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50 Jahre - II. Vaticanum

Antworten im Thema: 86 » Der letzte Beitrag (13. August 2013, 07:46) ist von diaconus.

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Dienstag, 6. März 2012, 18:08

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
13. Teil

Die nachfolgenden Artikel 20 – 27 der Konstitution befassen sich ausschließlich mit dem Amt des Bischofs, weisen jedoch in den Artikeln 20 und 21 jedoch auf die anderen Weihestufen hin. Es werden daher nachstehend nur jene wichtigen Sätze zitiert, die auch für das Wissen der Laien bzw.. der Allgemeinheit erforderlich sind.

Aus Artikel 20
Jene göttliche Sendung, die Christus den Aposteln anvertraut hat, wird bis zum Ende der Welt dauern (vgl. Mt. 28,20). Denn das Evangelium, das sie zu überliefern haben, ist für alle Zeiten der Ursprung jedweden Lebens für die Kirche. Aus diesem Grunde trafen die Apostel in dieser hierarchisch geordneten Gesellschaft für die Bestellung von Nachfolgern Sorge.

Sie hatten nämlich nicht bloß verschiedene Helfer im Dienstamt (vgl. Apg 6,2-6, 11.30; 13,1; usw.), sondern übertrugen, damit die ihnen anvertraute Sendung nach ihrem Tode weitergehe, gleichsam nach Art eines Testamentes ihren unmittelbaren Mitarbeitern die Aufgabe, das von ihnen begonnene Werk zu vollenden und zu kräftigen. Sie legten ihnen ans Herz, achtzuhaben auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist sie gesetzt habe, die Kirche Gottes zu weiden (vgl. Apg 20,28 ). Deshalb bestellten sie solche Männer und gaben dann Anordnung, dass nach ihrem Hingang andere bewährte Männer ihr Dienstamt übernähmen. Unter den verschiedenen Dienstämtern, die so von den ersten Zeiten in der Kirche ausgeübt werden, nimmt nach dem Zeugnis der Überlieferung das Amt derer einen hervorragenden Platz ein, die zum Bischofsamt bestellt sind und kraft der auf den Ursprung zurückreichenden Nachfolge Ableger apostolischer Pflanzung besitzen.

Die Bischöfe haben also das Dienstamt in der Gemeinschaft mit ihren Helfern den Priestern und den Diakonen übernommen. An Gottes Stelle stehen sie der Herde vor, deren Hirten sie sind, als Lehrer in der Unterweisung, als Priester im heiligen Kult; als Diener der Leitung. Wie aber das Amt fortdauern sollte, das vom Herrn ausschließlich dem Petrus, dem ersten der Apostel übertragen wurde und auf seinen Nachfolger übergehen sollte, so dauert auch das Amt der Apostel die Kirche zu weiden, fort und muss von der der heiligen Ordnung der Bischöfen immerdar ausgeübt werden.

Kommentar
Der letzte zitierte Satz verweist auf die apostolische Sukzession der Bischöfe hin. Außerdem weist der Artikel darauf hin, dass die Dienstämter in der Kirche auf die apostolische Zeit zurückgehen (vgl. auch 1 Tim 3; Tit 1,5-9).

Aus Artikel 21
In den Bischöfen, denen die Priester zur Seite stehen ist also inmitten der Gläubigen der Herr Jesus Christus, der Hohepriester, anwesend. Zur Rechten des Vaters sitzend, ist er nicht fern von der Versammlung seiner Bischöfe, sondern vorzüglich durch ihren erhabenen Dienst verkündet er allen Völkern Gottes Wort und spendet den Glaubenden immerfort die Sakramente des Glaubens.

Diese Hirten, die ausgewählt sind, die Herde des Herrn zu weiden, sind Diener Christi und Ausspender der Geheimnisse Gottes. Ihnen ist das Zeugnis für die frohe Botschaft von der Gnade Gottes anvertraut (vgl. Röm 15,16; Apg. 20,24) und der Dienst des Geistes und der Gerechtigkeit in Herrlichkeit (vgl. 2 Kor 3,8-9).

Um solche Aufgaben zu erfüllen, sind die Apostel mit einer besonderen Ausgießung des herabkommenden Heiligen Geistes von Christus beschenkt worden (vgl. Apg 1,8; 2,4: Joh 20,22-23). Sie hinwiederum übertrugen ihren Helfern durch die Auflegung der Hände die geistliche Gabe (vgl. 1 Tim 4,14; 2 Tim 1,6-7), die in der Bischofsweihe bis auf uns gekommen ist. Die Heilige Synode lehrt aber, dass durch die Bischofsweihe die Fülle des Weihesakramentes übertragen wird.
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Dienstag, 27. März 2012, 17:21

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
14. Teil

Der Artikel 22 widmet sich dem Thema des Bischofskollegiums, das Nachfolger des Apostelkollegiums ist, und dessen Haupt der Papst ist. Ohne dem Papst hört es auf Kollegium zu sein. Dieses Kollegium hat die höchste und volle Gewalt in der Kirche inne, und hat mit und unter dem Papst dieselbe Vollmacht wie dieser, wobei jedoch aus dem Wesen dieses Kollegiums heraus die Mitwirkung des Papstes unbedingt erforderlich ist.

Aus Artikel 22
Wie nach der Verfügung des Herrn der heilige Petrus und die übrigen Apostel ein einziges apostolisches Kollegium bilden, so sind in entsprechender Weise der Bischof von Rom, der Nachfolger Petri, und die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, untereinander verbunden. Schon die uralte Disziplin, dass die auf dem ganzen Erdkreis bestellten Bischöfe untereinander und mit dem Bischof von Rom im Bande der Einheit, der Liebe und des Friedens Gemeinschaft hielten (vgl. Eusebius, Hist. Eccl. V 24,10), desgleichen das Zusammentreten von Konzilien (vgl. Eusebius ebd. V 23-34), zur gemeinsamen Regelung gerade der wichtigeren Angelegenheiten (Tertullian, De leiunio,13) in einem durch die Überlegung vieler abgewogenen Spruch (Cyprian, Epist 56,3) weisen auf die kollegiale Natur und Beschaffenheit des Episkopats hin. Das beweisen die im Lauf der Jahrhunderte gefeierten ökumenischen Konzilien.

Das Kollegium oder die Körperschaft der Bischöfe hat aber nur Autorität, wenn das Kollegium verstanden wird in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger Petri, als seinem Haupt, und unbeschadet dessen primatialer Gewalt über alle Hirten und Gläubigen. Der Bischof von Rom hat nämlich kraft seines Amtes als Stellvertreter Christi und Hirt der ganzen Kirche volle, höchste und universale Gewalt über die Kirche und kann sie immer frei ausüben. Die Ordnung der Bischöfe aber, die dem Kollegium der Apostel im Lehr- und Hirtenamt nachfolgt, ja, in welcher die Körperschaft der Apostel immerfort weiter besteht, ist gemeinsam mit ihrem Haupt , dem Bischof von Rom, und niemals ohne dieses Haupt, gleichfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die Kirche. Diese Gewalt kann nur unter Zustimmung des Bischofs von Rom ausgeübt werden. Der Herr hat allein Simon zum Fels und Schlüsselträger der Kirche bestellt (vgl. Mt 16,18-19) und ihn als Hirten der ganzen Herde eingesetzt (vgl. Joh 21,15fff).

Die höchste Gewalt über die ganze Kirche, die dieses Kollegium besitzt, wird in feierlicher Weise im ökumenischen Konzil ausgeübt. Ein ökumenisches Konzil gibt es nur, wenn es vom Nachfolger Petri als solches bestätigt oder wenigstens angenommen wird; der Bischof von Rom hat das Vorrecht, diese Konzilien zu berufen, auf ihnen den Vorsitz zu führen und sie zu bestätigen (vgl. CIC, can 227). Die gleiche kollegiale Gewalt kann gemeinsam mit dem Papst von den in aller Welt lebenden Bischöfen ausgeübt werden, wofern nur das Haupt des Kollegiums sie zu einer kollegialen Handlung ruft oder wenigstens die gemeinsame Handlung der räumlich getrennten Bischöfe billigt oder frei annimmt, so dass ein eigentlich kollegialer Akt zustande kommt.
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Samstag, 5. Mai 2012, 18:07

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
15. Teil

Der Artikel 23 spricht von den Beziehungen des einzelnen Bischofs zur Gesamtkirche und zu den Teilkirchen im Licht der Kollegialität, wobei dieses Thema verbunden ist mit dem des Verhältnisses der Gesamtkirche zu den einzelnen Teilkirchen. Hier werden bereits die Diözesen „Kirchen“ genannt und der Bischof von Rom ist das bleibende sichtbare Prinzip „für die Einheit der Vielheit“. In Parallele dazu ist der Einzelbischof sichtbares Prinzip der Einheit seiner Teilkirche. In den Teilkirchen und aus ihnen beseht die Gesamtkirche, wobei die Einzelbischöfe ihr Hirtenamt nur über ihre Teilkirche ausüben, aber auch eine auf Christus zurückgehende Pflicht zur Sorge für die Gesamtkirche haben

Aus Artikel 23
Die kollegiale Einheit tritt auch in den wechselseitigen Beziehungen der einzelnen Bischöfe zu den Teilkirchen wie zur Gesamtkirche in Erscheinung. Der Bischof von Rom ist als Nachfolger Petri das immerwährende, sichtbare Prinzip und Fundament für die Einheit der Vielheit von Bischöfen und Gläubigen. Die Einzelbischöfe hinwiederum sind sichtbares Prinzip und Fundament der Einheit in ihren Teilkirchen, die nach dem Bild der Gesamtkirche gestaltet sind. In ihnen und aus ihnen besteht die eine und einzige katholische Kirche,. Daher stellen die Einzelbischöfe je ihre Kirche, alle zusammen aber in Einheit mit dem Papst die ganze Kirche im Band des Friedens , der Liebe und Einheit dar.

