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Texte der Heiligen

Antworten im Thema: 130 » Der letzte Beitrag (25. Juni 2015, 16:25) ist von diaconus.

diaconus

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Samstag, 22. Februar 2014, 16:40

Petrus Damiani (+ 1072)
Aus einem Brief an einen Freund

Lieber Freund, du hast mich um brieflichen Trost gebeten, und ich soll die Bitterkeit, die dein Geist unter den vielen Schicksalschlägen erleidet, durch gute Anregungen erträglicher machen.

Das Wort Gottes will dich ohne Zweifel lehren, wie ein Sohn das Erbe in Besitz zu nehmen. Denn was ist deutlicher als das Wort: „Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann steh fest in Gerechtigkeit und (Gottes-)Furcht und mach dich auf Prüfungen gefasst!“ (Sir 2,1)

Wo Furcht und Gerechtigkeit herrschen, dort ist die Anfechtung durch irgendwelche Widrigkeiten nicht Züchtigung eines Sklaven, sondern väterliche Zucht.

Gerade die Züchtigung durch Gott ist seinen Auserwählten ein Trost. Denn die augenblickliche Geißel, die sie ertragen müssen, macht sie stark für den Weg einer Hoffnung auf den Glanz der überirdischen Seligkeit.

So glättet der Hammer das Gold, damit der Schmied die schlacken herausschlägt. Deswegen schleift die Feile es immer wieder ab, damit die Ader des erzitternden Metalls um so strahlender glänzt. „Töpferware wird nach der Brennhitze des Ofens eingeschätzt, der gerechte Mensch wird durch Versuchung und Not geprüft.“ (Sir 27,5) Darum schreibt Jakobus: „Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet.“ (Jak 1,2) Mit Recht darf sich freuen, wem hier für seine Sünden zeitliche Not widerfährt und für das Gute, das er getan hat, im Himmel ewiger Lohn bereitsteht.

Lieber Bruder, deine Hoffnungslosigkeit soll deinen Geist bedrücken, wenn du gegeißelt wirst und Schläge heiliger Zucht dich treffen. Kein Klagen und Murren komme über deine Lippen, Betrübnis und Trauer sollen dich nicht überwältigen, und Kleinmut mache dich nicht ungeduldig. Vielmehr strahle dein Gesicht frohen Mut aus. Heiterkeit herrsche in deinem Gemüt und aus deinem Mund erklinge Dankgesang.

Die Hoffnung richte dich auf und erfreue dich, die Liebe entzünde ihre Glut, damit der Geist in heiliger Trunkenheit vergisst, was er im Äußeren leidet, und damit sein Wachsen und Streben auf das gerichtet ist, was er im Innern schaut.
Preis den Herrn!

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Donnerstag, 20. März 2014, 17:47

Bernhardin von Siena (+ 1444)
Aus einer Predigt zu Ehren des heiligen Josef

Bei allen besonderen Gnaden, die einem vernunftbegabten Geschöpf mitgeteilt werden, herrscht die allgemeine Regel: Immer, wenn Gott in seiner Güte jemand zu einer besonderen Gnade oder zu einem hohen Stand beruft, dann gibt er alle Hilfen, die für eine so erwählte Persönlichkeit und ihre Aufgabe erforderlich sind. Sie zeichnen diesen Menschen dann in reichem Maße aus.

Das hat sich in hohem Grad am heiligen Josef bewahrheitet, dem Adoptivvater Jesu Christi, dem wirklichen Bräutigam der Königin der Welt und Herrin der Engel. Er wurde vom ewigen Vater erwählt als treuer Ernährer und Behüter seiner höchsten Schätze: seines Sohnes und der Braut Josefs. Dieses Amt hat Josef mit großer Treue verwaltet. Darum spricht der Herr zu ihm: „Du bist ein tüchtiger und treuer Diener … Komm herein in die Freude deines Herrn!“ (Mt 25,21)

Wenn du Josef zur ganzen Kirche Christi in Beziehung setzt, ist er dann nicht ein auserwählter und ganz besonderer Mensch, durch den und unter dessen Obhut Christus der Ordnung entsprechend und ehrenvoll in die Welt eingeführt wurde? Wenn daher die ganze Kirche in der Schuld der Jungfrau Mutter steht, weil sie Christus empfangen durfte, so schuldet sie Josef nach ihr gewiss in besonderem Maß Dank und Ehrfurcht.

