des Konzils befasst.

Der dazugehörige Link
http://www.die-tagespost.de/Leitartikel-…s;art456,137920
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Mittwoch, 17. Oktober 2012, 18:36

Die dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 1

Einleitung
Diese Konstitution ist die Fassung eines Textes, der wiederholt umgearbeitet worden ist. So wurde von der Theologischen Vorbereitungskommission ein Schema „Über die Quellen der Offenbarung“ vorgelegt, dass Mitte November 1962 vom Konzil sehr kritisch diskutiert wurde. Eine Abstimmung ergab dazu eine starke, aber ungenügende Mehrheit gegen eine Fortsetzung der Debatte, sodass Papst Johannes XXIII. den Abbruch der Debatte anordnete. Er setzte eine neue, gemischte Kommission mit den gleichberechtigten Präsidenten Ottaviani und Bea ein und wünschte die Erstellung eines Schemas „Über die göttliche Offenbarung“. Diese gemischte Kommission erstellte im Frühjahr 1963 einen neuen Text. Eingereichte Abänderungsvorschläge wurden von der Theologischen Kommission eingearbeitet, sodass dieser dritte Text Ende September 1964 dem Konzil vorgelegt werden konnte. Als Ergebnis der Diskussion zu diesem vorgelegten Text entstand noch während der III. Sitzungsperiode ein vierter Text, über den im September 1964 abgestimmt werden konnte. Auch bei diesem Text, dem vierten, ergaben sich Abänderungsvorschläge, darunter einige von Seiten des Papstes, Paul VI., der jedoch frei über sie in der Theologischen Kommission abstimmen ließ und mit Umformulierungen einverstanden war. Erst am 18. November 1965 erfolgte die feierliche Schlussabstimmung, die 2344 Ja- gegen 6 Nein-Stimmen ergab und am gleichen Tag wurde die dogmatische Konstitution feierlich verkündet.

Kommentar
Zu beachten dabei ist vor allem bei der gemischten Kommission, dass die Kardinäle Ottaviani und Bea „gegenteiligen“ Lagern zugerechnet werden mussten und daher oft auch entgegengesetzte Positionen vertraten, wie aus der vorhandenen (Hintergrund-)Literatur zum Konzil hervorgeht. Dass auch Abänderungsvorschläge des Papstes Paul VI. kamen und dieser aber die Umformulierungen der Theologischen Kommission zuließ, sagt auch viel aus. Die gesamte Entwicklungsdauer des Dokuments ist „vielsagend“, denn es wurde als eines der ersten vorgelegt und als eines der letzten verabschiedet.

Nun der Konstitutionstext, der aus einem Vorwort, sechs Kapiteln und 26 Artikeln besteht.

Vorwort
Artikel 1
Gottes Wort voll Ehrfurcht hörend und voll Zuversicht verkündigend, folgt die Heilige Synode den Worten des heiligen Johannes: „Wir künden euch das ewige Leben, da beim Vater war und uns erschien. Was wir gesehen und gehört haben, künden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft habt mit uns und unsere Gemeinschaft. Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinen Sohn Jesus Christus“ (1 Joh 1,2-3). Darum will die Synode in Nachfolge des Trientiner und des Ersten Vatikanischen Konzils die echte Lehre über die göttliche Offenbarung und deren Weitergabe vorlegen, damit die ganze Welt im Hören auf die Botschaft des Heiles glaubt, im Glauben hofft und in der Hoffnung liebt.
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Freitag, 19. Oktober 2012, 17:00

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 2

Erstes Kapitel
Die Offenbarung

Artikel 2
Gott hat in seiner Güte und Weisheit beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willen kundzutun (vgl. Eph 1,)): dass die Menschen durch Christus, das fleischgewordene Wort, im Heiligen Geist Zugang zum Vater haben und teilhaftig werden der göttlichen Natur (vgl. Eph 2,18; 2 Petr 1,4). In dieser Offenbarung redet der unsichtbare Gott (vgl. Kol 1,15; 1 Tim 1, 17) aus überströmender Liebe die Menschen an wie Freunde (vgl. Ex 33,11; Joh 15,14-15) und verkehrt mi ihnen (vgl. Bar 3,38 ), um sie in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen. Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind: die Werke nämlich, die Gott im Verlauf der Heilsgeschichte wirkt, offenbaren und bekräftigen die Lehre und die durch die Worte bezeichneten Wirklichkeiten; die Worte verkündigen die Werke und lassen das Geheimnis, das sie enthalten, ans Licht treten. Die Tiefe der durch diese Offenbarung über Gott und über das Heil der Menschen erschlossenen Wahrheit leuchtet uns auf in Christus, der zugleich der Mittler und die Fülle der ganzen Offenbarung ist (vgl. Mt 11,27; Joh 1, 14 und 17; 14,6; 17,1-3; 2 Kor 3,16; 4,6; Eph 3,-14)

Artikel 3
Gott, der durch das Wort alles erschafft (vgl. Joh 1,3) und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den geschaffenen Dingen Zeugnis von sich (vgl. Röm 1,19-20). Da er aber den Weg übernatürlichen Heiles eröffnen wollte, hat er darüber hinaus sich selbst schon am Anfang den Stammeltern kundgetan. Nach ihrem Fall hat er sie wiederaufgerichtet in Hoffnung auf das Heil, indem er die Erlösung versprach (vgl. Gen 3,15). Ohne Unterlass hat er für das Menschengeschlecht gesorgt, um allen das ewige Leben zu geben, die das Heil suchen durch Ausdauer im Handeln (vgl. Röm 2,6-7). Später berief er Abraham, um ihn zu einem großen Volk zu machen (vgl. Gen 12,2), das er dann nach den Patriarchen durch Moses und die Propheten erzog, ihn allein als lebendigen und wahren Gott, als fürsorgenden Vater und gerechten Richter anzuerkennen und auf den versprochenen Erlöser zu harren. So hat er dem Evangelium den Weg durch Zeiten bereitet.
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Samstag, 20. Oktober 2012, 17:10

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 3

Artikel 4
Nachdem Gott viele Male und auf viele Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, „hat er zuletzt in diesen Tag zu uns gesprochen im Sohn“ (Hebr 1,1-2). Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes Kunde bringe (vgl. 1 Joh 1,1-18 ). Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als „Mensch zu den Menschen“ gesandt (Brief an Diognet), „redet die Worte Gottes“ (Joh 3,34) und vollendet das Heilswerk, dessen Durchführung der Vater ihm aufgetragen hat (vgl. Joh 5,36; 17,4). Wer ihn sieht, sieht auch den Vater (vgl. Joh 145,9). ER ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt und durch göttliches Zeugnis bekräftigt, dass Gott mit uns ist, um uns aus der Finsternis von Sünde und Tod zu befreien und zu ewigem Leben zu erwecken.

Daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1 Tim 6,14 und Tit 2,13).

Artikel 5
Dem offenbarenden Gott ist der „Gehorsam des Glaubens“ (Röm 16,26; vgl. Röm 1,5; 2 Kor 10,5-6) zu leisten. Darin überantwortet sich der Mensch als ganzer in Freiheit indem er sich „dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft“ (1. Vat. Konzil) und seiner Offenbarung willig zustimmt. Dieser Glaube kann nicht vollzogen werden ohne die zuvorkommende und helfende Gnade Gottes und ohne den inneren Beistand des Heiligen Geistes, der das Herz bewegt und Gott zuwenden, die Augen des Verstandes öffnen und „es jedem leicht machen muss, der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben“ (Konzil von Orange, I. Vat. Konzil). Dieser Geist vervollkommnet den Glauben ständig durch seine Gaben, um das Verständnis der Offenbarung mehr und mehr zu vertiefen.

Kommentar
Dieser Artikel legt eindeutig fest, dass sich der Gläubige in seiner Freiheit Gott und seiner Offenbarung mit Verstand und Willen unterwerfen muss, um als solcher zu gelten. Dass der Heilige Geist durch seine Gaben ständig das Verständnis für die Offenbarung vertiefen will ist vollkommen klar. Diese „Vertiefung“ bedeutet jedoch nicht, dass andere „Auslegungen“ oder „Deutungen“ möglich sind, die gegen die bisherige Lehre und Tradition der Kirche stehen, sondern „Vertiefung“ bedeutet, dass der Inhalt des Textes noch klarer im Verständnis der Gegenwart zum Tragen kommt. Damit sind die Wünsche der „Reformer“, die eine Anpassung der Offenbarung an die Gegenwart und Änderung der bisherigen Lehre wollen, eindeutig nicht gedeckt und widersprechen daher dem Konzil. Ein typischer Fall ist zBspl. die geforderte Kommunion für geschiedene Wiederverheiratete, die eindeutig im Ehebruch leben wie es Jesus in den Antithesen zur Bergpredigt, hier Mt 5,31-32, feststellte. Wer also solches fordert, steht daher im Widerspruch zum Artikel 5 mit seiner Forderung, dass der Gläubige sich der Offenbarung Gottes mit Verstand und Willen zu unterwerfen hat, und hat sich als solcher bereits im Herzen von der Offenbarung und Lehre der Kirche getrennt.

Artikel 6
Durch seine Offenbarung wollte Gott sich selbst und die ewigen Entscheidungen seines Willen über das Heil der Menschen kundtun und mitteilen, „um Anteil zu geben am göttlichen Reichtum, der die Fassungskraft des menschlichen Geistes schlechthin übersteigt“ (I. Vat. Konzil).

Die heilige Synode bekennt, „dass Gott, aller Dinge Ursprung und Ziel, mi dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen sicher erkannt werden kann (vgl. Röm 1,20); doch lehrt sie, seiner Offenbarung sei es zuzuschreiben, „dass, was im Bereich des Göttlichen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzugänglich ist auch in der gegenwärtigen Lage des Menschengeschlechtes von allen leicht, mit sicherer Gewissheit und ohne Beimischung von Irrtum erkannt werden kann“.
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Dienstag, 23. Oktober 2012, 16:59

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 4

Zweites Kapitel
Die Weitergabe der göttlichen Offenbarung

Artikel 7
Was Gott zum Heil aller Völker geoffenbart hatte, das sollte – so hat er in Güte verfügt – für alle Zeiten unversehrt erhalten bleiben und allen Geschlechtern weitergegeben werden. Darum hat Christus, der Herr, in dem die ganze Offenbarung des höchsten Gottes sich vollendet (vgl. 2 Kor 1,20; 3,16-4,6), den Aposteln geboten, das Evangelium das er als die Erfüllung der früher ergangenen prophetischen Verheißung selbst gebracht und persönlich öffentlich verkündet hat, allen zu predigen, als die Quelle jeglicher Heilswahrheit und Sittenlehre und ihnen so göttliche Gaben mitzuteilen. Das ist treu ausgeführt worden, und zwar sowohl durch die Apostel, die durch mündliche Predigt, durch Beispiel und Einrichtungen weitergaben, was sie auch Christi Mund, im Umgang mit ihm und durch seine Werke empfangen oder was sie unter der Eingebung des Heiligen Geistes gelernt hatten, als auch jene Apostel und apostolischen Männer, die unter der Inspiration des gleichen Heiligen Geistes die Botschaft vim Heil niederschrieben. (vgl. Konzil von Trient; I. Vat. Konzil).

Damit das Evangelium in der Kirche für immer unversehrt und lebendig bewahrt werde, haben die Apostel Bischöfe als ihre Nachfolger zurückgelassen und ihnen, „ihr eigenes Lehramt überliefert“ (Irenäus). Diese Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift beider Testamente sind gleichsam ein Spiegel, im dem die Kirche Gott, von dem sie alles empfängt, auf ihrer irdischen Pilgerschaft anschaut, bis sie hingeführt wird, ihn von Angesicht zu Angesicht zu sehen, so wie er ist (vgl. 1 Joh 3,2).

Artikel 8
Daher musste die apostolische Predigt, die in den inspirierten Büchern besonders deutlichen Ausdruck gefunden hat, in ununterbrochener Folge bis zu Vollendung der Zeiten bewahrt werden. Wenn die Apostel das, was auch sie empfangen haben, überliefern, mahnen sie die Gläubigen, die Überlieferungen, die sie in mündlicher Rede oder durch einen Brief gelernt haben (vgl. 2 Thess 2,15), festzuhalten und für den Glauben zu kämpfen, der ihnen ein für allemal überliefert wurde (vgl. Jud 3). Was von den Aposteln überliefert wurde, umfasst alles, was dem Volk Gottes hilft, ein heiliges Leben zu führen und den Glauben zu mehren. So führt die Kirche in Lehre, Leben und Kult durch die Zeiten weiter und übermittelt allen Geschlechtern alles, was sie selber ist, alles was sie glaubt.