Die Bischöfe, die den Teilkirchen vorstehen, übern als einzelne ihr Hirtenamt über den ihnen anvertrauten Anteil des Gesamtvolkes, nicht über andere Kirchen und nicht über die Gesamtkirche aus, Aber als Glieder des Bischofskollegiums und rechtmäßige Nachfolger der Apostel sind sie aufgrund von Christi Stiftung und Vorschrift zur Sorge für die Gesamtkirche gehalten. Alle Bischöfe müssen nämlich die Glaubenseinheit und die der ganzen Kirche gemeinsame Disziplin fördern und schützen sowie die Gläubigen anleiten zur Liebe zum ganzen mystischen Leibe Christi. Endlich müssen sie alle Bestrebungen fördern, die der ganzen Kirche gemeinsam sind, vor allem dazu, dass der Glaube wache und das Licht der vollen Wahrheit allem Menschen aufgeht. Im übrigen aber gilt unverbrüchlich: Indem sie ihr eigene Kirche als Teil der Gesamtkirche recht leiten, tragen sie wirksam bei zum Wohl des ganzen mystischen Leibes, der ja auch der Leib der Kirchen ist.
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Montag, 7. Mai 2012, 17:21

Komplexe Texte unter „lichter Kuppel“

In der heutigen Tagespost ist ein sehr guter Artikel über eine Tagung zum 50jährigen Gedenken an das 2. Vaticanum. Nachdem ein Substrat dieses Artikeltextes nicht dessen Komplexität gerecht würde, stelle ich ausnahmsweise den gesamten ungekürzten Text in das Forum.

Zitat

Rom: Opus Dei-Universität unterzog 50 Jahre nach Eröffnung des Zweiten Vatikanums die Konzilsdokumente einer ausführlichen Analyse. Von Guido Horst und Natalie Nordio
Genauer hinsehen ist das Gebot der Stunde: 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanum tut eine Relecture der Dokumente der Kirche gut.


Ein Marsmensch, der am vergangenen Donnerstag auf der römischen Piazza Navona gelandet wäre und beschlossen hätte, sich von dem langen Flug in der nahe gelegenen Opus Dei-Universität „Santa Croce“ (Heiliges Kreuz) zu erholen und bei dieser Gelegenheit einem zweitägigen Kongress über das Zweite Vatikanische Konzil beizuwohnen, hätte die ehrwürdige akademische Stätte am Freitagabend wohl mit dem Eindruck verlassen, dass die katholische Kirche, immerhin die größte Religionsgemeinschaft auf dem Planeten Erde, die allerkomplizierteste Einrichtung ist, die man sich nur vorstellen kann. Fünfzig Jahre sind seit der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahre 1962 vergangen. Das war Anlass für die Theologische Fakultät der Universität vom Heiligen Kreuz, die ereignisreiche Geschichte des Konzils zum Gegenstand einer Expertenanalyse zu machen. Zu den vielen aus Italien und dem spanischen Raum angereisten Referenten gesellten sich auch einige deutsche Konzils-Spezialisten, so Helmut Hoping von der Universität Freiburg oder der Sozialethiker Manfred Spieker aus Osnabrück. Die Aufgabe der Experten war es, der Reihe nach jedes einzelne Dokument in seiner Genese, seinem wesentlichen Inhalt und seiner Rezeption darzustellen.

Doch nicht nur jener imaginäre Marsmensch, sondern auch der normale und regelmäßige Kirchgänger wäre erstaunt gewesen, wie hochkomplex die Materie „Zweites Vatikanum“ sein kann, wenn man ins Detail geht und sich nicht mit einem plakativen „Geist des Konzils“ zufrieden gibt. Beständig, so klang es in vielen der Vorträge an, lagen sich auf der größten Bischofsversammlung aller Zeiten unterschiedliche Lager in den Haaren. Bewahrer der Tradition und Reformer, Konservative und Progressive scheinen unter einem Konzils-Papst Paul VI., der ebenfalls zwei Seelen in seiner Brust trug, beständig bemüht gewesen zu sein, das Schifflein Petri bei seinem Kurs in die Zukunft in die jeweils eigene Richtung zu ziehen. Wer dann auf Spurensuche in den Konzilstexten geht, findet tatsächlich Spuren und Splitter der einzelnen Fraktionen.

Doch hatte das Zweite Vatikanum überhaupt so etwas wie eine inhaltliche Botschaft, wie sie dann in den Konzilsdokumenten zum Ausdruck kam? Manfred Spieker beantwortete diese Frage nach dem Konzept der Konzilstexte mit einem Bild des Theologen und Kardinals Leo Scheffczyk, der die Dokumente des Konzils mit drei Säulen und einer Kuppel verglichen habe: „Einer Säule der Selbstbegründung der Kirche in der göttlichen Offenbarung (Dei Verbum), im Dogma (Lumen Gentium) und in der Liturgie (Sacrosanctum Concilium), einer Säule der konkreten Ordnung der Kirche im Gottesvolk, den Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laien und einer Säule des Dienstes der Kirche nach innen und außen in den Dekreten über die Missionstätigkeit, die Ökumene, die nichtchristlichen Religionen, die christliche Erziehung und die sozialen Kommunikationsmittel.“ Die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, „Gaudium et Spes“, so Spieker zum Bild Scheffczyks, sei hingegen „die lichte Kuppel“ über diesen Säulen.

Aber allein schon diese „lichte Kuppel“ bereitet Schwierigkeiten. Spieker, der über „Gaudium et Spes“ zu referieren hatte, bescheinigte der Pastoralkonstitution eine überaus positive Sicht der Welt – nachdem sich gerade das zwanzigste Jahrhundert als das blutigste der Menschheitsgeschichte erwiesen hatte – und, mit Berufung auf Joseph Ratzinger, „einen erstaunlichen Optimismus“. Zugleich aber zeigte Spieker die zum Teil widersprüchliche Wirkungsgeschichte von „Gaudium et Spes“ auf. Nicht nur der katholisch-marxistische Dialog, wie er nach dem Konzil bis zum Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei 1968 hoch im Kurs stand, hätte sich auf die Konstitution berufen können, wie es auch die Theologie der Befreiung getan habe, die „Gaudium et Spes“ als eine Art Gründungsdokument einer „neuen Kirche“ gesehen habe, welche, wie Spieker sagte, nicht mehr die hierarchische Kirche der Zeit vor dem Zweiten Vatikanum war, „sondern die Kirche des Volkes Gottes, in der die richtige Praxis die rechte Lehre bestimmt und der Bereich der Pastoral um den Bereich der Politik erweitert wird“. Sondern auch zahlreiche Aufbrüche in der Kirche nach dem Konzil wie etwa Bewegungen und geistliche Gemeinschaften hätten sich durch die Pastoralkonstitution bestätigt gefühlt. Für sie, so Spieker, war „Gaudium et Spes“ eine „Ermutigung zu einem christlichen Leben in der Welt“. So zeigte der Vortrag des Osnabrücker Sozialethikers beispielhaft an der „lichten Kuppel“ der Konzilsdokumente auf, wie diese gleichsam Steinbrüche sind, wo jeder die ihm passenden Versatzstücke herausholen kann. Bei „Gaudium et Spes“ scheint das besonders ausgeprägt zu sein, wenn sich sowohl marxistisch inspirierte Befreiungstheologen ebenso darauf berufen wie erzkatholische Gemeinschaften vom Schlage Comunione e Liberazione oder das Opus Dei.

Wollte man dem imaginären Marsmenschen die wirre Wirkungsgeschichte der Konzilstexte und deren teilweise vollkommen konträre Interpretation erklären, müsste man ihn auf die wichtige Ansprache von Benedikt XVI. hinweisen, der direkt in seiner ersten Weihnachtsansprache vor der Römischen Kurie am 22. Dezember 2005 die Frage der rechten Auslegung der Konzilstexte aufgriff und anhand der Erklärung der Konzilsväter zur Religionsfreiheit (Dignitatis Humanae) aufzeigte, wie man das Konzil und seine Dokumente nicht als Geburt einer neuen Kirche (Hermeneutik des Bruchs), sondern als kontinuierliche Fortentwicklung der bisherigen Kirchenlehre (Hermeneutik der Reform) lesen sollte. Der zentrale Satz in dieser Ansprache des Papstes lautete, dass genau in dem „Zusammenspiel von Kontinuität und Diskontinuität auf verschiedenen Ebenen“ die Natur der wahren Reform liege – was jenen imaginären Marsmenschen nur in seiner Ahnung bekräftigt hätte, dass es sich bei der Lehre der katholischen Kirche um etwas besonders Kompliziertes handeln muss.

_Fortsetzung-
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Montag, 7. Mai 2012, 17:24

-Fortsetzung-

Zitat

Auf der Tagung beschäftigten sich gleich mehrere Vorträge mit diesem „Zusammenspiel von Kontinuität und Diskontinuität“, etwa als Miguel de Salis von der Universität „Santa Croce“ über die von Papst Benedikt angemahnte Hermeneutik der Reform referierte, einer Reform, die sich immer „in der Kontinuität desselben historischen Subjekts Kirche“ vollziehe, oder als Philippe Chenaux von der Päpstlichen Lateran-Universität darstellte, wie die von Giuseppe Alberigo gegründete „Schule von Bologna“ mit ihren fünf Bänden über die Geschichte des Zweiten Vatikanums das Konzil als Bruch interpretieren wollte, mit dem für die katholische Kirche die nachtridentinische beziehungsweise nachkonstantinische Ära zu Ende gegangen sei. Gerardo del Pozo Abejón von der kirchlichen Universität San Damaso in Madrid sprach über die Konzilserklärung „Dignitatis Humanae“, mit der sich die Konzilsväter von der bis dahin geltenden Lehre verabschiedeten, wonach der Staat Garant der religiösen Wahrheit sein müsse. Hier hat das Konzil tatsächlich eine Diskontinuität begründet, und zwar in der katholischen Soziallehre, ohne allerdings das katholische Dogma zu berühren, denn weder das Evangelium noch die apostolische Tradition kennen den katholischen Staat oder eine säkulare Regierungsgewalt, deren Aufgabe es sei, der religiösen Wahrheit zur Durchsetzung zu verhelfen. Die Konzilserklärung über die Religionsfreiheit und der mit ihr vollzogene Paradigmenwechsel beschäftigte dann auch die Schlussdebatte der Tagung im Plenum.