Er ist der Abschluss des Alten Testamentes. Er besitzt die Würde des Patriarchen und Propheten, durch ihn erhält sie die verheißene Frucht. Er ist gewiss der einzige, der leibhaftig besitzen durfte, was die Güte Gottes den Patriarchen und Propheten versprochen hat.

Die Vertrautheit, Ehrfurcht und hohe Wertschätzung, die ihm Christus wie ein Sohn dem Vater entgegenbrachte, als er noch auf der Erde lebte, hat er ihm im Himmel gewiss nicht versagt, vielmehr erfüllt und vollendet.

Darum bemerkt Christus nicht umsonst; „Komm herein in die Freude deines Herrn!“ Obwohl die Freude der ewigen Seligkeit in das Herz des Menschen kommt (vgl. 1 Kor 2,9), sagte der Herr ihm doch lieber: „Komm herein in die Freude“, um geheimnisvoll anzudeuten, dass die Freude nicht allein in seinem Innern ist. Sie umgibt ihn vielmehr von allen Seiten und zieht in in sich hinein und taucht ihn unter wie in einen unendlichen Abgrund.

So denke denn an uns, heiliger Josef, und tritt mit deiner Fürbitte beim Herrn ein, der für deinen Sohn gehalten wurde. Mach uns auch deine heilige Braut geneigt, die Mutter dessen, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht durch endlose Ewigkeit. Amen.
Preis den Herrn!

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Montag, 14. April 2014, 18:11

John Henry Kardinal Newman (+ 1890)
Aus einer Predigt über das Kreuz Christi – 1

Die große und schauererregende Lehre vom Kreuz Christi kann in der Sprache der Bilder passend das Herz der Religion genannt werden. Das Herz kann als der Sitz des Lebens angesehen werden; es ist das Prinzip er Bewegung,, Wärme und Tätigkeit; von ihm aus geht das Blut hin und her in die äußersten Teile des Leibes. Es erhält den Menschen in seinen Kräften und Fähigkeiten; es setzt das Gehirn instand, zu denken; und wenn es angetastet wird, stirbt der Mensch. In ähnlicher Weise ist die heilige Lehre vom Sühneopfer Christi, das vitale Prinzip, aufgrund dessen der Christ lebt und ohne das das Christentum nicht ist, Ohne es wird keine andere Lehre mit Nutzen gehalten; an Christi Göttlichkeit zu glauben oder an seine Menschheit oder an die Heilige Dreifaltigkeit oder an das kommende Gericht oder an die Auferstehung der Toten ist ein unwahrer Glaube, nicht der christliche Glaube, wofern wir nicht auch die Lehre von Opfertod Christi annehmen, Sie annehmen andererseits setzt außerdem die Annahme anderer hoher Wahrheiten des Evangeliums voraus; sie schließt den Glauben an Christi wahre Gottheit ein, an seine wahre Menschwerdung und an den natürlichen Sündenzustand des Menschen; und sie bereitet den Weg vor zum Glauben an das heilige eucharistische Mahl, in welchem er, der einmal gekreuzigt worden ist, für immer unsere Seele und unserem Leib gegeben wird, wahrhaft und in der Tat, in seinem Leib und in seinem Blut. Aber wiederum, das Herz ist verborgen vor den Augen; es ist sorgsam und sicher gewahret; es ist nicht gleich dem Auge in die Stirn gesetzt, alles beherrschend und von allen gesehen; und so in ähnlicher Weise ist die heilige Lehre vom Sühneopfer nicht bloß mit Worten zu besprechen, sondern auf ihrem Grund soll gelebt werden; sie soll nicht ehrfurchtslos dargelegt, sondern im Verborgenen angebetet werden; nicht als ein notwendiges Werkzeug bei der Bekehrung der Gottlosen oder um den Verständigen dieser Welt zu genügen, gebraucht, sondern den Willigen und Gehorsamen entfaltet werden; Kindern, welche die Welt noch nicht verdorben hat; Sorgenden, die Trost brauchen; Aufrichtigen und Ernsthaften, die eine Richtschnur des Lebens brauchen; Unschuldigen, die Warnung brauchen; und den Gefestigten, die ihre Kenntnis verdient haben.
Preis den Herrn!