Diese apostolische Überlieferung kennt in der Kirche unter dem Beistand des Heiligen Geistes einen Fortschritt: es wächst das Nachsinnen und Studium der Gläubigen, die sie in ihrem Herzen erwägen (vgl. Lk 2,19), durch innere Einsicht, die aus geistlicher Erfahrung stammt, durch die Verkündigung derer, die mit der Nachfolge im Bischofsamt das sichere Charisma der Wahrheit empfangen haben; denn die Kirche strebt im Gang der Jahrhunderte ständig der Fülle der göttlichen Wahrheit entgegen, bis an ihr sich Gottes Worte erfüllen.

Die Aussagen der heiligen Väter bezeugen die lebenspendende Gegenwart dieser Überlieferung, deren Reichtümer sich im Tun und Leben der glaubenden und betenden Kirche ergießen. Durch dieselbe Überlieferung wird der Kirche der vollständige Kanon der Heiligen Bücher bekannt, in ihr werden die Heiligen Schriften selbst tiefer verstanden und unaufhörlich wirksam gemacht. So ist Gott, der einst gesprochen hat, ohne Unterlass im Gespräch mit der Braut seines geliebten Sohnes, und der Heilige Geist, durch den die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt, führt die Gläubigen in alle Wahrheit ein und lässt das Wort Christi in Überfülle unter ihnen wohnen (vgl. Kol 3,16):

Kommentar
Der Artikel weist u. a. darauf hin, dass auch die Gläubigen in der Heiligen Schrift lesen, darüber nachsinnen (meditieren) und diese in ihrem Herzen erwägen sollen. Dies soll aber unter Berücksichtigung und unter Anleitung der Kirche, d. h. unter dem Lehramt der Kirche, geschehen. Im offiziellen Katechismus der Katholischen Kirche, der durch die Apostolische Konstitution „Fidei depositum“ von Papst Johannes Paul II., am 11.. Oktober 1992, promulgiert wurde, ist diese Lehre konzentriert und verständlich enthalten.
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Mittwoch, 24. Oktober 2012, 18:44

„Geduld, Geduld – was sind schon fünfzig Jahre?“

Fünfzig Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanums
Die heutige Tagespost bringt ein Interview von Guido Horst mit dem Kirchenhistoriker Walter Kardinal Brandmüller, das ungekürzt ins Forum gestellt wird.

Frage: Das Zweite Vatikanum war ein Pastoralkonzil, das aber auch dogmatische Erklärungen abgegeben hat. Hat es das in der Geschichte der Kirche schon einmal gegeben? Das Apostelkonzil oder das Konzil von Trient etwa hatten ja durchaus pastorale Themen, haben aber auch „Lehre definiert“...
Antwort: Es scheint in der Tat so, dass mit dem Zweiten Vatikanum ein neuer Konzilstyp geschaffen wurde. Allein schon die Sprache und die Ausführlichkeit der Texte lässt erkennen, dass die Väter des Konzils weniger neue kirchlich und theologisch strittige Fragen klären, als sich im Stile der Verkündigung an die kirchliche Öffentlichkeit und die ganze Welt wenden wollten.

Frage: Jetzt heißt es immer, die katholischen Gläubigen sollten die Texte des Konzils lesen. Ist das nicht neu? Normalerweise haben die Konzilien der Kirchengeschichte die Klärungen offener theologischer oder disziplinärer oder pastoraler Fragen herbeigeführt und diese Klärungen dann an den Episkopat und den Klerus zur Umsetzung weitergegeben. Haben früher auch die einfachen Gläubigen Konzilstexte gelesen und sich zu Herzen genommen?
Antwort: Das ist wohl etwas zu viel gesagt. Natürlich gibt es Inhalte des Konzils, die zu kennen allen Gläubigen gut anstünde – namentlich etwa die Konzilskonstitutionen über die Kirche „Lumen Gentium“, über die Liturgie „Sacrosanctum Concilium“ und über die Offenbarung „Dei Verbum“, besonders aber über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et Spes“. Andere hingegen betreffen doch eher Bischöfe und Priester. Im Übrigen ist es deren Aufgabe, die Gläubigen mit den Lehren beziehungsweise Weisungen des Konzils bekannt zu machen.

Frage: Ein „Novum“ gab es beim Zweiten Vatikanum: Das Heer von Konzilsberichterstattern und die Medien, die den Verlauf des Konzils und dessen Ergebnisse öffentlich verbreitet haben. Da wurden dann oft mehr die „Machtkämpfe“ in der Konzilsaula nach außen transportiert als die mit großer Mehrheit angenommenen Konzilsdokumente und deren Inhalte. War das nicht eine Fehlkonstruktion?
Antwort: Nun, so ganz neu ist es nicht, dass ein Konzil zum Weltereignis wird. Denken Sie an das Erste Vatikanum, das – im Rahmen des damals Möglichen – in dieser Hinsicht durchaus mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu vergleichen ist. Die deutschen Leser seien nur an die Rolle erinnert, die die in Augsburg erscheinende – der heutigen „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vergleichbare – „Allgemeine Zeitung“ im Hinblick auf das Konzil gespielt hat. Es war besonders der berühmte Münchner Theologe Ignaz von Döllinger, der zusammen mit seinem Schüler und Freund Lord Acton mit der „Allgemeinen Zeitung“ eine europaweite journalistische Kampagne gegen das Konzil und gegen Pius IX. orchestriert und dirigiert hat. Und: Schon damals gab es – trotz strengem Geheimhaltegebot – eine üppige „Dokumentenflucht“ aus der Konzilswerkstatt. Auf diese Weise sollten nicht nur die Konzilsväter manipuliert, sondern auch die Weltöffentlichkeit davon überzeugt werden, dass das Konzil einen Generalangriff auf die moderne Kultur und Gesellschaft vorbereite.