Auch unter normalen und regelmäßigen Kirchgängern ist die Auffassung zu hören, das Zweite Vatikanische Konzil habe das Latein abgeschafft und in der Messe die Volkssprache eingeführt, die Zelebrationsrichtung des Priesters um 180 Grad gedreht und an die Stelle der Mundkommunion die Handkommunion gesetzt. Dass das Zweite Vatikanum nichts von dem getan hat und die Konzilsväter auch nicht die Absicht hatten, das zu tun, ging aus dem Vortrag des Freiburger Dogmatikers Helmut Hoping über die Liturgie-Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ hervor. Aber es gab Leute, die das vorhatten, wie der Kardinal von Bologna, Giacomo Lercaro, und Annibale Bugnini, der Sekretär der Vorbereitungskommission des Konzils für die Liturgie. Beide aber kamen erst nach dem Zweiten Vatikanum als Präsident beziehungsweise Sekretär des „Consiliums“ zur Umsetzung der von den Konzilsvätern in Auftrag gegebenen Liturgiereform zum Zuge. Womit Hoping einen weiteren Aspekt der nicht einfachen Rezeptionsgeschichte der Bischofsversammlung ansprach: Auf der Grundlage von Konzilsdokumenten, die im vollen Einklang mit der Tradition der Kirche standen, wurden später, in der bewegten 68-er Zeit, Änderungen durchgesetzt, die weit über das von Johannes XXIII. gewünschte „Aggiornamento“ oder die Absichten der Mehrheit der Konzilsväter hinausgingen. Hätte Papst Roncalli das neue Messbuch von 1969 noch sehen können, er wäre aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen.

Ein wenig machte auch die Tagung in „Santa Croce“ selber die Sprachverwirrung deutlich, die die Kirche nach dem Konzil ergriffen hat. Wenn die spanischen oder italienischen Referenten auf Spanisch oder Italienisch sprachen, verstanden die deutschen Teilnehmer nichts und kauften auf der Piazza Navona Mitbringsel und Geschenke ein. Als Manfred Spieker seinen Vortrag auf Englisch hielt, verstanden wiederum die Spanier und Italiener wenig. Eine Simultanübersetzung hätte dem Tagungsgeschehen gut getan. Zum Abschluss bat einer der Organisatoren der Tagung, der deutsche Kirchenhistoriker Johannes Grohe, die Referenten um die baldige Abgabe ihrer Manuskripte für den geplanten Tagungsband. Sollte er eines Tages zur Verfügung stehen, wäre er ein interessanter Führer durch die Baustelle Zweites Vatikanum – und auch der imaginäre Marsbewohner hätte eine aufschlussreiche Lektüre für den Rückflug zu seinem Heimatplaneten.

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Samstag, 19. Mai 2012, 17:24

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
16. Teil

Die nachfolgenden Artikel 24 bis 27 befassen sich mit den Aufgaben der Bischöfe sowie Artikel 28 über die Priester und Artikel 29 über die Diakone.

Der Artikel 24 weist auf die Sendung des Bischofs zur Verkündigung des Evangeliums während im Artikel 25 auf das Lehramt der Bischöfe eingegangen wird, wobei dabei zu beachten ist, dass dabei nichts Gegenteiliges gelehrt werden darf, das nicht der Lehre der Kirche entspricht. Dieser Artikel beinhaltet auch die Verpflichtung der Gläubigen der Lehre der Kirche in Gehorsam zu folgen. Das Heiligungsamt des Bischofs wird im Artikel 26 erörtert und im Artikel 27 das Leitungsamt des Bischofs.

Aus Artikel 24
Die Bischöfe empfangen als Nachfolger der Apostel vom Herrn; dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben ist, die Sendung, alle Völker zu lehren und das Evangelium jedwedem Geschöpf zu verkünden. So sollen alle Menschen durch Glaube, Taufe und Erfüllung der Gebote das Heil erlangen (vgl. Mt 28,18, Mk 16,15-16, Apg 26,17f).
Jenes Amt aber, das der Herr den Hirten seines Volkes übertragen hat, ist ein wahrer Dienst; weshalb in der Heiligen Schrift bezeichnenderweise mit dem Wort „Diakonia“, d. h. Dienst, genannt wird (vgl. Apg 1,17 u. 25; 21,19; Röm 11,13, 1 Tim 1,12).
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Samstag, 19. Mai 2012, 18:04

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
17. Teil

Aus Artikel 25 - 1. Absatz
Unter den hauptsächlichsten Ämtern der Bischöfe hat die Verkündigung des Evangeliums einen hervorragenden Platz (vgl. Konzil von Trient, Dexr.de reform.). Denn die Bischöfe sind Glaubensboten, die Christus neue Jünger zuführen; sie sind authentische, das heißt mit der Autorität Christi ausgerüstete Lehrer. Sie verkündigen dem ihnen anvertrauten Volk die Botschaft zum Glauben und zur Anwendung auf das sittliche Leben und erklären sie im Licht des Heiligen Geistes, indem sie aus dem Schatz der Offenbarung Neues und Altes vorbringen (vgl. Mt 13,52)

Die Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem römischen Bischof lehren, sind von allen als Zeugen der göttlichen und katholischen Wahrheit zu verehren. Die Gläubigen aber müssen mit einem im Namen Christi vorgetragenen Spruch ihres Bischofs in Glaubens- und Sittensachen übereinkommen und ihm mit religiös gegründeten Gehorsam anhangen. Dieser religiöse Gehorsam des Willens und des Verstandes ist in besonderer Weise dem authentischen Lehramt des Bischofs von Rom, auch wenn er nicht kraft höchster Lehrautorität spricht, zu leisten; nämlich so, dass sein oberstes Lehramt ehrfürchtig anerkannt und den von ihm vorgetragenen Urteilen aufrichtige Anhänglichkeit gezollt wird entsprechend der von ihm kundgetanen Auffassung und Absicht. Diese lässt sich vornehmlich erkennen aus der Art der Dokumente, der Häufigkeit und der Vorlage ein und derselben Lehre, und der Sprechweise.

Kommentar zum 1. Absatz
Auch wenn die Bischöfe authentische Lehrer sind, so dürfen sie nichts anderes lehren als es die Lehre der Kirche, das höchste Lehramt, lehrt. Daher sind Äußerungen eines Bischofs, die nicht dieser Norm entsprechen nicht verbindlich, können der Kritik unterzogen werden und müssen in so einem Fall von den Gläubigen auch nicht befolgt werden. Sehr wohl aber muss von den Gläubigen dem authentischen Lehramt des Bischofs von Roms, das ist der Papst, der Heilige Vater, dessen Urteilen, Lehräußerungen, Dokumenten usw. der Gehorsam geleistet werden – auch dann wenn er nicht die Unfehlbarkeit in Anspruch nimmt.
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Samstag, 19. Mai 2012, 18:52

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
18. Teil

Aus Artikel 25 – 2. - 4. Absatz
Die einzelnen Bischöfe besitzen zwar nicht den Vorzug der Unfehlbarkeit; wenn sie aber, in der Welt räumlich getrennt, jedoch in Wahrung der Gemeinschaftsbandes untereinander und mit dem Nachfolger Petri authentisch in Glaubens- und Sittensachen lehren und eine bestimmte Lehre übereinstimmend als endgültig verpflichtend vortragen, so verkündigen sie auf unfehlbarer Weise die Lehre Christi ((vgl. I. Vat. Konzil, Const. Dogm. Dei filius). Dies ist noch offenkundiger der Fall, wenn sie auf einem Ökumenischen Konzil vereint für die ganze Kirche Lehrer und Richter des Glaubens und der Sitten sind. Dann ist ihren Definitionen mit Glaubensgehorsam anzuhangen. (vgl. CIC can. 1322-1323).

Diese Unfehlbarkeit, mit welcher der göttliche Erlöser seine Kirche bei der Definierung einer Glaubens- und Sittenlehre ausgestattet sehen wollte, reicht so weit wie die Hinterlage der göttlichen Offenbarung, welche rein bewahrt und getreulich ausgelegt werden muss, es erfordert. Dieser Unfehlbarkeit erfreut sich der Bischof von Rom, das Haupt des Bischofskollegiums, kraft seines Amtes, wenn er als oberster Hirt und Lehrer aller Christgläubigen, der seine Brüder im Glauben stärlket (vgl. Lk 22,32), eine Glaubens- oder Sittenlehre in einem endgültigen Akt verkündet. (vgl. I. Vat. Konzhil Const dogm. Pastor Aeternus). Daher heißen seine Definitionen mit Recht aus sich und nicht erst aufgrund der Zustimmung der Kirche unanfechtbar, da sie ja unter dem Beistand des Heiligen Geistes vorgebracht sind, der ihm im heiligen Petrus verheißen wurde. Sie bedürfen daher keine Bestätigung durch andere und dulden keine Berufung auf ein anderes Urteil.
Die der Kirche verheißen Unfehlbarkeit ist auch in der Körperschaft der Bischöfe gegeben, wenn sie das oberste Lehramt zusammen mit dem Nachfolger Petri ausübt

Wenn aber der Bischof von Rom oder die Körperschaft der Bischöfe mit ihm einen Satz definieren, legen sie ihn vor gemäß der Offenbarung selbst, zu der zu stehen und nach der sich zurichten alle gehalten sind. Eine neue öffentliche Offenbarung als Teil der göttlichen Glaubenshinterlage empfangen sie jedoch nicht.(vgl. I. Vat. Konzil, Const. Dogm. Pastor Aeternus).