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Mittwoch, 16. April 2014, 17:41

John Henry Kardinal Newman (+ 1890)
Aus einer Predigt über das Kreuz Christi – 2

Man muss nicht meinen, dass, weil die Lehre vom Kreuz uns traurig macht, deshalb das Evangelium eine traurige Religion sei! Der Psalmist sagt: „Die in Tränen säen, werden in Freuden ernten“ (vgl. Ps 126,5) und unser Herr sagt; „Die Trauernden werden getröstet werden.“ (vgl. Mt 5,4) Lasset keinen weggehen mit dem Eindruck, dass das Evangelium uns eine düstere Ansicht von Welt und Leben fassen lasse. Es hindert uns freilich an einer oberflächlichen Freude an dem, was wir sehen, aber es verbietet unseren unmittelbaren Genuss nur, um uns die Freude in der Wahrheit und in der Fülle hernach zu gewähren. Es verbietet uns, mit dem Genuss zu beginnen Es sagt nur: „Wenn ihr mit der Lust anfangt, werdet ihr mit dem Schmerz enden, Es heißt uns mit dem Kreuze Christi beginnen, und in diesem Kreuze werden wir zuerst Trauer finden, aber nach einer Weile werden Friede und Trost aus dieser Trauer sich erheben. Dieses Kreuz wird uns zu Reue, Demütigung, Gebet und Fasten führen, wir werden sorgen um unserer Süden willen, wir werden sorgen mit dem Leiden Christi, aber all dieses Sorgen wird ein Ende haben, ja wird aufgenommen in einem weit höheren Glück als die Freude, die die Welt uns gibt – wiewohl sorglose, weltliche Geister dieses freilich nicht glauben wollen, den Gedanken daran schon lächerlich machen, weil sie es niemals geschmeckt haben und alles nur für Worte halten, die keiner in Wirklichkeit fühlt,. Das ist’s, was sie denken: aber unser Erlöser sagte zu seinen Jüngern: „So habt auch ihr jetzt Leid. Doch ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude wird niemand von euch nehmen.“ (vgl. Joh 16,22) Und der heilige Paulus sagt: „Der natürliche Mensch erfasst nicht die Dinge des göttlichen Geistes; sie sind Torheit für ihn; noch kann er sie erkennen, denn sie sind geistig zu begreifen.“ (vgl. 1 Kor 2,14) Und so verwundet uns das Kreuz Christi, indem es uns von unserer Erlösung ebenso spricht wie von seinen Leiden, in der Tat, aber es verwundet uns so, dass es uns auch heilt.

Und so ist auch alles, was herrlich ist und schön, selbst auf der Oberfläche nur dieser Welt, dennoch ein Bild und eine Verheißung jener wahrhaften Freude, welche aus dem Sühneopfer hervorgeht. Es ist eine Verheißung dessen, was sein wird; es ist ein Schatten, der Hoffnung macht, weil die Substanz folgen soll, der aber nicht ungestüm zu ergreifen ist an Stelle de##r Substanz.
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125