Frage: Auf jeden Fall gab es nach dem Zweiten Vatikanum so etwas wie einen „Geist des Konzils“. Eine typische Erscheinung in der Konziliengeschichte?
Antwort: „Konzilsgeist“: Das Wort mag eine Erfindung unserer Zeit sein – auch in der spezifischen Bedeutung, in der es heute gebraucht wird. Man meint damit doch häufig einen eher gefühlsmäßigen Drang nach Veränderung. In einem positiven Sinn kann man jedoch vom „Geist des Konzils“ im Zusammenhang mit dem Konzil von Trient sprechen. Dessen Dekrete über Erbsünde, Rechtfertigung, Messopfer und so weiter haben ein erneuertes Glaubensbewusstsein geschaffen und damit den Grundstein zu einem gewaltigen religiös-kulturellen Aufschwung gelegt, von dem wir noch heute zehren.

Frage. Wenn ein Konzil nach fünfzig Jahren vom Kirchenvolk nicht ordentlich rezipiert worden ist, muss man es dann nicht für gescheitert erklären und wiederholen? „Gescheitert“ ist ein hartes Wort. Aber Benedikt XVI. selber hat in seiner ersten Weihnachtsansprache vor der römischen Kurie zwei Konzils-Hermeneutiken gegenübergestellt und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als sei die vom Papst nicht bevorzugte Hermeneutik diejenige, die sich vor allem in Europa und Nordamerika durchgesetzt hat.
Antwort. Das ist eine typische Frage, die ganz dem neuartigen, hektischen Lebensgefühl unserer Zeit entspricht. Aber was sind denn schon fünfzig Jahre?! Denken Sie doch einmal an das Konzil von Nicäa, das 325 stattgefunden hat. Die Auseinandersetzungen um das Dogma dieses Konzils – der Sohn ist gleichen Wesens mit dem Vater – dauerten länger als ein Jahrhundert. Zum fünfzigsten Jahrestag des Konzils von Nicäa wurde der heilige Ambrosius Bischof von Mailand – und stand dann bis zu seinem Tod in heftigsten Auseinandersetzungen mit den Arianern, die das Nicänum ablehnten. Wenig später war ein neues Konzil – das Erste Konstantinopolitanum von 381 – notwendig geworden, um das Glaubensbekenntnis von Nicäa zu vervollständigen, und der heilige Augustinus hatte bis zu seinem Tod im Jahre 430 mit den Häretikern zu kämpfen. Auch das Konzil von Trient hatte zu seinem fünfzigsten Jahrestag – 1596 – herzlich wenige Früchte gebracht. Erst musste eine neue Generation von Bischöfen und Priestern im „Geiste des Konzils“ heranwachsen, ehe dieses seine Wirkung entfalten konnte. Wir sollten doch einen etwas längeren Atem haben.
Und nun fragen Sie nach der Hermeneutik, nach welcher das Zweite Vatikanum zu interpretieren sei. Dass – wie Benedikt XVI. betont – eine Hermeneutik des Bruches zur Interpretation nicht nur dieses Konzils, sondern aller Konzilien und sonstigen authentischen Lehraussagen der Kirche nicht in Frage kommen kann, ist offensichtlich und selbstverständlich. Wenn – und das ist katholischer Glaube – die Verheißungen Christi nicht bloßer Schall und Rauch sein sollen, dann bleibt der Herr bei seiner Kirche, dann lenkt und leitet er sie durch seinen Heiligen Geist, der sie in die ganze Wahrheit einführt und sie vor Irrtum bewahrt. Wer dies glaubt, kann es nie und nimmer für möglich halten, dass die Kirche Jesu Christi jahrhundertelang Lehren geglaubt und ihnen entsprechend gelebt habe, die dann durch ein Konzil als irrig und durch neue Lehren überholt erklärt werden könnten. Der Heilige Geist widerspricht sich nicht. Insofern ist die von Benedikt XVI. postulierte Hermeneutik der Reform in Kontinuität die einzig legitime Weise, mit der Glaubensgeschichte der Kirche umzugehen. Dazu sollte man diese allerdings kennen.

Frage: Das Zweite Vatikanum fand in einem ganz bestimmten historischen Kontext statt. Da war die Fortschritts-Euphorie der sechziger Jahre und nach zweihundert Jahren antikirchlicher Aufklärung, Revolutionen und Kulturkämpfen sah es so aus, als könne ein Schulterschluss mit der modernen Welt wieder möglich sein: Paul VI. sprach vor den Vereinten Nationen und selbst der Dialog mit kommunistischen Regimen schien nicht ausgeschlossen zu sein. Doch das Konzil tagte – und wenige Jahre später kam die 68er-Bewegung, die auch den Klerus und viele Laien erfasste, und zog der katholischen Kirche den Boden unter den Füßen weg. Ein Zweites Vatikanum von 1972 bis 1975 wäre wohl ganz anders verlaufen. Vielleicht sehr viel schlimmer. Vielleicht aber auch gereifter nach einigen bösen Erfahrungen. Sei es, wie es sei: Warum hat es der liebe Gott so eingerichtet, dass sein „Bodenpersonal“ in so hohem Maße zeitlichen und weltlichen Einflüssen unterliegt?
Antwort: Sie haben vollkommen Recht, wenn Sie die Bedeutung des historischen Kontextes hervorheben, in welchem das Konzil stattgefunden hat. Ein Konzil spricht aus der Erfahrungswelt seiner Väter heraus – und in sie hinein. Das gilt es zu beachten und es gilt, von diesen zeitbezogenen Elementen zu abstrahieren, wenn die überzeitlich gültige Aussage eines Konzils ermittelt werden soll. Dass die 68er-Bewegung der Kirche den Boden unter Füßen weggezogen habe... Damit meinen Sie doch nicht den Felsen, auf den sie der Herr errichtet hat? (lacht...)
Doch Spaß beiseite: Die Erschütterungen der 68er-Kulturrevolution innerhalb der Kirche waren heftig und sind bis heute nicht überwunden. Ob ein 1972 bis 1975 tagendes Konzil anders verlaufen wäre, das weiß der Herr der Geschichte, der Historiker weiß es nicht. Lassen wir es dahingestellt. Und warum „sein Bodenpersonal“ in so hohem Maße – wie Sie sagen – weltlichen Einflüssen unterworfen ist? Warum hat Gott es auch zugelassen, dass im vierten Jahrhundert „der ganze Erdkreis seufzte und mit Erstaunen feststellte, dass er arianisch geworden war“ (Hieronymus). Warum? „Fluctuat nec mergitur! Von Wogen geschüttelt wird es dennoch nicht untergehen!“ Das gilt nicht nur für das Schifflein im Stadtwappen von Paris, das gilt noch mehr für die Kirche.
--- Fortsetzung nächste Seite ---

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Mittwoch, 24. Oktober 2012, 18:48

--- Fortsetzung ---
Frage: So – jetzt reden wir auch einmal über die Früchte des Konzils. Was fällt Ihnen da ein?
Antwort: Früchte des Konzils? Wie gesagt, Sie sind sehr ungeduldig...