Kommentar
Hier wird nochmals deutlich darauf hingewiesen, dass die Bischöfe ohne dem Papst keine neuen Lehren verkünden dürfen sondern die Lehre der Kirche vertreten müssen. Wenn sie daher von der Lehre der Kirche abweichende Aussagen machen, verletzen sie ihre authentische Lehrtätigkeit. Außerdem wird zum Abschluss dieses Artikel darauf hingewiesen, dass die Lehre gemäß der Offenbarung sein muss und eine neue göttliche Offenbarung nicht möglich ist, da diese Offenbarung mit dem Canon des Neuen Testament endgültig abgeschlossen ist.
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Dienstag, 12. Juni 2012, 18:26

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

19. Teil

Artikel 26
Dieser handelt vom Heiligungsamt des Bischofs. Außerdem ist ein wichtiger Passus über die Ortsgemeinde eingefügt, der das konkrete Leben der Kirche vollzieht, denn in der Ortsgemeinde ist in Wort, Abendmahl und Liebe die Kirche als Ganze da.

Aus dem Artikel 26
Der Bischof ist, mit der Fülle des Weihesakramentes ausgezeichnet, „Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums“, vorzüglich in der Eucharistie, die er selbst darbringt oder darbringen lässt (vgl. Ignatius von Antiochien, Smyrn 8,1) und aus der die Kirche immerfort lebt und wächst. Diese Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der Gläubigen anwesend, die in der Verbundenheit mit ihren Hirten im Neuen Testament auch selbst Kirchen heißen (vgl. Apg 8,1; 14,22-23.26 usw.) Sie sind nämlich je an ihrem Ort, im Heiligen Geist und mit großer Zuversicht (vgl. 1 Thess 1,5), das von Gott gerufene neue Volk.

Jede rechtmäßige Eucharistiefeier steht unter der Leitung des Bischofs, dem die Pflicht übertragen ist, den christlichen Gottesdienst der göttlichen Majestät darzubringen und zu betreuen gemäß den Geboten des Herrn und den Gesetzen der Kirche, die durch seine besondere Verfügung für die Diözese näher bestimmt werden.

So spenden die Bischöfe durch Gebet und Arbeit für das Volk vielfältige und reiche Gaben von der Fülle der Heiligkeit Christi aus. …. regeln die Bußdisziplin. Ferner ermahnen und unterweisen sie sorgsam ihr Volk, dass es in der Liturgie und vorzüglich im Messopfer seinen Anteil gläubig und ehrfürchtig erfülle. Schließlich müssen sie ihre Anbefohlenen mit dem Beispiel ihres Lebenswandels voranbringen, ihr eigenes sittliches Verhalten vor allem Bösen bewahren und nach Kräften mit Hilfe des Herrn hin zum Guten wandeln, damit sie zusammen mit der ihnen anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelangen.

Artikel 27
Der Artikel 27 spricht über das Leitungsamt des Bischofs, wobei betont wird, dass der Bischof trotz seiner Unterordnung unter dem Papst nicht dessen Vertreter ist, sondern seine Diözese in eigener Verantwortung leitet.

Aus dem Artikel 27
Die Bischöfe leiten die ihnen zugewiesenen Teilkirchen als Stellvertreter und Gesandte Christi (Benedikt XIV, Bullarium Benedicti, Pius XII, Enzyklika Mystici Corporis) durch Rat, Zuspruch, Beispiel, aber auch in Autorität und heiliger Vollmacht, die sie indes allein zum Aufbau ihrer Herde in Wahrheit und Heiligkeit gebrauchen, eingedenk, dass der Größere werden soll wie der Geringere und der Vorsteher wie der Diener (vgl. Lk 22, 26-27). Diese Gewalt, die sie im Namen Christi persönlich ausüben, kommt ihnen als eigene, ordentliche und unmittelbare Gewalt zu, auch wenn ihr Vollzug letztlich von der höchsten kirchlichen Autorität geregelt wird und im Hinblick auf den Nutzen der Kirche oder der Gläubigen mit bestimmten Grenzen umschrieben werden kann.

Ihnen ist das Hirtenamt, das heißt die beständige tägliche Sorge für ihre Schafe im vollen Umfang anvertraut. Sie sind nicht als Stellvertreter der Bischöfe von Rom zu verstehen, denn sie haben eine ihnen eigene Gewalt inne und heißen in voller Wahrheit Vorsteher des Volkes, das sie leiten.

Er soll sich nicht weigern, seine Untergebenen zu hören, die er wie wirkliche Söhne umsorgt und zu eifriger Mitarbeit mahnt. Da er für ihre Seelen Gott wird Rechenschaft ablegen müssen (vgl. Hebr 13,17), soll er für sie durch Gebet Predigt und jederlei Liebeswerk Sorge tragen.

Die Gläubigen müssen dem Bischof anhangen wie die Kirche Jesus Christus und wie Jesus Christus dem Vater, damit alle in Einigkeit übereinstimmen (vgl. Ignatius v. A., Ad Ephes 5,1) und überströme zur Verherrlichung Gottes (vgl. 2 Kor 4,15).

Kommentar
Auch wenn die Gläubigen dem Bischof anhangen sollen, so ist dabei zu beachten, dass die Lehre der Kirche bzw. des Lehramtes des Bischofs von Rom für die Gläubigen in erster Linie gilt sowie höherwertig ist (vgl. auch mit Hierarchie der Wahrheiten) und nicht eine Relativierung derselben durch den Ortsbischof erfolgen soll/darf wie es in der letzten Zeit leider mehrmals geschehen ist.
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Montag, 18. Juni 2012, 18:59

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

20. Teil

Artikel 28
Der Artikel 28 handelt von den Priestern im engeren Sinn. Im Rahner-Vorgrimmler Kommentar wird zu diesem Artikel kritisiert, dass das Konzil keine entsprechende Definitionen festgelegt habe und meint, dass dem Konzil die begriffliche Klärung nicht präsent sei und nur vorzugsweise von den „Presbvytern“ spricht, aber auch den umfassenderen Ausdruck „sacerdotes“ bzw. „ordo“ verwendet. Wörtlich erklärte der Kommentar, dass „auf historische Fragen im Einzelnen nicht eingegangen wird, nur wird gesagt „ dass die Apostel selbst ’die Aufgabe ihres Dienstamtes in mehrfacher Abstufung verschiedenen Trägern in der Kirche rechtmäßig weitergegeben“‘ haben, wobei auf Ignatius von Antiochien verwiesene wird. Und weiter „es gelingt dem Konzil nicht, die theologische Herkunft des Priesteramts recht deutlich zu machen nur mit den Begriffen „nach dem Bilde Christi“, „Anteil am Amt des einzigen Mittlers“ bis zu dem traditionellen „in der Person Christi handeln“, doch bleibt festzuhalten, dass das Konzil eine besondere und direkte Beziehung des Priesters zu Christus aussagen wollte.

Kommentar zu dem Kommentar von Rahner-Vorgrimmler
M. M. sind die Aussagen des Konzils ausreichend denn die zitierten Passagen sind deutlich genug und stehen eindeutig in der Tradition der Kirche. Dass Rahner einer jener Konzilsberater war, die den Bruch mit der Tradition anstrebten und einen „neue“ Kirche schaffen wollte und die westeuropäischen Konzilsväter diesbezüglich beeinflusste, weiß fast jeder, der sich mit der Hintergrundgeschichte des Konzils befasst hat und auf dem Boden der Lehre der Kirche steht. Es wurde von diesem durch Handstreich hinaufgehievten Konzilsberater faktisch eine Änderung angestrebt, die der Reformation nahe kommt. Dieses Faktum geht auch aus dem Buch (2012) von Roberto de Mattei (siehe Literaturthread) hervor. Außerdem verweise ich in diesem Zusammenhang auf meine Posts zum Konzils-Hintergrund vom Juli vorigen Jahres, die ähnliches auf Basis anderer und früherer Historiker aussagten.