Mittwoch, 16. April 2014, 18:10

John Henry Kardinal Newman (+ 1890)
Aus einer Predigt über das Kreuz Christi – 3

Unser Herr zog vor seiner Passion im Triumphe in Jerusalem ein, und die Menge rief Hosianna und bestreute seinen Weg mit Palmzweigen und Gewändern. Das war nur ein eitler und nichtssagender Aufzug, noch fand unser Herr Vergnügen an ihm,. Es war ein Schatten, der nicht verweilte, sondern vorüberzog Es konnte nicht mehr sein als ein Schatten, denn noch war seine Passion nicht geschehen,, die seinen wahren Triumph bewirkte. Er konnte nicht in seine Herrlichkeit eingehen, ehe er nicht zuvor gelitten hatte. Er konnte keine Lust haben an diesem Scheinbild, wissend, dass es unwirklich war. Indes war dieser erste schattenhafte Triumph das Omen und die Vorhersage des wahren Sieges, der kommen sollte, als er die Schärfe des Todes überwunden hatte. Und wir gedenken dieses Bildes des Triumphes am letzten Fastensonntag, um uns zu erfreuen in der Trauer der folgenden Woche und uns zu erinnern an die wahre Freude, die mit dem Ostertag kommt Und so auch ist es, was diese Welt anlangt, mit all ihren Genüssen, die doch enttäuschen. Lasset uns ihr nicht trauen, geben wir ihr nicht unser Herz, beginnen wir nicht mit ihr. Lasset uns mit dem Glauben beginnen, lasset uns mit Christus beginnen; lasset uns beginnen mit seinem Kreuz und der Demütigung, zu der es führt. Lasset uns zuerst von ihm angezogen werden, der erhöht ist, dass er so sich selbst und alle Dinge frei uns geben möge. Lasset uns zuerst „das Rech Gottes suchen und seine Gerechtigkeit“ (vgl. Mt 6,33), dann werden alle Dinge dieser Welt „uns hinzugefügt werden.“ Die allein sind imstande, wahrhaft diese Welt zu genießen, die mit der unsichtbaren Welt beginnen. Die allein genießen sie, die zuerst ihrer sich enthalten haben. Die allein können wahrhaft Festmahl halten, die zuerst gefastet haben; die allein sind imstande, die Welt zu gebrauchen, die gelernt haben, sie nicht zu missbrauchen; die allein erben sie, die sie als Schatten nehmen der kommenden Welt und die um dieser kommenden Welt willen sie lassen.
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Sonntag, 4. Mai 2014, 17:51

Guerricus (Wericho) von Igny (+ 1157)
Aus einer Predigt über die Auferstehung des Herrn - 1

Die Söhne Jakobs berichteten ihrem Vater: „Josef ist noch am Leben. Er ist sogar Herr über ganz Ägypten.“ Israel sagte: „Genug“ Mein Sohn lebt noch. Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.“ (Gen 45,25.28 ) Vielleicht sagt ihr zu mir: Gut, aber was bedeutet Josef für die Freude des heutigen Tages, für die Herrlichkeit der Auferstehung Christi? Es ist Ostern, und du setzt uns wieder Fastenspeise vor? Unsere Seele hungert nach dem Osterlamm, auf das sie sich durch langes Fasten vorbereitstet hat. Unser Herz brennt nach Jesus (vgl. Lk 24,32).Wir verlangen nach Jesus und dürfen ihn nicht sehen und nicht von ihm hören. Nach Jesus, nicht nach Josef hungern wir; nach dem Retter, nicht nach dem Träumer; nach dem Herrscher über den Himmel, nicht nach dem Herrscher über Ägypten; nicht nach dem der den Leib ernährt, sondern nach dem der den hungernden Geist sättigt.

Warum bringst du uns also Josef? Nichts schmeckt uns von dem, was du sagst, außer Jesus, besonders heute, da das Osterlamm gegessen wird und „Christus als unser Osterlamm geopfert worden ist“ (1 Kor 5,7).