Frage: Eine Frucht war sicherlich der „Katechismus der Katholischen Kirche“...
Antwort: Natürlich, der „Katechismus der Katholischen Kirche“. Das ist eine Analogie zum Tridentinum: Nach dem Konzil von Trient wurde der Catechismus Romanus herausgegeben, der Pfarrern, Predigern und so fort als Maßstab für Predigt und Verkündigung an die Hand gegeben wurde.
Auch der Kodex des kanonischen Rechts von 1983 ist als Frucht des Konzils zu bezeichnen – man wird freilich sagen dürfen, dass letztere Frucht noch der Nachreife bedarf. Dass die nachkonziliare Liturgieform mit ihren Fehlentwicklungen und Umbrüchen nicht dem Konzil und seiner – nach wie vor noch nicht wirklich umgesetzten – Liturgiekonstitution anzulasten ist, sei ausdrücklich bemerkt.
Die weithin erfolgte Entfernung des Latein und des Gregorianischen Chorals wie auch die nahezu flächendeckende Aufstellung von Volksaltären können sich keinesfalls auf Vorschriften des Konzils berufen. Die Etablierung von Pfarrgemeinde-, Dekanats- und Diözesanräten hat – wo nicht mit gesundem Hausverstand durchgeführt – zu einer, wie schon Klaus Mörsdorf kritisch bemerkte, Parallelhierarchie, zu einer mit der sakramental-hierarchischen Struktur nicht zu vereinbarenden „Demokratisierung“ der Kirche und damit zu großen Problemen geführt. Dabei kann von einer wirklichen demokratischen Repräsentanz der Gläubigen überhaupt keine Rede sein, denkt man an die meist lächerlich geringe Beteiligung an den Pfarrgemeinderatswahlen. Laienverantwortung und deren Mitarbeit hatte es längst vor dem Konzil und in erheblichem Umfang gegeben.

Frage: Die Verbreitung der „Katechismus der Katholischen Kirche“ ist ein zentrales Anliegen des Papstes für das „Jahr des Glaubens“. Konzil – Katechismus – Glaubensjahr: Benedikt XVI. hat diesen Zusammenhang ganz explizit herausgestellt. Was kann man tun? Volksmissionen? Sonntagsschulen? In vielen Familien greift die Weitergabe des Glaubens ja nicht mehr. Und der Religionsunterricht hat sich anderen Themen zugewandt...
Antwort: Damit weisen Sie allerdings auf das vielleicht größte und brennendste Problem hin, das es zu bewältigen gilt: die Glaubensvermittlung. Auf diesem Gebiet gibt es seit Jahrzehnten bedrückende Missstände. Da ist zuerst der Religionsunterricht, der, Gott sei Dank, noch in den Schulen stattfinden kann, zu nennen. Dieser Unterricht erfolgt, wie die von Fran¹ois Reckinger durchgeführten Untersuchungen beweisen, auf weite Strecken hin nach Materialien, die selbst grobe Glaubensirrtümer enthalten. Es ist kaum zu verstehen, dass diese die Approbation durch die bischöflichen Behörden erlangen konnten. Die acht vorzüglichen, mit dem Deutschen Schulbuchpreis ausgezeichneten katechetischen Bände von Bischof Andreas Laun hingegen sind andererseits bisher als Lehrmittel nicht zugelassen. Hier stellt sich eine Aufgabe von größter Dringlichkeit, die jetzt im Blick auf das „Jahr des Glaubens“ mit Entschiedenheit in Angriff genommen werden muss. Warum – auch das ist nachdrücklich zu fragen – gibt es bis heute keine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz zur Evangelisation der Millionen von Immigranten aus nichtchristlichen Kulturbereichen? Wäre das nicht auch im Sinne einer wirklichen Integration dringend nötig? Das alles kann, soll, muss im „Jahr des Glaubens“ in Angriff genommen werden. Nur eine missionierende, verkündigende Kirche ist eine lebendige Kirche! Damit sie das wieder werden kann, ist es unerlässlich, all jene, die im Dienst der Verkündigung stehen, beginnend mit den theologischen Fakultäten, alle Referenten katholischer Institutionen, Religionslehrer, Erwachsenenbildner und Leiter/innen von Erstkommunion- und Firmgruppen darauf zu verpflichten, den authentischen katholischen Glauben zu vermitteln.

Frage: Ein für jeden feststellbares Merkmal der „nachkonziliaren Kirche“ ist die veränderte Liturgie. Die Reform der Liturgie wurde von den Konzilsvätern „in Auftrag gegeben“ – gemacht haben sie andere. Im Sinne des Zweiten Vatikanums?
Antwort: Diese Frage ist zweifellos zu stellen, und sie kann nur mit erheblichen Einschränkungen bejahend beantwortet werden. Insbesondere sieht man im Rückblick deutlich, mit welchem Mangel an seelsorgerischem Einfühlungsvermögen, an pastoralem Hausverstand bei der Liturgiereform vorgegangen wurde. Man denke nur an die geradezu an den Bildersturm des achten Jahrhunderts erinnernden Exzesse in den Kirchen, die zahllose Gläubige heimatlos gemacht haben. Doch darüber ist längst alles gesagt. Mittlerweile setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Liturgie eine elementare Lebensäußerung der Kirche ist, die zwar der geschichtlichen organischen Entwicklung unterliegt, nicht aber, wie geschehen, per ordre de mufti abrupt dekretiert werden kann. An den Folgen leiden wir noch heute.