Aus Artikel 28
Christus, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat (Joh 10,36), hat durch seine Apostel deren Nachfolger, die Bischöfe, einer eigenen Weihe und Sendung teilhaftig gemacht. Diese wiederum haben die Aufgaben ihres Dienstamtes in mehrfacher Abstufung verschiedenen Trägern in die der Kirche rechtmäßig weitergegeben So wird das aus göttlicher Einsetzung kommende kirchliche Dienstamt in verschiedenen Ordnungen ausgeübt, von jenen, die schon seit alters Bischöfe, Priester, Diakone heißen (vgl. Ignatius von A. Ad Ephes 6,1). Die Priester haben zwar nicht die höchste Stufe der priesterlichen Weihe und hängen in der Ausübung ihrer Gewalt von den Bischöfen ab; dennoch sind sie mit ihnen in der priesterlichen Würde verbunden (vgl. Innozenz I,. Brief an Decentius) und kraft des Weihesakramentes (vgl. Konzil von Trient) nach dem Bilde Christi, des höchsten und ewigen Priesters (Hebr 5,1-10; 7,24; 9,11-28 ), zur Verkündigung der Frohbotschaft, zum Hirtendienst an den Gläubigen und zur Feier des Gottesdienstes geweiht und so wirkliche Priester des Neuen Bundes (vgl. Innozenz I.; Gregor von Nazianz). Auf der Stufe ihres Dienstamtes haben sie Anteil am Amt des einzigen Mittlers Christus (1 Tim 2,5) und verkünden allen das Wort Gottes. Am meisten üben sie ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sei in der Person Christi handeln (Konzil von Trient, Papst Pius XII., Enz. Mediator Dei) und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28 ) , im Messopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (vgl. 1^Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden. (Konzil v. Trient), Für die büßenden und von Krankheit heimgesuchten Gläubigen walten sie vollmächtig des Amtes der Versöhnung und der Wiederaufrichtung; die Nöte und Bitten der Gläubigen tragen sie zu Gott dem Vater hin /(vgl. Hebr 5,14). Das Amt Christi des Hirten und Hauptes üben sie entsprechend dieses Anteils ihrer Vollmacht aus (Pius XII. Enz. Mediator Dei) und führen sie durch Christus im Geist zu Gott dem Vater. Inmitten der Herde beten sie ihn im Geist und in der Wahrheit an (vgl.. Joh 4,24) Endlich mühen sie sich in Wort und in der Lehre (1 Tim 5,17), sie glauben, was sie im Gesetz des Herrn meditierend gelesen haben, lehren, was sie glauben, verwirklichen, was sie lehren.
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Dienstag, 19. Juni 2012, 17:40

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

21. Teil

Zu Artikel 29
Dieser handelt von den Diakonen. Der Kommentar von Rahner-Vorgrimmler dazu ist eher widersprüchlich wenn das Nachfolgende rezipiert wird. Die Diakone werden sakramental geweiht und gehören dadurch zur Hierarchie. Im Unterschied zu Bischöfen und Priestern werden ihre Vollmachten aber nicht aus der Weihe abgeleitet. Die Weihe wird mehr traditionell verstanden: von den Vollmachten bei der eucharistischen Konsekration her. Was ihnen in besonderer Weise zukommt, wird nur angedeutet: der Dienst der Hierarchie am Volk Gottes greifbar zu machen. Die den Diakonen zugeschriebenen Aufgaben sind solche, die in der Kirchengeschichte mehr oder weniger häufig von Diakonen erfüllt wurden. Außerdem stellen sie fest, dass bereits das Konzil von Trient die Wiederherstellung des Diakonates vorsah.

Rahner-Vorgrimmler vermeiden jeden Hinweis darauf, dass der Diakonat auf die Einsetzung der Sieben (Apg 6) zurückgeht, da dies von der modernistischen Theologie geleugnet wird. Aber hier spricht das Direktorium für den Dienst und das Leben der Ständigen Diakone vom 22. Februar 1998 eindeutige Worte.

In Nr. 1 des Direktoriums heißt es unter anderem: „Das Weihesakrament gleicht durch eine besondere Gnade des Heiligen Geistes den Empfänger Christus an, damit er als Werkzeug Christi seiner Kirche diene. Die Weihe ermächtigt ihn, als Vertreter Christi, des Hauptes, in dessen dreifacher Funktion als Priester, Prophet und König zu handeln. Durch das Weihesakrament wird die Sendung, die Christus seinen Aposteln anvertraut hat, in der Kirche weiterhin ausgeübt bis zum Ende der Zeiten. Es ist somit das Sakrament des apostolischen Dienstes …. Der vom Herrn Gesandte spricht und handelt nicht in eigener Autorität, sondern kraft der Autorität Christi; er spricht die zu der Gemeinde nicht als eines ihrer Glieder, sondern im Namen Christi. Niemand kann sich selbst die Gnade verleihen; sie muss geschenkt und angeboten werden. Das setzt Diener der Gnade voraus, die von Christus bevollmächtigt sind. …. Mit der sakramentalen Natur des kirchlichen Amtes hängt innerlich sein Dienstcharakter zusammen. Weil die Amtsträger ganz von Christus abhängig sind, der Sendung und Vollmacht gibt, sind sie wahrhaft Knechte Christi (vgl. Röm 1,11) nach dem Vorbild Christi, der für uns freiwillig Knechtsgestalt angenommen hat (Phil 2,7).“

Und Nr. 2 erörtert die Geschichte des Diakonates. „Der Dienst der Diakone in der Kirche ist seit den Zeiten der Apostel nachgewiesen. Nach einer fundierten Überlieferung, die schon von Irenäus bezeugt worden ist und in die Weiheliturgie eingegangen ist, hat der Diakonat mit der Einsetzung der „Sieben“ begonnen, von der die Apostelgeschichte berichtet (Apg 6,1-6). Die Diakone, deren Dienst in der Kirche stets hoch in Ehre gehalten wurde, bilden also die unterste Stufe der heiligen Hierarchie. Der heilige Paulus grüßt sie zusammenmit ihren Bischöfen am Anfang des Briefes an die Philipper (vgl. Phjl 1,1) und im ersten Brief an Timotheus bespricht er die Eigenschaften und Tugenden, über die sie verfügen müssen, um ihren Dienst auf würdige Weise zu versehen (vgl. 1 Tim 3,8-13).

Die Literatur der Kirchenväter bestätigt von Anfang diese hierarchische Ämterstruktur der Kirche, die den Diakonat einschloss. Für den hl. Ignatius von Antiochien erscheint eine Teilkirche ohne Bischof, Presbyter (Priester) und Diakone undenkbar. Er unterstreicht, dass der Dienst der Diakone nicht anderes ist als „der Dienst Jesu Christi, der vor aller Zeit beim Vater war und am Ende der Zeiten erschienen wird,.“ „Den sie sind nicht für den Dienst bei Tisch zuständig , sondern Diener der Kirche Gottes. Die Didascalia Apostolorum, und die Väter der folgenden Jahrhunderte zeugen ebenso wie die verschiedenen Konzilien (Elvira; Arles, Nicäa) und die kirchliche Praxis vom Fortbestand und der Entwicklung dieser Offenbarungstatsache.

Anmerkung von mir: Der Diakon handelt nicht „in persona Christi“ wie der Priester, sondern er stellt den „dienenden Christus“ dar.

Der Text des Artikel 29 LG folgt im nächsten Post.
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Dienstag, 19. Juni 2012, 18:37

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

22. Teil

Artikel 29

Zitat

In der Hierarchie eine Stufe tiefer stehen die Diakone, welche die Handauflegung „nicht zum Priestertum sondern zur Dienstleistung empfangen.“ (Constitutiones Ecclesiae Aegypticate). Mit sakramentaler Gnade gestärkt, dienen sie dem Volke Gottes in der Diakonie der Liturgie, des Wortes und der Liebestätigkeit in Gemeinschaft mit dem Bischof und seinem Presbyterium. Sache des Diakons ist es, je nach Weisung der zuständigen Autorität, feierlich die Taufe zu spenden, die Eucharistie zu verwalten und auszuteilen, der Eheschließung im Namen der Kirche zu assistieren und sie zu segnen, die Wegzehrung den Sterbenden zu überbringen, vor den Gläubigen die Heilige Schrift zu lesen, das Volk zu lehren und zu ermahnen, dem Gottesdienst und dem Gebet der Gläubigen vorzustehen, Sakramentalien zu spenden und den Beerdigungsritus zu leiten. Den Pflichten der Liebestätigkeit und der Verwaltung hingegeben, sollen die Diakone eingedenk der Mahnung des heiligen Polykarp „Barmherzig, eifrig, wandelnd nach der Wahrheit des Herrn, der aller Diener geworden ist.“ (Polykarp Ad Phil 5,2).

Weil diese für die Kirche in höchsten Maße lebensnotwendigen Ämter bei der gegenwärtigen geltenden Disziplin der lateinischen Kirche in zahlreichen Gebieten nur schwer ausgeübt werden können, kann in Zukunft der Diakonat als eigene und beständige hierarchische Stufe wiederhergestellt werden. Denn zuständigen verschiedenartigen territorialen Bischofskonferenzen kommt mit Billigung des Papstes die Entscheidung zu, ob und wo es für die Seelsorge angebracht ist, derartige Diakone zu bestellen. Mit Zustimmung des Bischofs von Rom wird dieser Diakonat auch verheirateten Männern reiferen Alters erteilt werden können, ferner geeigneten jungen Männern, für die jedoch das Gesetzt des Zölibats in Kraft bleiben muss.

Ergänzung:
Männer reiferen Alters – Mindestalter 35 Jahre, bereits längere Ehezeit (mindestens an die 10 Jahre)
Ausbildung vor der Zulassung zur Diakonausbildung: entweder volles Theologiestudium oder mehrjährige Kursausbildung, zBspl. 3 Jahre Theologischer Kurs mit 12 Prüfungen, 3 schriftliche Seminararbeiten, theologische Weiterbildung durch Literatur erwünscht. Diakonausbildung nach Zulassung zur Ausbildung und erfolgtem positiven psychologischem Test - theoretische Ausbildung mindestens 3 Jahre, in ED Wien derzeit 4 Jahre, parallel dazu praktische Ausbildung in einer Pfarre, mehrere schriftliche Arbeiten, Seminare zBspl. Predigtseminar, Gesprächsführung mit Randgruppen wie zBspl. Alkoholiker, Drogenabhängige, nach einem Suizid usw., nach Weihe 3-jährige Weiterbildung Pflicht und danach freiwillige Weiterbildung erwünscht
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Donnerstag, 6. September 2012, 18:12

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

23. Teil

Viertes Kapitel – Die Laien

In den Artikeln 30 bis 38 dieses Kapitels wird auf die Aufgaben der Laien verwiesen. Aus diesen Artikeln werden nur die wesentlichsten Sätze zitiert und wenn erforderlich kommentiert.