Liebe Brüder, ich habe euch ein Ei oder eine Nuss vorgelegt,. Zerbrecht die Schale, und ihr findet die Nahrung! Über Josef soll gesprochen, aber Jesus, das Osterlamm, nach dem ihr hungert, wird gefunden werden Sein Genuss ist umso angenehmer, je mehr er sich verborgen hält, je eifriger er darum gesucht wird und je schwerer er zu finden ist. Ihr sagt mir: Was hat Josef mit Christus zu tun, was die Erzählung, die du vorgetragen hast, mit dem heutigen Tag? Nun, in mancherlei Hinsicht viel. Ruft euch die Erzählung ins Gedächtnis, und ganz von selbst enthüllt sich der tiefe Sinn des Mysteriums, wenn ihr Jesus jetzt als Erklärer habt, der heute auferstanden, den Seinen auf dem Weg von dem tötenden Buchstaben spricht und ihnen den Sinn der Schrift erschließt (vgl. Lk 24,32).

Denn wer von allen Patriarchen und Propheten stellt so klar und deutlich den Erlöser im Bilde dar wie Josef? Wenn wir mit Glauben und frommen Sinn die Bedeutung seines Namens bedenken und sodann, dass er schöner von Gestalt und Aussehen war als die übrigen Brüder (vgl. Gen 39,6); dass er unschuldig in seinem Tun, klug an Verstand war; dass er von den Seinen verkauft wurde und die Seinen vom Tod rettete; dass er bis zur Gefängnisstrafe gedemütigt und dadurch bis zum Thron erhöht wurde; dass er schließlich als Lohn für seine Tat unter den Völkern den Namen erhielt;: „Retter der Welt“ (Gen 41,45 – Vg) – ich meine, wenn wir das alles fromm und gläubig bedenken, erkennen wir dann nicht unverzüglich, wie wahr der Herr gesagt hat: „Den Propheten bin ich ähnlich geworden“ (Hos 12,10 – Vg)?.

Kommentar
Diese Predigt von Guerricus (Weericho) von Igny ist voll von mystischen Bildern und würde in der heutigen Zeit ziemlich sicher von den meisten Gläubigen nicht verstanden werden. Warum haben sie die Gläubigen der damaligen Zeit verstanden? Weil sie in der Mehrheit unverbildete Analphabeten gewesen waren, tiefer gläubig als es die Mehrheit der heutigen Katholiken sind und offen für das Mystische. Heute sind durch die zeitgeistige „Realität“ und den Relativismus viele wichtige Voraussetzungen für den Glauben verlorengegangen. Außerdem muss man in Diskussionsforen immer wieder feststellen, dass viele nicht mehr richtig lesen können, denn es werden Sätze gelesen, deren Inhalt man sich scheinbar wünscht, die aber mit dem geschriebenen Inhalt des Beitrags oft gar nicht übereinstimmen. Dies ist aus den gegebenen Antworten ersichtlich.
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Mittwoch, 7. Mai 2014, 17:05

Guerricus (Wericho) von Igny (+ 1157)
Aus einer Predigt über die Auferstehung des Herrn - 2