Frage: Eine abschließende Frage: Stehen wir unter Zeitdruck, offene Fragen, die das Konzil hinterlassen hat, jetzt bald zu klären? Oder wäre es vielleicht besser, das Konzil und die Unruhezeit im Anschluss zu vergessen und stattdessen wieder zum Wesentlichen des katholischen Glaubens zurückzukehren? Also zu den Kernfragen der menschlichen Existenz – woher kommen wir, wer sind wir, was wird aus uns? –, anstatt in irgendwelchen Dialogprozessen „Reizthemen“ zu diskutieren – wiederverheiratete Geschiedene, Frau und Amt, homosexuelle Partnerschaften und so weiter.
Antwort: Damit, meine ich, ist diese Frage auch schon beantwortet. Lassen wir uns nicht die ewiggestrigen Reizthemen aufdrängen und dadurch vom Wesentlichen ablenken, wie es der Feind Gottes und der Menschen so oft mit Erfolg versucht. Kein „Dialog“, sondern Verkündigung heißt das Gebot der Stunde! Ein unter völlig neuer Führung arbeitender Weltbild-Verlag könnte hierfür ein wirksames Instrument werden.
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Donnerstag, 25. Oktober 2012, 16:59

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 5

Artikel 9
Die heilige Überlieferung und die Heilige Schrift sind eng miteinander verbunden und haben aneinander Anteil. Demselben göttlichen Quell entspringend, fließen beide gewissermaßen in eins zusammen und streben demselben Ziel zu. Denn die Heilige Schrift ist Gottes Rede, insofern sie unter dem Anhauch des Heiligen Geistes schriftlich aufgezeichnet wurde. Die Heilige Überlieferung aber gibt das Wort Gottes, das von Christus dem Herrn und vom Heiligen Geist den Aposteln anvertraut wurde, unversehrt an deren Nachfolger weiter, damit sie es unter der erleuchtenden Führung des Geistes der Wahrheit in ihrer Verkündigung treu bewahren, erklären und ausbreiten. So ergibt sich , dass die Kirche ihre Gewissheit über alles Geoffenbarte nicht aus der Schrift allein schöpft. Daher sollen beide mit gleicher Liebe und Achtung angenommen und verehrt werden.

Artikel 10
Die Heilige Überlieferung und die Heilige Schrift bilden den einen der Kirche überlassenen heiligen Schatz des Wortes Gottes. Voller Anhänglichkeit an ihn verharrt das ganze heilige Volk, mit seinen Hirten vereint, ständig in der Lehre und Gemeinschaft der Apostel, bei Brotbrechen und Gebet (vgl. Apg 8,42 grch.), so dass im Festhalten am überlieferten Glauben, in seiner Verwirklichung und seinem Bekenntnis ein einzigartiger Einklang herrscht zwischen Vorstehern und Gläubigen (vgl. Pius XII., Apost. Konst. Munificentissimus Deus, 1. 11. 1950).

Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indes es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft.

Es zeigt sich also, dass die Heilige Überlieferung, die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche gemäß dem weisen Ratschluss Gottes so miteinander verknüpft und zueinander zugesellt sind, dass keines ohne die beiden anderen besteht und dass alle zusammen, jedes auf seine Art, durch das Tun des einen Heiligen Geistes wirksam dem Heil der Seelen dienen.

Kommentar
Die Artikel 9 und 10 sind so klar formuliert, dass alle jene, die immer wieder dieselben zeitgeistigen Reformen fordern, wie Frauenpriestertum, Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene usw. und gleichzeitig behaupten, dass das 2 Vaticanum eine „neue“ Kirche gebracht habe und sich dabei auf das Konzil berufen, in Wirklichkeit eindeutig gegen das Konzil stehen und daher als Abweichler, Spalter usw. zu betrachten sind. Unser Hl. Vater,.Papst Benedikt XVI., hatte auf alle Fälle Recht als er in einer Ansprache in einem Wallfahrtsort – ich glaube es war in Fatima – feststellte, dass die wahren Feinde der Kirche in ihrem Innern sind. Dem ist unbedingt zuzustimmen, denn dass die Atheisten, Agnostiker, Ungläubige und Nichtkatholiken der Kirche nicht wohlwollend gegenüberstehen ist ja von vornherein klar. Diese „sogenannten“ Katholiken, die sich angeblich um die Kirche sorgen, sollten, wenn sie wirklich für die Kirche positive Aspekte haben wollen, sofort zur unverkürzten und unverfälschten Offenbarung und Lehre der Kirche zurückkehren oder „die Kirche, die nicht mehr die ihre ist, verlassen und diese nicht unterwandern“ wie Karl Rahner in einem Interview einige Zeit vor seinem Tod sagte.
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75

Freitag, 26. Oktober 2012, 17:07

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 6

Drittes Kapitel
Die göttliche Inspiration und die Auslegung der Heiligen Schrift

Artikel 11
Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten und Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind! Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten (vgl. Pius XXI., Enzykl. Divino affiante)., all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern (Leo XIII., Ezykl. Providentissimus Deus).

Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte (Augustinus, Konzil von Trient, Thomas von Aquin) Daher „ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohlgerüstet zu jedem guten Werk“ (2 Tim 3,15-17 grch.)

Artikel 12
Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat (Augustinus), muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte.

Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben andrem auf die literarischen Gattungen zu achten.

Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen.

Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagiograph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend – mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen – hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat. Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muss man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-. Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren (Pius XII.)

Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde (vgl. Benedikt XV., Enzykl. Spiritus Paraclitus, 15. 9. 1920)), erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Schrifterklärung betrifft, untersteht letztlich dem Urteil der Kirche; deren gottgegebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen ((I. Vat. Konzil)

Artikel 13
In der Heiligen Schrift also offenbart sich, unbeschadet der Wahrheit und Heiligkeit Gottes eine wunderbare Herablassung der ewigen Weisheit, „damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennenlernen und erfahren, wie sehr er sich aus Sorge für unser Geschlecht in seinem Wort herabgelassen hat“ (Johannes Chrysostomus). Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschliche Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist.
--- Kommentar dazu m nächsten Post---
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Freitag, 26. Oktober 2012, 17:11

Kommentar zu den DV-Artikeln 11- 13
Das 2. Vatikanische Konzil hat in diesem Dokument und den Artikeln 11 – 13 klargestellt, dass die Verfasser der Heiligen Schrift göttlich inspiriert waren und diese unter dem Einfluss des Heiligen Geistes verfassten. Wenn auch Artikel 12 Richtlinien zur Exegese gibt was bei der Schriftauslegung zu berücksichtigen ist, insbesondere der Kontext ist dabei zu beachten - die historisch-kritische Methode wird jedoch nicht erwähnt - so wird klargestellt, dass alles was die Schrifterklärung betrifft dem Urteil der Kirche unterliegt deren gottgegebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen.