Aus Artikel 30
Gewiss richtet sich alles, was über das Volk Gottes gesagt wurde, in gleicher Weise an Laien, Ordensleute und Kleriker. Doch einiges gilt in besonderer Weise für die Laien, Männer und Frauen, aufgrund ihrer Stellung und Sendung. …. Die geweihten Hirten wissen sehr gut, wieviel die Laien zum Wohl der ganzen Kirche beitragen,. Sie wissen ja, dass sie von Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche allein auf sich zu nehmen, sondern dass es ihr vornehmliche Aufgabe ist, die Gläubigen so als Hirten zu führen und ihre Dienstleitungen und Charismen so zu prüfen, dass alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten.

Kommentar
Über das Volk Gottes siehe beim 2. Kapitel sowie über den religiösen Gehorsam der Gläubigen siehe .auch Nr. 25, 1. Absatz.

Aus Artikel 31
Untere der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden mit Ausnahme der Glieder des Weihestandes und des in der Kirche anerkannten Ordensstandes …..Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen. …. Sache der Laien ist es, kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen. Sie leben in der Welt, das heißt in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken und den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist. Dort sind sie von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beizutragen und vor allem durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen. Ihre Aufgabe ist es also in besonderer Weise, alle zeitlichen Dinge, mit denen sie eng verbunden sind, so zu durchleuchten und zu ordnen, dass sie immer Christus entsprechend geschehen und sich entwickeln und zum Lob des Schöpfers und Erlösers gereichen.

Kommentar
Mit diesem Artikel wird eindeutig festgestellt, dass in erster Linie die Aufgaben der Laien in der Welt liegen und in diesem Bereich ist es auch deren Aufgabe das Glaubenszeugnis zu geben und gemäß dem Evangelium zu leben und zu wirken. Dazu gehören auch Aufgaben des Apostolats. Dass sich Laien in der Kirche sehr oft klerikalisieren wollen, ist eine Fehlentwicklung und entspricht nicht dem Willen des Konzils.
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Freitag, 7. September 2012, 17:29

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

24. Teil

Aus Artikel 32
Die heilige Kirche ist kraft göttlicher Einrichtung in wunderbarer Mannigfaltigkeit geordnet und geleitet.

Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4,5), gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe. Es ist also in Christus und in der Kirche keine Ungleichheit aufgrund von Rasse und Volkszugehörigkeit, sozialer Stellung oder Geschlecht, denn „ es gilt nicht mehr Jude und Grieche, nicht Sklave und Freier, nicht Mann und Frau, denn alle seid ihr einer in Christus Jesus“ (Gal. 3,28 grch.; vgl. Kol 3,11).

Wenn also in der Kirche nicht alle denselben Weg gehen, so sind doch alle zur Heiligkeit berufen und haben den gleichen Glauben erlangt in Gottes Gerechtigkeit (vgl. 2 Petr 1,l1). Wenn auch einige nach Gottes Willen als Lehrer, Ausspender der Geheimnisse und Hirten für die anderen bestellt sind, so waltet doch unter allen eine wahre Gleichheit in der allen Gläubigen gemeinsamen Würde und Tätigkeit zum Aufbau der Leibes Christi. Der Unterschied, den der Herr zwischen den geweihten Amtsträgern und dem übrigen Gottesvolk gesetzt hat schließt eine Verbundenheit ein, da ja die Hirten und die anderen Gläubigen in enger Beziehung miteinander verbunden sind.

Wie die Laien aus Gottes Herablassung Christus zum Bruder haben, der, obwohl aller Herr, doch gekommen ist, nicht um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28 ), so haben sie auch die geweihten Amtsträger zu Brüdern, die in Christi Autorität die Familie Gottes durch Lehre, Heiligung und Leitung so weiden, dass das neue Gebot der Liebe von allen erfüllt wird.

Aus Artikel 33
Die im Volk Gottes versammelten und dem einen Leibe Christi unter dem einen Haupt eingefügten Laien sind, wer auch immer sie sein mögen, berufen, als lebendige Glieder alle ihre Kräfte, die sie durch das Geschenk des Schöpfers und die Gnade des Erlöser empfangen haben, zum Wachstum und zur ständigen Heiligung der Kirche beizutragen.

Der Apostolat der Laien ist Teilnahme an der Heilsendung der Kirche selbst. Zu diesem Apostolat werden alle vom Herrn selbst durch Taufe und Firmung bestellt. Durch die Sakramente, vor allem durch die heilige Eucharistie, wird jene Liebe in zu Gott und den Menschen mitgeteilt und genährt, die die Seele des ganzen Apostolates ist. Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann (vgl. Pius XI., Enzyk. Quadsragesimo anno, 1931). So ist jeder Laie kraft der ihm geschenkten Gaben zugleich Zeuge und lebendiges Werkzeug der Sendung der Kirche selbst „nach dem Maß der Gabe Christi“ (Eph 4,7).

Außer diesem Apostolat, das schlechthin alle Gläubigen angeht, können die Laien darüber hinaus in verschiedener Weise zu unmittelbarer Mitarbeit mit dem Apostolat der Hierarchie berufen werden (Pius XII., Ansprache . 5. 10. 1957), nach Art jener Männer und Frauen, die den Apostel Paulus in der Verkündigung des Evangeliums unterstützten und sich sehr im Herrn mühten (vgl. Phil 4,3; Röm 15,3ff).
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Samstag, 8. September 2012, 18:00

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“(LG)

25 . Teil

Aus Artikel 34
Da der ewige Hohepriester Christus Jesus auch durch die Laien sein Zeugnis und seinen Dienst fortsetzen will, macht er sie durch seinen Geist lebendig und treibt sie unaufhörlich an zu jedem guten und vollkommenen Werk.

Deshalb sind die Laien Christus geweiht und mit dem Heiligen Geist gesalbt und dadurch wunderbar dazu berufen und ausgerüstet, dass immer reichere Früchte des Geistes in ihnen hervorgebracht werden. Es sind nämlich all ihre Werke, Gebete und apostolischen Unternehmungen, ihr Ehe- und Familienleben, die tägliche Arbeit, die geistige und körperliche Erholung, wenn sie im Geist getan werden, aber auch die Lasten des Leben, wenn sie geduldig ertragen werden, „geistige Opfer wohlgefällig vor Gott durch Jesus Christus“ (1 Petr 2,5). Bei der Feier der Eucharistie werden sie mit der Darbringung des Herrenleibes dem Vater in Ehrfurcht dargeboten. So weihen auch die Leien, überall Anbeter im heiligen Tun, die Welt selbst Gott.

Kommentar
Auch hier wird deutlich festgestellt, dass die christlichen Aufgaben der Laien innerhalb der Welt liegen und dass sie dort das „Salz der Erde“ sein sollten und nur in besonderen Fällen innerhalb der Kirche. Dies ist auch im Artikel 33 erörtert sowie im Artikel 35.

Aus Artikel 35
Christus, der große Prophet, der durch das Zeugnis seines Lebens und in Kraft seines Wortes die Herrschaft des Vaters ausgerufen hat, erfüllt bis zu vollen Offenbarung der Herrlichkeit sein prophetisches Amt nicht nur durch die Hierarchie, die in seinem Namen und in seiner Vollmacht lehrt, sondern auch durch die Laien Sie bestellt er deshalb zu Zeugen und rüstet sie mit dem Glaubenssinn und der Gnade des Wortes aus (vgl. Apg 2,17-18 ), damit die Kraft des Evangeliums im alltäglichen Familien und Gesellschaftsleben aufleuchte. Sie zeigen sich als Söhne der Verheißung, wenn sie stark in Glauben und Hoffnung den gegenwärtigen Augenblick auskaufen (vgl. Eph 5,15, Kol 4,5) und die künftige Herrlichkeit in Geduld erwarten (vgl. Röm 8,25), Diese Hoffnung sollen sie aber nicht im Innern des Herzens verbergen, sondern in ständiger Bekehrung und im Kampf „gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die Geister des Bösen“ (Eph 6,12) auch durch die Strukturen des Weltlebens ausdrücken.

So werden die Laien gültige Verkünder des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge (vgl. Hebr 11,1), wenn sie mit dem Leben aus dem Glauben ohne Zögern das Bekenntnis des Glaubens verbinden. Diese Evangelisation, das heißt die Verkündigung der Botschaft Christi durch das Zeugnis des Lebens und das Wort, bekommt eine eigentümliche Prägung und besondere Wirksamkeit von daher, dass sie in gewöhnlichen Verhältnissen der Welt erfüllt wird.

In dieser Aufgabe erscheint als besonders wertvoll jener Lebensstand; der durch ein besonderes Sakrament geheiligt wird, das Ehe und Familienleben. Dort gibt es eine hervorragende Übung und Schule des Laienapostolates, wo die christliche Religion die ganze Einrichtung des Lebens durchdringt und von Tag zu Tag mehr umbildet. Dort haben die Eheleute ihre eigene Berufung, sich gegenseitig und den Kindern den Glauben und die Liebe Christi zu bezeugen.

Daher können und müssen die Laien, wenn auch den zeitlichen Sorgen verpflichtet, eine wertvolle Wirksamkeit zur Evangelisation der Welt ausüben. Deshalb sollen die Laien sich um eine tiefere Kenntnis der geoffenbarten Wahrheit bemühen und inständig von Gott die Gabe der Weisheit erbitten.
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Dienstag, 11. September 2012, 17:16

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)

26. Teil

Aus Artikel 36

Die Gläubigen müssen also die innerste Natur der ganzen Schöpfung, ihren Wert und ihre Hinordnung auf das Lob Gottes anerkennen. Sie müssen auch durch das weltliche Wirken sich gegenseitig zu einem heiligeren Leben verhelfen. So soll die Welt vom Geist Christi erfüllt werden und in Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ihr Ziel wirksamer erreichen. In der Erfüllung dieser allgemeinen Pflicht haben die Laien einen besonderen Platz. Sie sollen durch ihre Zuständigkeit in den profanen Bereichen und durch ihre innerlich von der Gnade Christi erhöhte Tätigkeit einen gültigen Beitrag leisten …. und in menschlicher und christlicher Freiheit auf ihre Weise dem allgemeinen Fortschritt dienen. . So wird Christus durch die Glieder der Kirche die ganze menschliche Gesellschaft mehr und mehr in seinem heilsamen Licht erleuchten.