Die Söhne Jakobs berichteten ihrem Vater: „Josef lebt!“ Wie kann ich das anderes verstehen als so: „Sie meldeten den Aposteln: Jesus lebt“? In Jakob erblicke ich nichts anderes als das Kollegium der Apostel. Das ist nicht abwegig, denke ich, nicht nur, weil sie von Jakob abstammen. Sie sind vielmehr auch Väter der vielen Glaubenden geworden, der wahren Israeliten (dem Geist nach), wie Jakob Vater der Israeliten dem Fleisch nach war. Wie jener, so dachen auch die Apostel. Sie dachten, Jesus sei umgekommen, und trauerten untröstlich,. Als sie hörten, dass er lebe, kamen sie nur schwer und zögernd zum Glauben. Als ihnen die Erkenntnis kam, freuten sie sich unsagbar. Es heißt: „Sie berichteten dem Jakob: Josef ist am Leben! Als Jakob das hörte, erwachte er wie aus einem tiefen Schlaf; denn er glaubte ihnen nicht.“ (Gen 45,26 –Vg.) Mir scheint, das ist mit anderen Worten dasselbe, was wir im Evangelium lesen; „Maria aus Magdala ging und berichtete es denen, die it ihm zusammen gewesen waren und die nun klagten und weinten. Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht. Darauf erschien er zweien von ihnen, als sie unterwegs waren. Auch sie gingen und berichteten es den anderen, und auch ihnen glaubte man nicht.“ (Mk 16,10.13) Ebenso steht es bei Lukas; Die Frauen „kehrten vom Grab zurück und berichteten alles den Elf und den andern Jüngern. Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht.“ (Lk 24,9.1) Freilich erwachten sie dann aus dem tiefen Schlaf der Enttäuschung und Verzweiflung.

Es heißt: „Als Jakob alles sah, was Josef ihm geschickt hatte, lebte sein Geist wieder auf, und Israel sagte: Es genügt mir, dass Josef, mein Sohn, lebt. Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.“ (Gen 45,27.28 ) So fruchteten auch bei den Aposteln die Worte wenig, bis sie die Gnadengaben empfingen. Denn Jesus bot sich ihnen in leibhaftiger Gegenwart dar. Er überzeugte sie nicht so sehr durch Worte als durch den Anhauch der Gnadengabe (vgl. Joh 20,22).
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Donnerstag, 8. Mai 2014, 16:54

Guerricus (Werricho) von Igny (+ 1157)
Aus einer Predigt über die Auferstehung des Herrn - 3

Jesus mit dem Herzen aufnehmen bedeutet mehr als ihn mit den Augen sehen oder von ihm mit den Ohren zu hören. Wieviel mächtiger ist doch das Einwirken des Geistes auf die Sinne des inneren Menschen als das Einwirken der körperlichen Welt auf die Sinne des äußeren Menschen.

Wenn da nur ein Geist ist, dann auch ein und derselbe Sinn und die gleiche Übereinstimmung. Dann ist es wirklich so bei den Jüngern, wie wir es über Jakob lesen,. Sein Geist lebt auf (vgl. Gen 45,27), der Geist, der durch die Trauer schon fast ausgelöscht, ja in Verzweiflung begraben war. Da mochte wohl, wen ich nicht irre, ein jeder bei sich selbst sprechen: „Es genügt mir, dass mein Josef lebt“ (vgl. Gen 45,28 ), denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn (vgl. Phil 1,21). So will ich denn „nach Galiläa gehen, auf den Berg, den Jesus genannt hat“ (Mt 28,16), „ihn sehen“ und ihn anbeten, „bevor ich sterbe“, um nachher nicht mehr zu sterben; „denn jeder, der den Sohn sieht du an ihn glaub, hat das ewige Leben und wird leben, auch wenn er stirbt“ (vgl. Joh 6,40; 11,25).

Was aber bezeugt euch die Freude eures Herzens von der Liebe Christi? Heute sind in den Kirchen die Boten der Auferstehung so laut und übereinstimmend zu hören, dass euer Herz sich beglückwünscht und spricht: Sie haben mir gemeldet: Jesus, mein Gott, lebt! Ich habe es gehört, und mein Geist lebt wieder auf, nachdem er vor Enttäuschung entschlafen war, krank vor Mattigkeit und verzagt vor Kleinmut.

Daran kannst du im Wahrheit erkennen, dass dein Geist in Christus wieder ganz lebendig geworden ist, wenn er aufrichtig spricht: Es genügt mir, wenn Jesus lebt. Welch treue Stimme, Stimme, die den Freunden Jesu ziemt! Reine Liebe, die so spricht: Es genügt mir, wenn Jesus lebt! Wenn er lebt, lebe auch ich, weil meine Seele von ihm abhängt, mehr noch weil er mein Leben ist, mein ganzes Genügen. Denn was kann mir mangeln, wenn Jesus lebt? Ja, alles mag mir fehlen, es liegt nichts daran, wenn nur Jesus lebt. Wenn es ihm so gefällt, mag auch er mir fehlen, wenn nur er selbst lebt und für sich selbst, es ist mir genug.