Da es in allen Bereichen der Theologie, vor allem in der Einleitungswissenschaft, liberale bzw. „modernistische“ Lehrende gibt, die diese Wissenschaft ideologisch betreiben, ist immer zu beachten wer und welche Lehrmeinung vertreten wird und ob diese überhaupt dem Urteil der Kirche und den Exegese-Vorgaben des Konzil-Dokumentes entsprechen. Vor allem die „modernistische“ Einleitungswissenschaft will viele neutestamentliche Schriften in die nachapostolische Zeit, also mindestens 50 Jahr später, wenn nicht mehr, verlegen um deren Verbindlichkeit zu untergraben. Unter dieser Prämisse würden zBspl. die Paulusbriefe nicht von diesem sondern von irgendeinem Autor stammen oder die prophetische Aussage Jesu über die Zerstörung Jerusalems in den synoptischen Evangelien würden bereits das Faktum enthalten, da diese erst nach 70 geschrieben worden wären – was eindeutig nicht der Fall ist oder auch die Worte Jesu über die Ehescheidung und Wiederverheiratung, dass dieser Ehebruch ist (Antithesen der Bergpredigt, Mt 5,31-32) wäre eine Einfügung des Autors – was insofern ein logischer Nonsens ist, denn kein Autor würde einer Verschärfung gegenüber dem Scheidebrief der Juden aus sich heraus das Wort reden wenn er es nicht als Jesusworte gehört hätte.
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Samstag, 27. Oktober 2012, 18:24

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 7

Viertes Kapitel
Das Alte Testament

Artikel 14
Der liebende Gott, der um das Heil des gesamten Menschengeschlechtes besorgt war, bereitete es vor, indem er sich nach seinem besonderen Plan ein Volk erwählte, um ihm Verheißungen anzuvertrauen. Er schloss mit Abraham (vgl. Gen 15,8 ) und durch Moses mit dem Volke Israel (vgl. Ex 24,8 ) einen Bund. Dann hat er sich dem Volk, das er sich erworben hatte, durch Wort und Tat als einzigen, wahren und lebendigen Gott so geoffenbart, dass Israel Gottes Wege mit den Menschen an sich erfuhr, dass es sie durch Gottes Wort aus der Propheten Mund allmählich voller und klarere erkannte und sie unter den Völkern mehr und mehr sichtbar machte (vgl. Ps 21,28-29; 95,1-5; Jes 2,1-4; Jer 3,17). Die Geschichte des Heiles liegt von heiligen Verfassern vorausverkündet, berichtet und gedeutet, als wahres Wort Gottes vor in den Büchern des Alten Bundes, ;darum behalten diese von Gott eingegebenen Schriften ihren unvergänglichen Wert: „Alles nämlich, was geschrieben steht, ist zu unserer Unterweisung geschrieben, damit wir durch sie Geduld und den Trost der Schriften Hoffnung haben“ (Röm 15,4).

Artikel 15
Gottes Geschichtsplan im Alten Bund zielte vor allem darauf, das Kommen Christi, des Erlösers des Alls, und das Kommen des messianischen Reiches vorzubereiten, prophetisch anzukündigen (vgl. Lk 24,44; Joh 5,39; 1 Petr 1,10) und in verschiedenen Vorbildern anzuzeigen (vgl. 1 Kor 10,11). Die Bücher des Alten Bundes erschließen allen entsprechend der Lage, in der sich das Menschengeschlecht vor der Wiederherstellung des Heils in Christus befand, Wissen über Gott und Mensch und erschließen die Art du Weise, wie der gerechte und barmherzige Gott an den Menschen zu handeln pflegt. Obgleich diese Bücher auch Unvollkommenes und Zeitbedingtes enthalten, zeigen sie doch eine wahre göttliche Erziehungskunst (Pius XI. Enzyk. „Mit brennender Sorge“ 14. 3. 1937). Ein lebendiger Sohn für Gott drückt sich in ihnen aus. Hohe Lehren über Gott, heilbringende menschliche Lebensweisheit, wunderbare Gebetsschätze sind in ihnen aufbewahrt. Schließlich ist das Geheimnis unseres Heiles in ihnen verborgen. Deshalb sollen diese Bücher von denen, die an Christus glauben, voll Ehrfurcht angenommen werden.

Artikel 16
Gott, der die Bücher beider Bünde inspiriert hat und ihr Urheber ist, wollte in Weisheit, dass der Neue im Alten verborgen und der Alte im Neuen erschlossen sei (Augustinus). Denn wenn auch Christus in seinem Blut einen Neuen Bund gestiftet hat (vgl. Lk 22,20; 1 Kor 11,25), erhalten und offenbaren die Bücher des Alten Bundes, die als Ganzes in die Verkündigung des Evangeliums aufgenommen wurden (Irenäus, Cyrill von Jerusalem, Theodor von Mopsuestia) , erst im Neuen Bund ihren vollen Sinn (vgl. Mt 5,17; Lk 24,27; Röm 16,25-26; 2 Kor 3,14-16); wie sie diesen wiederum beleuchten und deuten.