Außerdem sollen die Laien, auch in Zusammenarbeit, die Einrichtungen und Verhältnisse der Welt, da wo Gewohnheiten zur Sünde aufreizen, so zu heilen suchen, dass dies alles nach der Norm der Gerechtigkeit umgestaltet wird und der Ausübung der Tugenden eher förderlich als schädlich ist,.

Um der Heilsökonomie selbst willen sollen die Gläubigen genau zu unterscheiden lernen zwischen den Rechten und Pflichten, die sie haben, insofern sie zur Kirche gehören, und denen, die sie als Glieder der menschlichen Gesellschaft haben. Beide sollen sie harmonisch miteinander zu verbinden suchen und daran denken, dass sie sich auch in jeder zeitlichen Angelegenheit vom christlichen Gewissen führen lassen müssen; keine menschliche Tätigkeit, auch in weltlichen Dingen nicht, lässt sich ja der Herrschaft Gottes entziehen.

Ebenso aber wird mit Recht jene unselige Lehre verworfen, die eine Gesellschaft ohne Rücksicht auf die Religion zu errichten sucht und die Religionsfreiheit der Bürger bekämpft und austilgt (vgl. Leo XIII., Enzyk. Immortale Dei)

Aus Artikel 37
Die Laien haben wie alle Christgläubigen das Recht, aus den geistlichen Gütern der Kirche, vor allem die Hilfe des Wortes Gottes und der Sakramente, von den geweihten Hirten reichlich zu empfangen (CIC, can 682).

Die Laien sollen wie alle Gläubigen das, was die geweihten Hirten in Stellvertretung Christi als Lehrer und Leiter in der Kirche festsetzen, in christlichem Gehorsam bereitwillig aufzunehmen nach dem Beispiel Christi, der durch seinen Gehorsam bis zum Tode den seligen Weg der Freiheit der Kinder Gottes für alle Menschen eröffnet hat.

So mag die ganze Kirche, durch alle ihre Glieder gestärkt, ihre Sendung für das Leben der Welt wirksamer erfüllen.

Artikel 38
Jeder Laie muss vor der Welt Zeuge der Auferstehung und des Lebens Jesu, unseres Herrn, und ein Zeichen des lebendigen Gottes sein. Alle zusammen und jeder Einzelne zu seinem Teil müssen die Welt mit den Früchten des Geistes nähren (vgl. Gal. 5,22), in sie hinein den Geist ausgießen, der jene Armen, Sanftmütigen und Friedfertigen beseelt, die der Herr im Evangelium seligpries (vgl. Mt 5,3-9). Mit einem Wort: „Was die Seele im Leib ist, das sollen in der Welt die Christen sein.“ (Brief an Diognet)
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Samstag, 15. September 2012, 17:36

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
27. Teil

Zusammenfassung zum 4. Kapitel

Das Kapitel macht deutlich, dass das allgemeine Priestertum sich vom Weihepriestertum unterscheidet, die bereits auf die Handlungen Christi zurückzuführen ist. Die Aufgabe der Laien durch Taufe und Firmung liegt vor allem in der Welt, die sie durch ihr Christentum „durchsäuern“ sollen. Hier sollen sie Beispiel und Zeugnis durch ihr Leben für Christus geben und so das Evangelium verkünden.

Fünftes Kapitel
Die allgemeine Berufung zur Heiligkeit in der der Kirche

Dieses Kapitel umfasst nur 4 Artikel und zwar die Nummern 39 bis 42, wobei die Nummern 41 und 42 sehr umfangreich sind.

Artikel 39
Es ist Gegenstand des Glaubens, dass die Kirche, deren Geheimnis die Heilige Synode vorlegt, unzerstörbar heilig ist. Denn Christus, der Sohn Gottes, der mit dem Vater und dem Geist als „allein Heiliger“ gepriesen wird, hat die Kirche als sein Braut geliebt sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen (vgl. Eph 5,25-26), er hat sie als seinen Leib mit sich verbunden und mit der Gabe des Heiligen Geistes reich beschenket zur Ehre Gottes. Daher sind in der Kirche alle, mögen sie zur Hierarchie gehören oder von ihr geleitet werden zur Heiligkeit berufen gemäß dem Apostelwort: „Das ist der Wille Gotte, eure Heiligung“ (1 Thess 4,3,; vgl. Eph 1,4). Diese Heiligkeit der Kirche tut sich aber in den Gnadenfrüchten, die der Heilige Geist in den Gläubigen hervorbringt, unaufhörlich kund und muss das tun. Sie drückt sich vielgestaltig in den Einzelnen aus, die in ihrer Lebensgestaltung zur Vollkommenheit der Liebe in der Erbauung anderer streben. In eigener Weise erscheint sie in der Übung der sogenannten evangelischen Räte. Diese von vielen Christen auf Antrieb der Heiligen Geistes privat oder in einer von der Kirche anerkannten Lebensform, einem Stand, übernommene Übung der Räte, gibt in der Welt ein hervorragendes Zeugnis und Beispiel dieser Heiligkeit und muss es geben.

Aus Artikel 40
Der Herr Jesus, göttlicher Lehrer und Urbild jeder Vollkommenheit, hat die Heiligkeit des Lebens, deren Urheber und Vollender er selbst ist, allen und jedem einzelnen seiner Jünger in jedweden Lebensverhältnissen gepredigt: „Seid ihr also vollkommen, wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist“ (Mt 5,48 ). Allen hat er den Heiligen Geist gesandt, dass er sie innerlich bewege, Gott aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele ,aus ganzem Gemüt und aus ganzer Kraft zu lieben (vgl. Mk 12,30), und einander zu lieben, wie Christus sie geliebt hat (vgl. Joh 13,24; 15,12). Die Anhänger Christi sind von Gott nicht kraft ihrer Werke, sondern aufgrund seines gnädigen Ratschlusses berufen und in Jesus dem Herrn gerechtfertigt, in der Taufe des Glaubens wahrhaft Kinder Gottes und der göttlichen Natur teilhaftig und so wirklich heilig geworden Sie müssen daher die Heiligung, die sie empfangen haben, mit Gottes Gnade im Leben bewahren und zur vollen Entfaltung bringen. Vom Apostel werden sie gemahnt, zu leben, „wie es Heiligen geziemt“ (Eph 5,3), und „als von Gott erwählte Heilige und Geliebte herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld“ anzuziehen (Kol 312), und die Früchte des Geistes zur Heiligung zu zeitigen (vgl. Gal 5,22; Röm 6,22). Da wir aber in vielem alle fehlen (vgl. Jak 3,2), bedürfen wir auch ständig der Barmherzigkeit Gottes und müssen täglich beten: „Und vergib uns unsere Schuld“ (Mt 6,12).

Jedem ist also klar, dass alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen sind. Durch diese Heiligkeit wird auch in der irdischen Gesellschaft eine menschlichere Weise zu leben gefördert. Zur Erreichen dieser Vollkommenheit sollen die Gläubigen die Kräfte, die sie nach Maß der Gnadengabe Christi empfangen haben, anwenden. So wird die Heiligkeit des Gottesvolkes zu überreicher Frucht anwachsen, wie die Kirchengeschichte durch das Leben so vieler Heiliger strahlend zeigt.
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Montag, 17. September 2012, 16:48

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28. Teil

Der nachfolgende Artikel 41 wird trotz seines Umfanges komplett ins Forum gestellt, da sonst das Verständnis und der Zusammenhang nicht gegeben ist.

Artikel 41
In den verschiedenen Verhältnissen und Aufgaben des Lebens wird die eine Heiligkeit von allen entfaltet, die sich vom Geist Gottes leiten lassen und, die der Stimme des Vaters gehorsam, Gott den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten und dem armen, demütigen, das Kreuz tragenden Christus folgen und so der Teilnahme an seiner Heiligkeit würdig werden. Jeder aber muss nach seinen eigenen Gaben und Gnaden auf dem Weg eines lebendigen Glaubens, der die Hoffnung weckt und durch Liebe wirksam ist, entschlossen vorangehen.

Vor allem die Hirten der Herde Christi müssen nach dem Bild des ewigen Hohenpriesters, des Hirten und Bischofs unserer Seelen, heilig und freudig, demütig und kraftvoll ihr Amt ausüben, das auch für sie, wenn sie es so erfüllen, das hervorragende Mittel der Heiligung ist. Sie wurden zur Fülle des Priestertums erwählt und sind mit sakramentaler Gnade beschenkt, damit sie durch Gebet, Opfer und Verkündigung, durch jede Weise ihres bischöflichen Sorgens und Dienens vollkommen das Amt der Hirtenliebe ausüben, nicht fürchten, ihr Leben für ihre Schafe einzusetzen, und als Vorbild für die Herde (vgl. 1 Petr 5,3) die Kirche auch durch ihr Beispiel zu täglich größerer Heiligkeit voranführen.