Wenn die Liebe zu Christus das ganze Gemüt eines Menschen beherrscht, dass er auf sich selbst nichts gibt und selbstvergessen nur für Jesus Christus und die Sache Jesu Christi (vgl. Phil 2,21) empfindet, dann, meine ich, ist in ihm die Liebe vollendet. Dem, der so ergriffen ist, bedeutet Armut keine Last Er spürt das Unrecht nicht. Er lacht über Schmähungen, verachtet Schädigungen und hält den Tod für Gewinn. Ja, er ist überzeugt, dass er nicht stirbt; er weiß, dass er eher vom Tod zum Leben schreitet, und spricht im Vertrauen auf Jesus. „Ich will hingehen und ihn sehen, bevor ich sterbe.“ (Gen 45,28 )

Obwohl wir nicht das Bewusstsein einer so reinen Gesinnung haben, wollen wir dennoch, um Jesus zu schauen, zu dem Berg in Galiläa des Himmels wandern, wohin er uns bestellt hat. Während wir diesen Weg gehen, möge unsere Liebe zu ihm wachsen, damit sie spätestens dann vollendet ist, wenn wir bei ihm ankommen. Im Dahinschreiten wird der Weg, der zunächst noch eng und schwierig ist, breiter, und den Schwachen wächst die Kraft.
Preis den Herrn!

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Samstag, 13. Dezember 2014, 16:32

Sel. Kardinal John Henry Newman
Gott schaut auf dich,
wer immer du seiest,
so wie du bist, persönlich.

Er sieht dich und bejaht dich,
wie er dich schuf.

Er weiß, was in dir ist, all dein Fühlen und Denken,
deine Anlagen und Wünsche, deine Stärke du deine Schwäche.

Er sieht dich an deinem Tag der Freude und an deinem Tag der Trauer.

Er horcht auf deine Stimme,
das Klopfen deines Herzens,
selbst auf deinen Atem.

Du liebst dich nicht mehr,
als er dich liebt.
Preis den Herrn!

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130

Sonntag, 21. Dezember 2014, 17:30

Die Predigt
Von Franz von Assisi erzählt man folgende Geschichte: Eines Tages schlug er einem jungen Mönch vor: wir wollen in die Stadt gehen und dort den Leuten predigen Sie gingen sie durch die Straßen und über den Marktplatz und unterhielten sich dabei über ihre geistlichen Erfahrungen und Erkenntnisse. Erst als sie wieder auf dem Weg nach Hause waren, rief der junge Mönch erschrocken aus: „Aber Vater, wir haben vergessen, den Leuten zu predigen!“ Franz von Assisi legt lächelnd die Hand auf die Schulter des jungen Mannes. „Mein Sohn“, antwortete er, „wir haben die ganze Zeit nicht anderes getan. Wir wurden beobachtet und Teile unseres Gespräches wurden mitgehört: unsere Gesichter und unser Verhalten wurden gesehen, So haben wir gepredigt.“ Dann fügt e er hinzu: „Merke dir, mein Sohn, es hat keinen Sinn zu gehen, um zu predigen, wenn wir nicht beim Gehen predigen“
Preis den Herrn!

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131

Donnerstag, 25. Juni 2015, 16:25

Augustinus (364 – 430)
Gott, von dir sich abwenden, heißt fallen.
Zu dir sich hinwenden, heißt aufstehen.
In dir bleiben, heißt sicheren Bestand haben.
Gott, dich verlassen, heißt sterben.
Zu dir heimkommen, heißt neu zum Leben erwachen.
Bei dir sein, heißt leben.
Preis den Herrn!