Kommentar
Dieser Abschnitt „Altes Testament“ der dogmatischen Konstitution „Die verbum“ wiederholt und macht deutlich, dass das Neue Testament ohne Bezug auf das Alte Testament nicht verständlich ist. Damit haben alle jene Christen, die immer wieder erklären nur das Neue Testament sei maßgeblich, einen verkürzten und verfälschten Glauben und widersprechen damit auch Jesus selbst, der erklärte: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Mt 5,17). Dasselbe gilt auch für das oft anzutreffende Argument, dass im AT Gott ein strafender, rächender und unbarmherziger ist. Wer diese Meinung vertritt, versteht entweder das AT nicht oder will nicht zur Kenntnis nehmen, dass diese Stellen genau darauf hinweisen, dass Israel die Gebote und Anweisungen Gottes nicht befolgt hat und die Konsequenzen daraus zu tragen hatte.
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78

Sonntag, 28. Oktober 2012, 16:42

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 8

Fünftes Kapitel
Das Neue Testament

Artikel 17
Das Wort Gottes, Gottes Kraft zum Heil für jeden, der glaubt (vgl. Röm 1,16), kommt zu eiuzigartiger Darstellung und Kraftentfaltung inm den Schriften des Neuen Bundes; denn als die Fülle der Zeit kam (vgl. Gal 4,4), ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, voll Gnade und Wahrheit (vgl. Joh 1,14). Christus hat das Reich Gottes auf Erden wiederhergestellt, in Tat und Wort seinen Vater und sich selbst geoffenbart und sein Werk durch Tod, Auferstehung, herrliche Himmelfahrt und Sendung des Heiligen Geistes vollendet. Von der Erde erhöht zieht er alle an sich (vgl. Joh 12,32 grch.); denn er allein hat Worte des ewigen Lebens (vgl. Joh 6,68 ).

Anderen Geschlechtern ward dieses Geheimnis nicht kundgetan, wie es nun geoffenbarte worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Heiligen Geist (vgl. Eph 3,4-6 grch), damit sie das Evangelium verkünden, den Glauben an Jesus als Christus und Herrn wecken und die Kirche sammeln. Dafür sind die Schriften des Neuen Bundes das unvergängliche und göttliche Zeugnis.

Artikel 18
Niemanden kann es entgehen, dass unter allen Schriften, auch unter denen des Neuen Bundes , den Evangelien mit Recht ein Vorrang zukommt. Denn sie sind das Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers.

Am apostolischen Ursprung der vier Evangelien hat die Kirche immer und überall festgehalten und hält daran fest; denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes (Irenäus).
Preis den Herrn!

diaconus

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79

Montag, 29. Oktober 2012, 17:33

Die Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei verbum“ (DV) - Teil 9

Artikel 19
Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten, und hält daran fest, dass die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigen Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1-2). Die Apostel haben nach der Auffahrt des Herrn das, was er selbst gesagt uid getan hatte, ihren Hörern mit jenem volleren Verständnis überliefert, das ihnen aus der Erfahrung der Verherrlichung Christi und aus dem Licht des Geistes der Wahrheit zufloss. Die biblischen Verfasser aber haben die vier Evangelien redigiert, indem sie einiges aus dem vielen auswählten, das mündlich oder auch schon schriftlich überliefert war, indem sie anderes zu Überblicken zusammenzogen oder im Hinblick auf die Lage in den Kirchen verdeutlichten, indem sie schließlich die Form der Verkündigung beibehielten, doch immer so, dass ihre Mitteilungen über Jesus wahr und ehrlich waren (Instruktion Sancta Mater Ecclesia der Päpstlichen Bibelkommission). Denn ob sie nun aus eigenem Gedächtnis und Erinnern schrieben oder auf Grund des Zeugnisses jener, „die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren“, es ging ihnen immer darum, dass wir die „Wahrheit“ der Worte erkennen sollten, von denen wir Kunde erhalten haben (vgl. Lk 1,2-4).

Artikel 20
Der neutestamentliche Kanon umfasst außer den vier Evangelien auch die Briefe des Paulus und andere apostolische Schriften, die unter der Eingebung des Heiligen Geistes verfasst sind. In ihnen wird nach Gottes weisem Ratschluss die Botschaft von Christus dem Herrn besttätigt, seine echte Lehre mehr und mehr erklärt, die heilbringende Kraft des göttlichen Werkes Christi verkündet; die Anfänge der Kirche und ihre wunderbare Ausbreitung werden erzählt und ihre herrliche Vollendung vorausverkündet.

Denn der Herr Jesus ist bei seinen Aposteln geblieben, wie er verheißen hatte (vgl. Mt 28,20), und hat ihnen als Beistand den Geist gesandt, der sie in die Fülle der Wahrheit einführen sollte (vgl. Joh 16,13).

Kommentar
Im Rahner-Vorgrimmler-Kommentar wird zum Artikel 19 fast triumphal verkündet, dass der erste Entwurf nicht angenommen worden war, weil er alle Exegeten verurteilt hatte, die bezweifelten, dass alles, was die Evangelien berichten und wie sie es berichten, historische Wahrheit ist. Damit wurde dem liberalen Zweig der Einleitungswissenschaft „Tür und Tor“ gelöffnet, die bezweifelt, dass die Evangelien noch aus der Apostolischen Zeit stammen (Spätdatierung ab 70 und später) sowie auch einzelne Theologen dieser Richtung erklären, dass in den Evangelien maximal 7 (sieben) Worte Jesu zugeschrieben werden können und alles andere in den Köpfen der Evangelisten entstanden ist. Damit werden alle Grundlagen des christlichen Glaubens inkl. der göttlichen Inspiration der Evangelien faktisch in Zweifel gezogen und dieser auf Menschenideen reduziert. Der Artikel bemüht sich zwar in seinem Text dies nicht zu deutlich zum Ausdruck zu bringen, weil eine Minderheit dagegen auftrat, aber unterschwellig schwingt es schon mit, sodass sich die Periti und jene Konzilsväter die Anhänger der „Theologie nouvelle“ waren, weitgehend durchgesetzt hatten. Dass damit alle jene vor den Kopf gestoßen geworden sind, die die bisherigen kirchlichen Lehraussagen vertraten, sei nur am Rande erwähnt.
Preis den Herrn!

Teresa

Meister

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80

Dienstag, 30. Oktober 2012, 00:53

Es ist doch inzwischen längst wissenschaftlich erwiesen, daß die sogenannte "Spätdatierung" der Evangelien ein Irrtum war.
Bisher habe ich persönlich noch keinen Pfarrer erlebt, der an der Wahrheit der Evangelien gezweifelt hätte.
Die Unterstellung, daß die Evangelien nicht mehr den ihnen zukommenden Stellenwert hätten, hört sich für mich eher nach "Gegenpropaganda" der Piusbrüder an!

Überall wird in der Heiligen Messe das Evangelium mit Ehrfurcht behandelt: Es ist doch GOTTES Wort! Das habe ich in Regensburg, Leipzig, in Rom sowieso und bei uns in der Diaspora nie anders erlebt!
Obl.OSB

Gelobt sei Jesus Christus!