Die Priester sollen ähnlich wie die Ordnung der Bischöfe, um die sie einen geistlichen Kranz bilden, in Teilnahme an deren Amtsgnade durch Christus, den ewigen und einzigen Mittler, in täglicher Ausübung ihrer Pflicht in der Liebe zu Gott und dem Nächsten wachsen. Sie sollen das Band der priesterlichen Gemeinschaft wahren, an jedem geistlichen Gut Überfluss haben und vor allen ein lebendiges Zeugnis für Gott geben, als eifriger Nachahmer jener Priester, die im Laufe der Jahrhunderte in oft demütigem und verborgenem Dienst ein hervorragendes Beispiel hinterließen. Ihr Lob lebt in der Kirche Gottes. Im pflichtgemäßen Gebet und Opfer für ihre Gemeinde und das ganze Volk Gottes sollen sie erkennen, was sie tun, und nachahmen, was sie vollziehen. Es sollen ihnen die apostolischen Sorgen, Gefahren und Mühsale so wenig ein Hindernis sein, dass sie dadurch vielmehr zu höherer Heiligkeit emporsteigen, indem sie aus der Fülle der Kontemplation ihre Tätigkeit nähren und fördern zur Freude der ganzen Kirche Gottes,. Alle Priester, und vor allem die, die auf ihren besonderen Weihetitel hin Diözesanpriester heißen, sollen bedenken, wie sehr die treue Verbundenheit und großmütige Zusammenarbeit mit ihrem Bischof zu ihrer Heiligkeit beiträgt.

An der Sendung und Gnade des Hohenpriesters haben in eigener Weise auch die Amtsträger der niederen Ordnung teil vor allem die Diakone, die den Geheimnissen Christi und der Kirche dienen, und sich deshalb von jedem Laster rein bewahren, Gott gefallen und für alles Gute vor den Menschen sorgen müssen (vgl. 1 Tim 3,8-10 und 12-13). Die Kleriker, die, vom Herrn gerufen und in seinen Besitz abgesondert, sich unter der Aufsicht der Hirten auf die Aufgaben ihres Amtes vorbereiten, müssen Geist und Herz entsprechend der so erhabenen Erwählung bilden, eifrig im Gebet, glühend in Liebe, denken, was wahr, gerecht und guten Rufes ist. Alles sollen sie zur Verherrlichung und Ehre Gottes tun. Dazu kommen jene von Gott erwählten Laien, die vom Bischof gerufen sind, sich voll dem apostolischen Wirken hinzugeben, und im Ackerfeld des Herrn mit reicher Frucht arbeiten.
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Montag, 17. September 2012, 16:50

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Die christlichen Eheleute und Eltern müssen auf ihrem eigenen Weg in treuer Liebe das ganze Leben hindurch einander in der Gnade Halt und Stütze sein und die von Gott gerne empfangenen Kinder mit den christlichen Lehren und den Tugenden des Evangeliums erfüllen. So geben sie allen das Beispiel einer unermüdlichen und großmütigen Liebe, sie bauen die Bruderschaft der Liebe auf, sind Zeugen und Mitarbeiter der fruchtbaren Mutter Kirche, zum Zeichen und in Teilnahme jener Liebe, in der Christus seine Braut geliebt und sich für sie hingegeben hat. Ein ähnliches Beispiel wird auf andere Weise von den Witwen und Unverheirateten gegeben; auch sie können nicht wenig zur Heiligkeit und Wirksamkeit in der Kirche beitragen. Jene aber die – oft so schwer – arbeiten, müssen durch die menschliche Arbeit sich selbst vollenden, das Wohl der Mitbürger fördern und die ganze Gesellschaft und Schöpfung höherführen. Sie sollen aber auch Christus mit tätiger Liebe nachahmen, der handwerklich gearbeitet hat und immer mit dem Vater zum Heil aller wirkt. In freudiger Hoffnung soll einer des anderen Last tragen und gerade durch die tägliche Arbeit zu einer höheren, auch apostolischen Heiligkeit emporsteigen.

Die Armen, Schwachen, Kranken und von verschiedener Mühseligkeit Bedrückten oder die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten sollen sich in besonderer Weise mit Christus in seinem Leiden für das Heil der Welt zu vereinigen wissen. Sie hat der Herr im Evangelium seliggepriesen, und „der Gott … aller Gnade, der uns in Christus Jesus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird (sie) nach kurzer Zeit des Leidens selber vollenden, stärken, kräftigen und festigen“ (1 Petr 5,10).

Alle Christgläubigen also werden in ihrer Lebenslage, ihren Pflichten und Verhältnissen und durch dies alles von Tag zu Tag mehr geheiligt, wenn sie alles aus der Hand des himmlischen Vaters im Glauben entgegennehmen und mit Gottes Willen zusammenwirken und so die Liebe, mit der Gott die Welt geliebt hat, im zeitlichen Dienst selbst allen kundmachen.
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Dienstag, 18. September 2012, 17:11

Die dogmatische Konstitution „Lumen gentium“ (LG)
29. Teil

Artikel 42
„Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ (1 Joh 4,16). Gott aber gießt seine Liebe in unseren Herzen aus durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (vgl. Röm 5,5). Daher ist die erste du notwendigste Gabe die Liebe, durch die wir Gott über alles und den Nächsten um Gottes willen lieben. Damit aber die Liebe wie ein guter Same in der Seele wachse und Frucht bringe, muss jeder Gläubige das Wort Gottes bereitwillig hören und seinen Willen mit Hilfe der Gnade in der Tat erfüllen, an den Sakramenten, vor allem der Eucharistie, und an den gottesdienstlichen Handlungen häufig teilnehmen und sich standhaft dem Gebet, der Selbstverleugnung, dem tatkräftigen Bruderdienst und der Übung aller Tugenden widmen. Denn die Liebe als Bund der Vollkommenheit und Fülle des Gesetzes (vgl. Kol 3,14; Röm 3,10) leitet und beseelt alle Mittel der Heiligung und führt sie zum Ziel. Daher ist die Liebe zu Gott wie zum Nächsten das Siegel des wahren Jüngers Christi.

Da Jesus, der Sohn Gottes, seine Liebe durch die Hingabe seines Lebens für uns bekundet hat, hat keiner eine größere Liebe, als wer sein Leben für ihn und die Brüder hingibt (vgl. 1 Joh 3,16; Joh 15,13). Dieses höchste Zeugnis der Liebe vor allen, besonders den Verfolgern, zu geben war die Berufung einiger Christen schon in den ersten Zeiten und wird es immer sein,. Das Martyrium, das den Jünger dem Meister in der freien Annahme des Todes für das Heil der Welt ähnlich macht und im Vergießen des Blutes gleichgestaltet, wertet die Kirche als hervorragendes Geschenk und als höchsten Erweis der Liebe. Wenn es auch wenigen gegeben wird, so müssen doch alle bereit sein, Christus vor den Menschen zu bekennen und ihm in den Verfolgung, die der Kirche nie fehlen, auf dem Weg des Kreuzes zu folgen.

Ferner wird die Heiligkeit der Kirche in besonderer Weise gefördert durch die vielfachen Räte, deren Beobachtung der Herr im Evangelium seinen Jüngern vorlegt. Darunter ragt die kostbare göttliche Gnadengabe hervor, die der Vater einigen gibt (vgl. Mt 19,11; 1 Kor 7,7), die Jungfräulichkeit oder der Zölibat, in dem man sich leichter ungeteilten Herzens (vgl. 1 Kor 7,32-34) Gott allein hingibt. Diese vollkommene Enthaltsamkeit um des Himmelreiches willen wurde von der Kirche immer besonders in Ehren gehalten als Zeichen und Antrieb für die Liebe und als eine besondere Quelle geistlicher Fruchtbarkeit in der Welt.

Die Kirche bedenkt auch die Mahnung des Apostels , der die Gläubigen zur Liebe aufruft und sie ermahnt, die Gesinnung in sich zu tragen, die auch in Christus Jesus war, der „sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm … und gehorsam wurde bis in den Tod“ (Phil 2,7-8 ) und der um unseretwillen „arm wurde, da er reich war“ (2 Kor 8,9). Diese Nachahmung und Bezeugung der Liebe und Demut Christi müssen die Jünger immer leisten. Deshalb freut sich die Mutter Kirche darüber, dass sich in ihrem Schoß viele Männer und Frauen finden, die die Entäußerung des Erlösers nachdrücklicher befolgen und deutlicher erweisen, indem sie die Armut in der Freiheit der Kinder Gottes übernehmen und auf den Eigenwillen verzichten, das heißt, sie unterwerfen sich einem Menschen um Gottes willen hinsichtlich der Vollkommenheit über das Maß des Gebotes hinaus, um sich dem gehorsamen Christus mehr gleichzugestalten.

Alle Christgläubigen sind also zum Streben nach Heiligkeit und ihrem Stand entsprechender Vollkommenheit eingeladen und verpflichtet. Alle sollen deshalb ihre Willensantriebe richtig leiten, um nicht im Umgang mi Dingen der Welt und durch die Anhänglichkeit an die Reichtümer wider den Geist der evangelischen Armut im Streben nach vollkommener Liebe gehindert zu werden. Mahnt doch der Apostel: Die mit dieser Welt umgehen, sollen sich in ihr nicht festsetzen; denn die Gestalt dieser Welt vergeht (vgl. 1 Kor 7,31 grch.).

Kommentar
Zu den im Text angeführten „Räten“ des 3. Absatzes sind die evangelischen Räte gemeint, die auch in Texten der Kirchenväter näher beschrieben sind. Und zur Nächstenliebe, die häufig fehlerhaft interpretiert wird, sei festgestellt, dass diese nicht bedeutet beim Nächsten alles zu tolerieren sondern ihm in erster Linie nicht zu schaden oder ihm böses zu wollen. Denn Jesus hat selbst gesagt: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht …“ (Mt 18,15ff; Lk 17,3b). Und Dietrich Bonhoeffer hat hinsichtlich der Barmherzigkeit innerhalb der Nächstenliebe festgestellt: „Nichts kann grausamer sein, als jene Milde, die den anderen seiner Sünde überlässt, und nichts kann barmherziger sein als die harte Zurechtweisung, die den Bruder vom Weg der Sünde zurückruft.“
Preis den Herrn!